Wir die Bundeswehr bald in VS "herumballern"? Foto: © Bumble Dee – stock.adobe.com

Bundeswehr stellt im Gemeinderat Pläne für Standortübungsplatz vor. Rund 521 Hektar groß.

Villingen-Schwenningen - 521 Hektar groß soll der neue Standortübungsplatz der Bundeswehr werden, der auch die VS-Gemarkung betrifft. In der Gemeinderatssitzung beschwichtigen die Vertreter der Bundeswehr die Auswirkungen des Vorhabens – die Mehrheit der Stadträte sieht das Projekt dennoch kritisch. Eine Handhabe dagegen gibt es aber wohl nicht.

Die sorgte für reichlich Aufsehen – und lockte die Bürger zur Gemeinderatssitzung: Die Bundeswehr plant, den Standortübungsplatz in Donaueschingen zu erweitern – und das ausgerechnet in Umgebung der Nachsorgeklinik Tannheim. Bei der Vorstellung des Projekts waren die Vertreter der Bundeswehr jedoch bemüht, die Lage sachlich und emotionsbefreit darzulegen.

Ausbildungsmöglichkeiten müssen angepasst werden

Demnach sei eine mögliche Erweiterung bereits seit 2015 Thema gewesen – veränderte Einsatzerkenntnisse hätten dazu geführt, dass die Ausbildungsmöglichkeiten angepasst werden müssten. Daraus resultierte, wie Oberst Herfried Martens vom Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr berichtet, eine Erweiterungsmöglichkeit in räumlicher Nähe zu den Einrichtungen in Donaueschingen. Umfang: 512 Hektar. Gesehen werden diese Flächen auf der Gemarkung Ochsenberg und im Weißwald. Also mitten im Naturschutzgroßprojekt "Baar".

Oberstleutnant Lars Thiemann ging derweil detailliert auf die Planungen ein – macht dabei aber gleich zu Beginn deutlich: Die Einbindung der Bevölkerung im Vorfeld sei nicht üblich – man habe sich nun aber dazu entschieden.

Demnach soll der neue Standortübungsplatz sowohl die Möglichkeit bieten, Grundlagen zu erlernen, als auch diese Elemente zu vertiefen. Vorgesehen seien dafür Schießanlagen für Panzerfäuste, Granatpistolen, Anlagen für Waldkampfübungen – die schwere Kompanie würde jedoch in Stetten am kalten Markt bleiben. Thiemann betont in seinem sachlichen Bericht ebenso: Dort werde keine scharfe Munition verschossen, es gäbe auch keinen Detonationsknall.

Es wird sicher kein Truppenübungsplatz

Ohnehin müsse das Projekt noch eine Umweltverträglichkeitsprüfung und eine artenschutzrechtliche Prüfung durchlaufen, notwendig werde darüber hinaus eine Lärmprognose. Danach könne die Planung eventuell noch mal angepasst werden. Ziel müsse es jedoch sein, die Vorgaben zu erfüllen. Ein umfangreicher und im Bundeswehrjargon klar abgetrennter Truppenübungsplatz sei, wie Martens betont, nicht geplant: "Wir machen das, was wir sagen und wir stehen zu dem, was wir sagen."

Auf Nachfrage von Frank Bonath (FDP), muss der Oberst aber ebenso eingestehen: eine politische Einflussnahme sei möglich, darüber könne man seine Belange einbringen. Für Bonath war mit dieser Aussage jedoch "eindeutig": Verhindert werden könne ein solches Projekt vom Gemeinderat nicht.

Ortsvorsteherin will keinen Lärm

Die Tannheimer Ortsvorsteherin Anja Keller machte im Gremium ihrem Unmut deutlich Luft: Man wolle in Tannheim "kein tägliches Geballer" und fühle sich in dieser Thematik übergangen. Für sie sei nicht nachvollziehbar, warum ein solcher Übungsplatz in dicht besiedeltem Gebiet geplant werde, mitten im Naturschutzgroßprojekt werde "der Wald zertrampelt". Es sei in diesem Zusammenhang unzumutbar, dass der Genesungsprozess der Kinder in der Nachsorgeklinik ausgebremst werde.

Ihr pflichtete Thomas Müller, Geschäftsführer der Klinik, bei und wurde dabei ebenso deutlich. Der Übungsplatz sei für die Nachsorgeklinik "eine große Katastrophe". Man sei enttäuscht vom Verteidigungsministerium, dass man aus der Presse von den Plänen erfahren habe. Die Klinik habe mit Bedacht einen Standort am Waldrand ausgesucht, weil auch die Nähe zu einem Erholungsgebiet gebraucht werde. Ein Standortübungsplatz und eine Nachsorgeklinik – diese beiden Dinge würden sich reiben.

Stadtrat Karl-Henning Lichte als Kinderarzt nahm in diesem Zusammenhang kein Blatt vor den Mund: Sollte das Übungsgelände an diesem Standort kommen, hätten Kinder keine Zukunft mehr in der Klinik.

Vor-Ort-Besuch soll Klärung schaffen

Martens versprach, die Hinweise der Nachsorgeklinik ernst zu nehmen und sich bei einem Vor-Ort-Besuch auszutauschen. Thiemann griff dabei auch die Hinweise von AfD-Stadtrat Olaf Barth mit auf und machte deutlich: "Übungsplätze sind Biotope". Die dortige Fläche werde auch nicht eingezäunt, vielmehr würden Hinweisschilder angebracht. Bei Übungsszenarien seien Wachposten vor Ort, um die Waldbesucher zu warnen.

Es sei nicht gesagt, dass die dortigen Förderprojekte zum Naturschutz nicht weiter unterstützt werden. Man wolle den Wald nicht roden, ihn viel mehr nutzen. "Die dortige Topographie ist gewollt, wir möchten in natürlicher Kulisse üben", so der Oberstleutnant. Mit den Soldaten an einen anderen Standort zu fahren sei ein "riesiger Aufwand", der zu den geregelten Arbeitszeiten der Soldaten nicht leistbar wäre.

Trotz der Ausführungen der Bundeswehr sah der Gemeinderat die Pläne mehrheitlich kritisch – und beauftragte die Verwaltung damit, auf bei den zuständigen Ministerien alle Hebel in Bewegung zu setzen, um das Vorhaben abzuwenden.

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