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Villingen-Schwenningen Hier beginnt die "gelebte Integration"

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Bis zu acht Ehrenamtliche betreuen die Schüler bei ihren Hausaufgaben. Fotos: Kratt Foto: Schwarzwälder-Bote

Auch wenn sie erst vor drei Monaten ihre neue Stelle angetreten hat, ist Sozialarbeiterin Inga Schamell schon jetzt nicht mehr von der Friedensschule wegzudenken. Denn der Bedarf ist besonders bei der Unterstützung von Flüchtlingsschülern und Kindern mit Migrationshintergrund groß.

VS-Schwenningen. Es raucht kräftig über den Köpfen der acht Schüler im Klassenzimmer im zweiten Obergeschoss der Friedensschule. Die Drittklässlerin Rama wird heute von der Schwenninger Ehrenamtlichen Nicole Knutzen betreut. "Kälte, kalt, sich erkälten", liest sie vor. Sie muss Wörter einer Wortgruppe farblich passend markieren.

Dreimal in der Woche findet seit Dezember an der Friedensschule eine Hausaufgabenbetreuung für Flüchtlingskinder statt. Gestemmt wird sie von Ehrenamtlichen des Arbeitskreises Asyl sowie einer Studenteninitiative der FH Furtwangen, koordiniert von Diakonie-Sozialarbeiterin Inga Schamell, die das Klassenzimmer betritt. Die Schüler blicken strahlend von ihren Büchern hoch. Schamell belegt seit Anfang des Jahres eine neu geschaffene Stelle an der Friedensschule (50 Prozent) sowie an der Außenstelle, der ehemaligen Hirschbergschule (25 Prozent).

Beide Grundschulen wurden zum 1. Februar am Standort Friedensschule zusammengelegt. Zwei Sozialarbeiterinnen sind bereits an beiden Schulen beschäftigt. Schamells Schwerpunkt, so berichtet sie, liege neben der Hausaufgabenbetreuung in der Koordination der Vorbereitungsklassen (VKL).

Was brauchen die Kinder? Welche Angebote kann ich entwickeln? – In einer ersten Kennenlernphase habe Schamell den Bedarf der Schüler ermittelt und intensiv Kontakt zu ihnen sowie den VKL-Lehrern aufgenommen. Die meisten der rund 40 VKL- Schüler wohnen in den Schwenninger Gemeinschaftsunterkünften. Die Arbeit mit ihnen gehe über die reine Sprachvermittlung hinaus. "Sie brauchen mehr Halt und Sicherheit", meint die Sozialarbeiterin. Daher sei es auch wichtig, in die Familien zu gehen und Kontakt zu den Eltern aufzubauen.

Dankbar zeigt sich auch Friedensschulleiter Wolfgang Kneer – sowohl über das Engagement der Sozialarbeiterin als auch über das der Ehrenamtlichen: "Es ist gut, wenn aus dem Schulleben ein wenig Spannung genommen werden kann. Das entlastet die Lehrer und auch die Schüler." Auch wenn die bisherigen Sozialarbeiterinnen gute Vorarbeit geleistet hätten: Durch die Zusammenlegung von beiden Grundschulen gebe es viele Verknüpfungspunkte. Mit der zusätzlichen Stelle habe die Schule eine gute Lösung gefunden. "Wir sind am Anfang eines Prozesses. Es gilt, Erfahrungen zu sammeln", macht der Schulleiter deutlich.

So könne er sich auch vorstellen, nach dem Umbau der Friedensschule ein Eltern-Begegnungs-Café in der neuen Mensa zu errichten. Das Vernetzsein mit verschiedenen Schnittstellen sei dabei wichtig. Das bekräftigt auch Evelyn Preuß, Ehrenamts-Koordinatorin bei der Diakonie, die die Hausaufgabenbetreuung mit initiiert hatte. "Es ist gelebte Integration", sagt sie. Zudem werde überlegt, eine zusätzliche Betreuung für Kinder mit Migrationshintergrund einzurichten.

Zurück im Klassenzimmer: Der zehnjährige Radwan und sein elfjähriger Bruder sind für heute fertig mit den Hausaufgaben. "Mathe ist leicht, Deutsch aber schwer", meinen sie. Nachdem sie ein paar Anlaufschwierigkeiten hatten, macht ihnen die Betreuung mittlerweile Spaß. Bis zu neun Schüler nutzten derzeit das Angebot, berichtet Inga Schamell. "Manchmal sind acht Ehrenamtliche vor Ort, dann können die Kinder von einer Eins-zu-Eins-Betreuung profitieren.

An der Wand hängt ein großes Plakat mit Regeln zur Hausaufgabengruppe – sowohl auf deutsch, als auch auf arabisch. "Seitdem wir die Regeln zusammen aufgestellt haben, funktioniert das Zusammensein besser", sagt Inga Schamell. Darunter stehen Boxen mit Arbeitsheften, Sachbüchern und Spielen. Memory etwa werde gerne zum Schluss der Stunde eingesetzt, so die Sozialarbeiterin. Auch dabei werde das Sprechen der Kinder gefördert.

Und manchmal – wenn auch nur in einem Nebensatz – erzählten sie von ihren Erlebnissen in Syrien. "Es ist wichtig, Vertrauen aufzubauen", sagt Schamell, während sie einer Schülerin über die Schulter schaut und ihr über den Arm streichelt. Die Arbeit an der Friedensschule bereite der Sozialarbeiterin große Freude. Von den Kindern komme viel zurück. "Es braucht Zeit, bis sich alles einspielt. Aber es wird", ist Inga Schamell zuversichtlich.

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