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Villingen-Schwenningen Hess: Das große Warten dauert an

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Fotos: © stokkete/Zerophoto – adobe.stock.com Foto: Schwarzwälder Bote

Villingen-Schwenningen - 2019 soll das Hess-Jahr werden, hieß es Ende 2018. Nun aber steht fest: Daraus wird nichts. Schienen zunächst alle Hindernisse aus dem Weg geräumt zu sein, tauchten nun neue auf. Schon wieder heißt es: "Es gibt noch andere, vorrangige Verfahren", so Richter Jens Ruppert auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten.

"Es wird 2019 nichts", bringt es der Jurist knapp auf den Punkt. Der Grund dafür ist derselbe wie bereits in den – mittlerweile zahlreichen – vorangegangenen Jahren: vorrangig zu behandelnde Verfahren, das können Haftsachen sein, aber auch Straftaten, die andernfalls von einer Verjährung bedroht wären.

Der 21. Januar 2013 wird in Villingen zum Schicksalstag

Eine solche drohe in der Causa Hess, so Ruppert, falls nicht bis Ende des Jahres 2021 mit dem möglichen Prozess begonnen würde. "Die Kammer ist natürlich bemüht, es gegebenenfalls vorher auch zu starten", betont der Richter des Landgerichts Mannheim, wo die große Wirtschaftsstrafkammer angesiedelt ist, die im Falle des Falles im mutmaßlichen Betrugsfall um den Villinger Leuchtenspezialisten Recht sprechen müsste.

Der Schicksalstag für das regionale Unternehmen, das im Oktober 2012 so hoffnungsvoll an der Börse gestartet war, liegt lange zurück. Es war der 21. Januar 2013. Die damaligen Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler wurden vom Aufsichtsrat der Hess AG plötzlich abberufen. Der Vorwurf wog schwer: Bilanzmanipulationen. Noch einen Tag später erklärte Christoph Hess, Spross der Gründerfamilie, er könne die gegen ihn erhobenen Vorwürfe nicht nachvollziehen. Nur wenige Tage später, am 13. Februar, wurde der Insolvenzantrag gestellt – die damals noch rund 360 Mitarbeiter beschäftigende Aktiengesellschaft war plötzlich Geschichte – stattdessen nahm ein Wirtschaftskrimi seinen Lauf. Seinen bisherigen Höhepunkt erreichte er in der Erhebung der Anklage seitens der Staatsanwaltschaft Mannheim im Oktober 2015.

Den ehemaligen Chefs Peter Ziegler und Christoph Hess sowie dessen Vater und dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Georges Hess, zwei ehemaligen Mitarbeitern sowie zwei Geschäftsführern konzernfremder Gesellschaften wurden nun offiziell kriminelle Machenschaften vorgeworfen.

Nicht alle Anklagepunkte betreffen jeden von ihnen – im Kern aber geht es unter anderem um vorgeworfene Untreue im besonders schweren Fall, den Verdacht der unrichtigen Darstellung nach dem Handelsgesetzbuch beziehungsweise Aktiengesetz nebst Verletzung der Buchführungspflicht, des Kapitalanlagebetruges mit vorsätzlicher Marktmanipulation und des Kreditbetruges. Und vor allem geht es um sie: über 600 Gläubiger vom Kleinanleger bis hin zum millionenschweren Investor oder drei Banken, die ihr Geld im Rahmen des Börsengangs des aufstrebenden Leuchtenherstellers gut aufgehoben glaubten. Seit dieser Anklage-Erhebung ist Warten angesagt.

Beruflich geht es für beide rasch weiter

Die beiden Hauptangeklagten, Peter Ziegler und Christoph Hess, hatten zwischenzeitlich längst neue berufliche Ufer angesteuert. Von Peter Ziegler wurde seine Tätigkeit als Geschäftsführer der Solarkauf-Luxra GmbH bekannt. Und auch Christoph Hess schien beruflich wieder neu Fuß zu fassen und zwar 2014 als Geschäftsführer des Deutschland-Ablegers von Novaday, einem damals noch jungen Unternehmen der Lichtbranche. Der Diplom-Kaufmann sollte ein Vertriebssystem mit Handelsvertretern in Deutschland, Österreich und der Deutschschweiz aufbauen – doch dann wurde noch im Jahr 2014 bekannt, dass, unabhängig von Hess’ weiterer Tätigkeit für das Unternehmen, mit Ina-Carolin Schmitz der Novaday Deutschland GmbH fortan eine neue Geschäftsführerin vorstehen sollte. Und auch diese Information ist zwischenzeitlich überholt – die neue Geschäftsführerin der Novaday Nord GmbH, wie das immer noch im Villinger Eckweg ansässige Unternehmen heißt, ist laut Impressum nun Katja Faustein. Über Christoph Hess’ berufliches Wirken indes dringt zwischenzeitlich kaum mehr etwas nach außen. Stattdessen warten alle gebannt darauf, dass der Angeklagte wieder verhandlungsfähig wird.

Unabhängig von dem erwarteten großen Wirtschaftsstrafprozess in Mannheim nämlich sollte Hess unter anderem im Villinger Amtsgericht im Januar 2017 wegen der ihm vorgeworfenen Untreue zur Rechenschaft gezogen werden. Doch dazu kam es nicht mehr – Christoph Hess sei nur verhandlungsfähig, wenn die Öffentlichkeit vollständig ausgeschlossen werde, hieß es. Das aber sieht das Gesetz nicht vor, und so wurde die Verhandlung, kaum hatte sie begonnen, wieder ausgesetzt – die Fortsetzung folgte bislang nie.

Ende Dezember soll es entschieden werden

Wird die Frage der Verhandlungsfähigkeit am Ende auch einen möglichen Wirtschaftsstrafprozess in Mannheim durchkreuzen? "Ein Angeklagter muss natürlich verhandlungsfähig sein, dass ein Hauptverfahren durchgeführt werden kann", so Ruppert. Die Kammer 25 in Mannheim allerdings habe sich bis dato noch gar nicht damit beschäftigt wie es um die Verhandlungsfähigkeit von Christoph Hess bestellt ist. Man hoffe, sich Ende Dezember 2019 zumindest einmal mit der Frage der Eröffnung eines Hauptverfahrens beschäftigen zu können. Und dann gehe es ja um mehrere Angeklagte, "wenn es eröffnet werden würde, wäre die Terminierung nicht einfach", lässt der Richter wissen und auch, dass die Causa Hess im Falle eines positiven Beschlusses noch eine ganz schön langwierige Angelegenheit werden könnte.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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