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Villingen-Schwenningen "Im Iran werden andere Gedanken nicht akzeptiert"

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"85 bis 90 Prozent der Bevölkerung Irans sind gegen die Regierung", erklärt der Informant gegenüber unserer Zeitung. Foto: dpa

Villingen-Schwenningen - Die Kritik des jungen Mannes, er ist Anfang 30, richtet sich an das "Unrechtsregime" in Teheran, das Demonstrationen in den vergangenen Tagen blutig niedergeschlagen und nur unter dem Druck der Weltöffentlichkeit einen Flugzeugabschuss zugegeben habe. Sein vernichtendes Urteil über die Regierung Irans macht ihn angreifbar. Spitzel des Mullah-Regimes gebe es auch in Deutschland.

Amin Mohammadi (Name geändert) sitzt in unserer Redaktion, berichtet von seinen Erfahrungen und von dem, was ihm Freunde im Iran mitteilen, verweist auf Videos aus den sozialen Netzwerken, die auch in den vergangenen Tagen entstanden sind und Demonstranten zeigen sollen, die von der Revolutionsgarde erschossen wurden. Darunter völlig Unbeteiligte, die nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

Regime hält das Volk mit Angst und Repression klein

"85 bis 90 Prozent der Bevölkerung Irans sind gegen die Regierung." Doch gemeinsam Front zu machen, sei schwierig. Mit Angst und Repression halte das Regime das Volk klein. Diejenigen, die nun auf den Straßen demon­strierten, könnten es nicht länger aushalten, hätten keine Angst mehr, etwas zu verlieren.

Vor einigen Jahren ist Mohammadi nach Deutschland gekommen, um hier zu studieren. Wobei die ersten Jahre nicht einfach waren. Das Geld, das er im Iran für das Studium in Deutschland gespart hatte, verfiel angesichts der galoppierenden Inflation in seiner Heimat zusehends und reichte, in Deutschland angekommen, gerade mal für ein Semester. Mit Nebenjobs hielt er sich über Wasser, spendete außerdem Blutplasma, täglich. Obwohl man das täglich gar nicht machen dürfe. Aber er brauchte das Geld. 25 Euro pro Plasmaspende. Der Raubbau an seinem Körper hat ihn gesundheitlich mitgenommen. Nach zwei Wochen musste er damit aufhören, eine Pause machen. Dann ging er erneut zum Plasmaspenden.

Vor kurzem deutschen Pass erhalten

Er bewarb sich bei Firmen in Deutschland und fand so in den Schwarzwald-Baar-Kreis. Hier arbeitet er in einem Betrieb im technischen Bereich. Dass er selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen könne und von der Firma gebraucht werde, habe letztlich den Weg geebnet für die Einbürgerung. Vor wenigen Wochen hat Mohammadi den deutschen Pass erhalten. "Da musste ich wirklich weinen."

Doch die Freude wird getrübt. Ihm gehe es hier gut. Er habe Arbeit, könne ein Leben in Freiheit führen. Doch seine Eltern, Geschwister und Freunde im Iran müssten Angst haben. Er habe regelmäßig Kontakt mit ihnen. Doch auch bei Telefonaten und dem Austausch über soziale Netzwerke schwinge die Befürchtung mit, dass Spitzel und iranischer Geheimdienst lauschen.

Die Regierung stelle das Internet zeitweise ab, aus Furcht, Demonstrationen könnten sich ausweiten und der Protest stärker werden. Dann sei auch der Kontakt zu seinen Eltern unterbrochen. Und die Angst wachse. "Das iranische Regime denkt, dass es durch Brutalität und Angstmacherei regieren kann. Das geht aber nicht", zeigt sich Mohammadi überzeugt, dass sich ein Unrechtsstaat auf Dauer nicht halten kann.

Deutsche Außenpolitik hält er für wenig hilfreich

Der junge Mann möchte, dass die Menschenrechtsverletzungen im Iran vor ein internationales Gericht kommen. So seien nach seinen Informationen bei Protesten gegen die Erhöhung der Spritpreise vor einem Monat landesweit 1500 Personen umgebracht worden. Die iranische Regierung leugne das natürlich.

Die deutsche Außenpolitik in Bezug auf den Iran hält er für wenig hilfreich. Hier werde ein einvernehmliches Miteinander gesucht, um die atomare Bedrohung, die vom Iran mittelfristig ausgehen könnte, zu dämmen. Doch seinen Glauben an die Ehrlichkeit der iranischen Regierung hat Mohammadi verloren. Das Mullah-Regime sei kein verlässlicher Vertragspartner. Es müsse unbedingt verhindert werden, dass der Iran Atomwaffen baue. Sonst könne es sein, dass, vielleicht durch ein Missgeschick wie beim Abschuss des ukrainischen Flugzeugs, eine Atombombe gezündet werde.

Da hält er die Vorgehensweise der USA mit Sanktionen für wirkungsvoller. Auch wenn Mohammadi die Rolle der Amerikaner als Weltpolizei nicht gutheißt. Das habe auch Schaden angerichtet. Die iranische Regierung mache aus den USA den großen Feind, um den Blick von ihrer eigenen Unzulänglichkeit abzulenken. Die groß angelegten Demonstrationen gegen die USA nach deren gezielten Tötung von General Ghassem Soleimani seien inszeniert gewesen. Die Regierung habe viele gezwungen, an den Demonstrationen teilzunehmen und gegen die USA zu skandieren. Auf derlei Lügen und Shows verstehe sich das Mullah-Regime.

Viele Iraner durchschauen Regierung

Mohammadi erzählt von seiner Zeit als Schüler, als er vom Lehrer gezwungen wurde, an den Demonstrationen am 13. Aban, dem 4. November, teilzunehmen. Ebenfalls eine Kundgebung gegen die USA mit viel Inszenierung, die an die Stürmung der US-Botschaft im Jahr 1979 erinnern soll.

Die neuerlichen Bilder von Protesten in Teheran zeigten, dass viele Iraner diesen Feindbildern nicht mehr folgten und die Regierung durchschauten.

Frauen trifft Gesetzgebung besonders hart

Jeder Demonstrant sei eine Stimme der Freiheit gegen die Unterdrückung durch die iranische Regierung. Deren Druck sei allgegenwärtig. Er erinnert sich an eine Szene, als er mit seiner Freundin im Iran händchenhaltend unterwegs war. Er sei deshalb von der Polizei angehalten und mit auf die Wache genommen worden. Nur verheirateten Paaren sei es gestattet, in der Öffentlichkeit Hand in Hand zu gehen.

Frauen treffe die Gesetzgebung im Iran besonders hart. Der Kopftuchzwang und anderes mehr verlange ihre Unterordnung und degradiere sie zu Menschen zweiter Klasse. Eine Frau bekomme vom Erbe nur die Hälfte von dem, was ein Sohn erhalte. Wer in der Zeit des Ramadans tagsüber beim Essen erwischt werde, erhalte Peitschenhiebe und Haftstrafen.

"In Deutschland habe ich gelernt, man muss andere Menschen respektieren, so lange sie mich oder andere Menschen nicht verletzen." Im Iran würden andere Gedanken, die nicht konform mit den strengen Vorstellungen der Regierung seien, nicht akzeptiert.

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