Der Immobilienmarkt in der Doppelstadt ist angespannt. Das sieht auch der Oberbürgermeister. Flächen für Wohnraum stehen zur Verfügung, doch es fehlt an den nötigen Investoren. Unzufrieden sind die Bürger auch in Sachen Sicherheit.
Es ist seit Jahren ein beherrschendes Thema in VS und auch über die Stadtgrenzen hinaus: Es fehlt an dringend benötigtem Wohnraum.
Auch beim Orts-Check wird deutlich, dass sich auf dem Wohnungsmarkt in der Doppelstadt etwas tun muss. Mit 4,35 Punkten haben die Teilnehmer die Wohnungssituation in VS zwar etwas besser bewertet als noch 2022 (4,00), dennoch ist die Punktzahl unterdurchschnittlich und die niedrigste im gesamten Landkreis.
„Bezahlbare Wohnungen fehlen, besonders für Familien“, schreibt ein Teilnehmer der Umfrage in den Kommentaren. Es ist von Wohnungsnot die Rede. Doch wie schätzt Oberbürgermeister Jürgen Roth die Situation ein? Und wie könnte man sie entschärfen?
Es fehlt an Investoren
Seit 2022 befinde sich der Wohnungsbau in Deutschland in einer tiefen Krise, von der auch Villingen-Schwenningen stark betroffen sei, schildert der Roth. Investoren, insbesondere im Bereich des bezahlbaren Wohnungsbaus, können wegen der mangelnden Wirtschaftlichkeit nicht investieren und die Projekte so nicht angehen.
„Villingen-Schwenningen hat einen angespannten Wohnungsmarkt. Bei unserer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft sind derzeit 1700 Wohnungssuchende registriert“, macht OB Roth das Ausmaß der Wohnungsnot deutlich. Die Mieten seien hingegen sowohl im Neubau als auch bei Bestandsmieten im Vergleich zu anderen Regionen in Baden-Württemberg immer noch moderat. Diese könnten jedoch zukünftig weiter ansteigen. VS habe, so der OB, vor allem Bedarf an günstigem Wohnraum, der nur über den sozialen Wohnungsbau ermöglicht werden könne.
OB setzt auf die Wohnungsbaugesellschaft
Untätig ist VS in den vergangenen Jahren aber nicht geblieben: Man habe viele Maßnahmen ergriffen, um genügend Grundstücke für den Wohnungsbau bereitzustellen, wie beispielsweise im Gebiet Oberer Brühl. Auf dem Areal soll die Stadtverwaltung in Teilen konzentriert werden und 680 Wohnungen für bis zu 1500 Menschen entstehen. Doch die Frage, wer die Wohnungen bauen soll, ist noch nicht beantwortet.
Die beste Grundstückspolitik nütze nichts, wenn die Investoren ausbleiben, erklärt Roth die Problematik. Der Gemeinderat müsse sich dennoch Gedanken machen, wie die Situation im Neubau- und Sanierungsbereich entspannt werden könne. „Eine wichtige Maßnahme wäre, unsere kommunale wbg weiter zu stärken, damit diese entsprechende Neubaumaßnahmen auf den Weg bringen kann“, betont der OB.
Bei der Entwicklung er Bauplätze sei im vergangenen Jahr aufgrund der Zinsentwicklungen Zurückhaltung spürbar gewesen, die nun aber nicht mehr bestehe. Freie Bauplätze gebe es in der Doppelstadt aktuell jedoch keine mehr.
Sicherheit macht den Bürgern Sorgen
Unzufrieden sind die Bürger der Doppelstadt aber nicht nur mit dem Wohnungsmarkt. Auch in Sachen Sicherheit sehen die Einwohner Handlungsbedarf. 2022 wurde in der Kategorie noch eine Punktzahl von 6,80 erzielt, nun sind es nur noch 5,33.
„Man sollte was für die allgemeine Sicherheit tun. Man traut sich nicht mehr alleine durch Schwenningen zu laufen“, ist etwa eine Forderung eines Umfrageteilnehmers. Ein anderer mahnt mangelnde Sicherheit bei Einbruch der Dunkelheit an.
„In Villingen-Schwenningen ist die Sicherheit im öffentlichen Raum grundsätzlich überall gewährleistet, zumindest wenn man die Vorkommnisberichte der beiden Polizeireviere und des Kommunalen Ordnungsdienstes im Jahresverlauf vergleicht“, erklärt der OB. Eine signifikante Erhöhung der Fallzahlen könne nicht festgestellt werden. Auch sogenannte „No-Go-Areas“ gebe es laut Roth in VS nicht.
Das bedeute nicht, dass es in der Doppelstadt nicht vereinzelt zu Straftaten im öffentliche Raum komme. Im Vergleich zu Städten in ähnlicher Größenordnung würde VS jedoch deutlich besser abschneiden, meint Roth.
Subjektive vs. objektive Sicherheit
Der Orts-Check zeige jedoch, so die Meinung des OB, dass die gefühlte Sicherheit eine andere sei. Objektive und subjektive Sicherheit würden auseinander gehen, das könne auch der von der Stadt Villingen-Schwenningen durchgeführte Sicherheitsaudit 2023 sowie die Kriminalstatistiken, „welche dem Schwarzwald-Baar-Kreis regelmäßig eine landesweit unterdurchschnittliche Kriminalitätsbelastung bescheinigen“, belegen.
Ein Blick in die Kriminalstatistik 2023 des Polizeipräsidiums Konstanz zeigt jedoch, dass die Anzahl an Straftaten von 3784 im Jahr 2022 auf 4382 im Jahr 2023 deutlich angestiegen ist – ein Trend, der im gesamten Präsidium erkennbar ist.
Eine entscheidende Rolle für die Wahrnehmung von Sicherheit spielen, so die Vermutung vom OB, auch soziale Medien. Dort braue sich schnell eine Stimmung zu bestimmten Themen zusammen. Das war zuletzt beim Amok-Fehlalarm an der Albert-Schweitzer-Schule in Villingen der Fall, als in Windeseile von Toten und Schwerverletzten im Netz die Rede war.
Videoüberwachung nur an Fasnet
Den Wunsch der Bürger, die Präsenz von Polizei und Kommunalem Ordnungsdienst (KOD) zu erhöhen, versteht Roth. „Die Grenzen der Präsenz ergeben sich jedoch aus dem bei beiden Institutionen sehr knappen Personalbestand“, erklärt er.
Für eine Videoüberwachung im öffentlichen Raum gebe es in VS zudem keinen rechtlichen Grund, der dies zulassen könnte. Ausnahme sei die Fasnet in der Färberstraße, doch auch dort sei eine Videoüberwachung jedes Jahr schwieriger zu begründen, da auch hier das Ausmaß an Fällen und Delikten laut Roth zurückgehen würde.