Fachstelle unterstützt Menschen mit Alkoholproblemen / Präventionsarbeit in Unternehmen und eine Party
Von Fabian Wagener
Schwarzwald-Baar-Kreis. "Alkohol? Weniger ist besser!": Unter diesem Motto läuft derzeit in Deutschland eine Aktionswoche zum Thema Alkohol. Dies nahm die kreisweit aktive "Fachstelle Sucht" zum Anlass, ihr Beratungs- und Präventionsprogramm näher vorzustellen.
"Alkohol ist immer noch der Bereich, in dem wir die meisten Klienten haben", sagte Simone Burgert, Sozialpädagogin und Suchtherapeutin bei der "Fachstelle Sucht". Allein im vergangenen Jahr, so die Zahlen der Fachstelle, sind in den Niederlassungen in Villingen, Schwenningen und Donaueschingen über 400 Menschen wegen ihres Alkoholkonsums beraten und betreut worden. Zum Vergleich: Wegen Cannabis-Konsums nahmen 146 Personen Beratung in Anspruch, Hilfe gegen ihre Glückspielsucht suchten 44.
Wie aber unterstützen die Mitarbeiter der Fachstelle Menschen mit Alkoholproblemen? Wie läuft eine Betreuung konkret ab? Und ab welcher Menge wird Alkohol überhaupt zum Problem?
Um festzustellen, ob sich der Alkoholkonsum eines Menschen im "missbräuchlichen Bereich" befindet, greife man auf die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zurück, berichtet Burgert. Demnach gilt bei Frauen der Konsum dann als riskant, wenn täglich mehr als zwölf Gramm Alkohol getrunken werden – was bereits bei etwa 0,3 Liter Bier der Fall ist. Bei Männern liegt der Grenzwert mit 24 Gramm etwas darüber. "Wenn man mehr trinkt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Körper geschädigt wird", sagt Burgert.
Deshalb frage man in Erstgesprächen oft, wo der "Kunde" mit Blick auf die Richtlinien stehe. Dann versuche man, gemeinsam Ziele zu vereinbaren, etwa die Reduzierung des Konsums. "Früher wurde überwiegend abstinenzorientiert gearbeitet. Heute schaut man, was die Klienten wollen", so Burgert.
Die schlichte Reduzierung des Alkohols ist allerdings nicht immer das Mittel der Wahl: Bei handfester Abhängigkeit, so Burgert, empfehle man nach wie vor die Abstinenz. "Alkoholkranke leiden oft unter Kontrollverlust, sie können ihren Konsum nicht steuern."
In solchen Fällen führe der Weg aus der Sucht über mehrere Stationen: von der Beratung und Entgiftung über die Therapie bis hin zur Nachsorge. "Ein übermäßiger Alkoholkonsum ist Ausdruck von etwas. Eine Entgiftung reicht in der Regel nicht", sagt Burgert.
Die "Fachstelle Sucht" bietet jedoch nicht nur Beratungs-, Therapie- und Nachsorgeangebote für Menschen mit Alkoholproblemen und anderen Suchtkrankheiten. Neben der konkreten Arbeit mit Betroffenen und Angehörigen versucht man zunehmend auch Betriebe für die Thematik zu sensibilisieren – beispielsweise durch Schulungen von Führungskräften oder durch so genannte "Betriebsvereinbarungen", in denen Geschäftsführung und Betriebsrat schriftlich festlegen, welche Maßnahmen im Umgang mit Suchtmitteln und auffälligen Mitarbeitern geeignet sind. "In den Betrieben herrscht bei dieser Thematik oft Sprachlosigkeit", sagt Fachstellenleiter Andreas Menge-Altenburger.
Durch Projekte wie der neuen Online-Kampagne "feelok.de" wiederum sollen Jugendliche auf die Gefahren übermäßigen Alkoholkonsums aufmerksam gemacht werden.
Und am kommenden Samstag organisiert die "Fachstelle Sucht" ein besonderes Event: Zum Abschluss der deutschlandweiten Aktionswoche findet im Jugendclub Chilly von 17 bis 23 Uhr eine Party mit einer großen Auswahl an Cocktails statt. Natürlich ohne Alkohol.