Da das Café Limba im Herbst 1988 zunächst als "Kitsch" enstand
Da das Café Limba im Herbst 1988 zunächst als "Kitsch" enstand und Berharnd Zipfel im Sommer 1989 als Kneipier einstieg, feiert er nun auch das 25-jährige Bestehen bis ins nächste Jahr hinein mit zahlreichen Akitiviäten. Das 1.Jubiläumsfest steigt am morgigen Freitag ab 20 Uhr im Jugendhaus-Café in Villingen. Neben Livemusik durch den Gitarristen Harizen und der Band "Riva Phoenix Tribe" gibt es ein paar Filmchen von damals zu sehen, und die DJanes Rosi & Helga legen vom Plattenteller auf.
Die Vortragsreihe "Erzähl dei Gschichtle – Ungeheuerliche Abenteuer" startet am Donnerstag, 12. Dezember, im Limba. Zum Auftakt zeigt Ralf Hatwig, ein Stammgast, Bilder und selbstgedrehte Videosequenzen von einem Musikfestival in Island. In Planung ist ein Abend über eine Nepalreise. Die bundesweite "Lange Nacht der kurzen Filme" steht in Zusammenarbeit mit dem Schwenninger Kommunalen Kino in der längsten Nacht des Jahres am Samstag, 21. Dezember, auf dem Limba-Programm. Über den Winter sind Konzerte mit internationalen Bands geplant. Fasnacht gibt’s Karaoke mit einer Liveband. Und auch das Schlösslegassenfest im Sommer 2014 steht im Zeichen des Jubiläums, hatte doch das Limba einst den Grundstein für die Party gelegt.
Von Martina Zieglwalner VS-Villingen. Es ist ein Wohnzimmer, um sich über Freuden und Sorgen des Alltags auszutauschen, dann ist es wieder einer der kleinsten Konzertsäle: das Café Limba in der Villinger Schlösslegasse, das seit 1988 besteht. In diesen 25 Jahren haben sich verrückte Szenen in und um die kleine Kneipe mit ihrem gerade mal 35 Quadratmeter großen Gastraum abgespielt. "Es gab noch nichts, was es nicht gab", stellt Wirt Bernhard Zipfel fest und zieht ein ums andere Foto aus einem Stapel heraus, die von wilden Konzerten und rauschenden Festen zeugen, aber auch von so manchem Glanzpunkt der alternativen Kultur weit über die Region hinaus. Jimmy Carl Black, Schlagzeuger von Frank Zappa, war ebenso vom Auftritt im Limba begeistert wie Andrew Ranken, Schlagzeuger der irischen Band "The Pogues". Bela B. von den Ärzten hat schon hereingeschaut, die Jungs von "Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle" kommen regelmäßig nach ihren Auftritten in Villingen auf ein Bier vorbei.
"Das Limba hat sich bundesweit einen Namen wegen der Konzerte geschaffen, die Musiker genießen es, mal vor 50 statt vor 300 Zuhörern zu spielen und auf engstem Raum eine Party zu feiern", betont Zipfel. Und weit über Deutschland hinaus: "Das ist auch noch eine schöne Geschichte", setzt er an: Einmal überbrachte ihm ein Villinger Grüße aus Japan: Vom Koch eines Irish Pubs in Tokio, der mit seiner Band schon im Limba aufgetreten war.
Von einer Geschichte kommt Zipfel zur nächsten, schmunzelt über Fotos, als Eselbesitzer mit ihrem Tier vor der Kneipe halt machten, ein Hund auf dem Fenstersims sitzt oder Jugendliche sich mitten auf dem Pflaster der Gasse niedergelassen haben. Die meisten der 25 Jahre hat er miterlebt, ob als Wirt, Inhaber eines Ladens in der Nachbarschaft oder Gast.
Volker Nowak war es, der im Herbst 1988 das Café Kitsch gründete. Eine Zeit, in der die Jugend nach dem Ende des alternativen Kulturclubs Lantwatten in Villingen und der kurzen Hochphase der Subkultur in der alten Milchzentrale und der Spittelstraße Schwenningen einen Treffpunkt suchte. Ein knappes Jahr später stieg Zipfel ein, gemeinsam kamen sie auf den Namen Limba, der für Billigholz steht und zum zusammengeschusterten Mobiliar passt. Jede Generation hat ihre Spuren hinterlassen, bunt bemalte Hocker, Flaschen als Kerzenständer, Wände voller Comicfiguren, Graffiti und Plakate tragen zum ureigenen Ambiente bei. "Willkommen zuhause" prangt es den Besuchern entgegen. Dieses Gefühl erleben wohl viele, die es nach Monaten oder Jahren wieder ins Limba zieht. Mancher Student habe ihm erzählt, dass er nirgendwo sonst solch eine Kneipe gefunden hat, erklärt der 51-Jährige. Der ein oder andere findet daher immer wieder den Weg zurück. Inzwischen seien schon Kinder der ersten Stammgäste anzutreffen.
Aber die Zeiten ändern sich auch: Während sich früher die Gespräche um Flugblätter, kritische Artikel für die Schülerzeitung oder Demos drehten, geht es heute um ganz andere Themen: "Die jungen Leute sind zwar alternativ, aber nicht mehr politisch geprägt", so Zipfel. Geblieben sei, dass Gäste über alle Generationen hinweg miteinander auskommen, der Jugendliche neben dem 80-Jährigen sitzt, der Sozialhilfeempfänger neben dem Millionär. Doch nicht ganz wie im eigenen Wohnzimmer, aber fast. So haben sich im Café Limba in den 25 Jahren alle Höhen und Tiefen des Lebens abgespielt.