Ernst Reiser wird an diesem Samstag 80 Jahre alt. Foto: Heinig Foto: Schwarzwälder Bote

Jubiläum: Ernst Reiser feiert 80. Geburtstag / Langjähriger Gemeinderat ist bis heute als Landwirt aktiv

Von Birgit Heinig

 

Ernst Reiser wird an diesem Samstag 80 Jahre alt. Seine Geburtstage fallen immer in die Fastnachtszeit und das passt zu ihm. Seit 40 Jahren ist er nämlich ein Wuescht. Und der "streitbare Landwirt" aus Nordstetten war fast 40 Jahre lang Gemeinderat der Freien Wähler.

VS-Villingen. Bei den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr trat er nicht mehr an. "Nur ein selbst gewählter Abgang ist ein guter", sagte er aus Überzeugung. Mit zwei Brüdern wuchs Ernst Reiser in Nordstetten auf, dort, wo das bäuerliche Anwesen seiner Eltern heute noch steht. Hier lebt er mit seiner Frau Hildegard, mit der er vor zwei Jahren Goldene Hochzeit feiern durfte, einem seiner zwei Söhne und drei von fünf Enkeln in der Nachbarschaft.

Bis heute ist er als Landwirt aktiv, wenngleich er den Arbeitsumfang sehr reduzierte. "Ich fahre gerne Traktor und freue mich jetzt schon, wenn es wieder losgeht", sagt er im Hinblick auf das Frühjahr. Gemeinsam mit seinem Sohn Michael, auf Anraten des Vaters ein gelernter Zimmermann, der 2002 das väterliche Geschäft im Nebenerwerb übernahm, bewirtschaftet der Landwirtschaftsmeister noch immer ein paar Felder Mais für Biogasanlagen und Grünland für Viehfutter.

1980 war für Ernst Reiser ein denkwürdiges Jahr, wurden hier doch persönliche Weichen gestellt, die jahrzehntelang Auswirkungen auf sein Leben haben sollten. 1980 wusste die Wueschtgruppe der Historischen Narrozunft plötzlich nicht, wo sie ihr Stroh herbekommen sollte. Ernst Reiser sprang gegen einen Einsatz als Gastwuescht ein. Der damalige Wueschtvatter Georg Bauer schätzte die "große Klappe" des Neuzuganges, und Reiser durfte bleiben. Im gleichen Jahr gründete sich im damaligen Torstüble der Stammtisch "Schluckauf", der bis heute existiert und der es dem Kommunalpolitiker erleichtern sollte, das "Ohr am Bürger" zu haben. Denn im gleichen Jahr sprachen sowohl Bürgermeister Max Müller von der FDP als auch Schuldirektor Arnulf Wunderlich von den Freien Wählern Ernst Reiser an, ob er nicht für einen Posten als Gemeinderat kandidieren würde. Das Vermächtnis seines Vaters Otto gab den Ausschlag: Auch der trat einst für die unabhängigen Bürger an und "für mich war und ist Kommunalpolitik keine Parteipolitik", sagt Reiser. Er wurde auf Anhieb gewählt.

Als sein Lehrmeister entpuppte sich der legendäre Paul Riegger, der das – damals immerhin schon 40-jährige – "Buele" gerne unter seine Fittiche nahm. Von ihm habe er einen seiner Grundsätze für die Arbeit im Stadtrat übernommen, sagt Reiser: "Stimme immer so ab, als wenn es um dein eigenes Geld geht". Obwohl nach eigenen Aussagen ein überaus friedliebender Mensch, konnte er als Gemeinderat schon hin und wieder aus der Haut fahren, gibt Ernst Reiser zu. Nämlich dann, wenn "vorne schön g’schwätzt und hintenrum anders gehandelt wurde". Oder, wenn die Bürger ihr Gas zu überhöhten Preisen kaufen mussten. Als "Gasrebell" ging Ernst Reiser sogar in die bundesweite Geschichte ein und bekam schließlich Recht. Danach war er bei jeder Kommunalwahl ab 1990 Stimmenkönig seiner Fraktion.

1985 wurde er auch in den Kreisrat gewählt. Ab 2010 trat er auf die Bremse, ließ sich ganz hinten auf die Kandidatenliste setzen, wurde aber als einer, "der den Mund aufmacht", immer wiedergewählt. 2019 kandidierte er schließlich nicht mehr. Inzwischen genießt er die neue Freiheit und widmet sich einem Projekt, das 30 Jahre lang nur nebenher laufen konnte: die Geschichte seines Nordstettens. Noch in diesem Jahr soll ein Buch darüber erscheinen, das bis ins Jahr 1245 zurückblickt.

Im Mittelpunkt seines Lebens mit seiner Frau stehen jetzt die Enkelkinder. "Mir ist wichtig, mich mit jungen Menschen zu umgeben", sagt Ernst Reiser, "der Kopf passt sich schließlich seiner Umgebung an". Den Gemeinderat vermisst er bis heute nicht.