Die katholische St. Konradskirche steht am Rande der Villinger Südstadt. Foto: Disch Foto: Schwarzwälder-Bote

Religion: St. Konradskirche vor 50 Jahren eingeweiht / Altar steht nahe bei der Gemeinde

Am 21. Oktober jährt sich die feierliche Einweihung der neuen St. Konradskirche am Villinger Walkebuck zum 50. Mal. Das Jubiläum wird eine Woche vorher anlässlich des Kirchweihfestes gefeiert.

 

VS-Villingen. Gerade für drei Jahrzehnte reichte die kleine St. Konradskirche, die Mitte der 30er Jahre für die Bewohner der Südstadt und des Walkebucks gebaut wurde. Die Gemeinde zählte damals 4000 Gläubige. Sie glich eher einer großen Kapelle. Eine Erweiterung der Kirche war nicht möglich, und deshalb plante man einen Neubau.

Mit der Planung und dem Neubau sind der ehemalige Kurat und spätere Pfarrer Bernhard Stolz, der unermüdlich für das Projekt arbeitete, der Vorsitzende der Gesamtkirchengemeinde Dekan Bernhard Gebele sowie der spätere Ehrenbürger der Stadt Ewald Merkle eng verbunden.

Der Architekt Emil Obergfell hatte Anfang der 60er Jahre den Auftrag für den Bau erhalten. Er besuchte viele Kirchen und fand im Wallis (Schweiz) einige Kirchen, die schlicht gebaut, aber auch modern waren. Diese Schlichtheit bewegte ihn. Der 20. Entwurf fand schließlich den Gefallen allen am Bau Beteiligter. Auf einem lichten Waldstück sollte die Kirche gebaut werden.

Das beherrschende Moment des Gotteshauses ist ein kühn geschwungenes Dach ("Hyperbolisches Paraboloid"), das sich über den ganzen Kirchenraum spannt und in der Landschaft des Schwarzwalds eine vertraute Form ist. Das Dach ruht nur auf zwei Fundamenten. Der Raum benötigte keine Stützen, Säulen und Pfeiler.

Die Grundidee für die "moderne, eigenwillige Gestaltung dieses Gotteshauses", so Stolz damals, war, den Altar so nahe wie möglich zur Gemeinde zu bringen. Damit kam man den Gedanken des Zweiten Vatikanischen Konzils entgegen, das den Begriff "Volk Gottes" geprägt hatte.

Die neue St. Konradskirche, die nicht mehr von Steinmetzen gebaut wurde, die keine Rund- und Spitzbögen sowie Pfeiler haben sollte, sollte andere Elemente haben: Glas, Stahl und Beton. Sie wurde die erste neu gebaute Kirche nach dem Konzil im Dekanat.

Kein Zierrat im Inneren sollte vom Wesentlichen ablenken. Der Altar wurde wieder zum Tisch, um den sich die Tischgemeinde treffen sollte.

Auch der eigenwillige Kirchturm, der aus drei Betonsäulen besteht und 43 Meter in die Höhe schaut und keine Uhr haben sollte, fand im Gemeinderat der Stadt nicht nur wohlwollende Worte. Man befürchtete, dass das Glockengeläut die Krankenhausbewohner stören würde, und so manch einer hätte das kleine Glöckchen der alten Kirche gerne noch gehört.

Schließlich fand der erste Spatenstich am 13. Oktober 1963 statt, und am ersten Adventssonntag 1964 wurde der Grundstein gelegt, den Dekan Gebele weihte. Das Richtfest wurde am 29. November 1964 begangen. 1967 war der Bau vollendet.

Am Samstag, 27. Oktober 1967 erwarteten einige Hundert Gläubige sowie Repräsentanten des öffentlichen Lebens auf dem Kirchplatz den Freiburger Weihbischof Karl Gnädinger, der die Weihehandlung mit der Besprengung vornahm – Symbol für die Reinigung des Baues und seine Übereignung an Gott. Mit dem Bischofsstab pochte er dreimal an das Kirchenportal und forderte Einlass. Auf der Schwelle zeichnete er ein Kreuz und zog mit der Gemeinde ein. Im Verlauf der Liturgie wurde der Altar geweiht und die Innenwände an zwölf Stellen mit Chrisam gesalbt. Der ungewöhnlich große Kirchenraum ist dreigeteilt: einmal der Raum für die Gemeinde mit freien Blick auf den Altar, dann der Altarraum und zum Abschluss eine hohe steile Wand. Sie steht symbolhaft für das Unfassbare, Unvorstellbare, das Unbegreifliche und Unsichtbare: Gott. Umgeben ist der Kirchenraum durch den Kreuzweg.

Der Bauausschuss hatte beschlossen, die schattenartigen Chorfester aus Betonglas auszuführen. Für die 14 unteren Fenster wurde das Thema des Kreuzweges vorgesehen. Man entschloss sich, die Glasfenster durch den Künstler Maximilian Bartocz entwerfen zu lassen. Seine Bilder wurden in Orginalform übertragen. Da das Glas nicht geschnitten werden kann, musste es mit dem Hammer bearbeitet werden (französisches Kathedralglas). Es entstanden eindrucksvolle und unterschiedliche Lichtreflexe.

Bei der Ausgestaltung wurde fast ausnahmslos auf den Werkstoff Aluminium zurückgegriffen, wie beim Weihwasserbehälter, Apostelleuchter, Tabernakel und Taufstein. Einzig beim Ambo und beim mit einem Bergkristall anstatt eines Corpus versehenen Altarkreuzes griff man auf Schmiedeeisen zurück.

Das Kirchenjubiläum steht beim Kirchweihfest am Sonntag. 15. Oktober, 10.30 Uhr, im Mittelpunkt des Festgottesdienstes. Anschließend ist allgemeiner Festbetrieb in den Gemeinderäumen und rund um die Kirche. Für die Kinder gibt es vielfältige Spiel- und Bastelmöglichkeiten. Zur Unterhaltung tragen die Kinder der beiden Kindergärten Loretto und St. Konrad, das Kasperle mit Henry Greif und der Akkordeonverein aus Tannheim bei