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Villingen-Schwenningen Haus mit Geschichte und Fassade

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Das Gasthaus Raben befindet sich Nachbarschaft zum Villinger Münster. Foto/Repro: Bräun Foto: Schwarzwälder Bote

Ein Gasthaus mit wahrlich besonderer Optik für Touristen und Fotografen und mit Geschichte war und ist der ­"Raben" in der Oberen Straße in Villingen. Er wurde erstmals um 1700 als "Rappen" erwähnt.

VS-Villingen. Ein motivisch gestaltetes Haus, das ein Meinrad Ummenhofer 1832 zum Verkauf anbot: "Markant mit drei Stockwerken, neu und mit Bequemlichkeit ausgestattet, dazugehörig die Raben-Scheuer, ein separates Ökonomiegebäude im Nord-Ost-Winkel des Münsterplatzes mit Stallungen für 30 Pferde und Platz für 30 Stück Rindvieh, mit Scheuer und Raum fürs Bierbrauen und mit Weinkeller".

Josef Faißt schlug zu und zahlte dafür 8400 Gulden. Sein Nachfolger Johann Hall gab 1886 den Raben an ­Martin Storz ab. Storz war Metzger und stammte aus Flözlingen. Er wirtete im Obergeschoss und verkaufte im Parterre seine Wurst- und Fleischwaren. Er starb mit 45 Jahren an einer Blutvergiftung. Den Storzens lag wirten im Blut: Sohn Karl war später langjährig auf der Lilie und Großvater des "Storze Ernst", der viele Jahre Wirt im Ott war (2002 gestorben).

Ab 1896 wechselte der Raben mehrfach den Eigentümer: Zunächst ging er an Metzgermeister Schuler, dem August Rauß folgte. Dann kam 1903 Karl Ketterer, der den Raben für 46 000 Mark kaufte. Schließlich ließ Konditor Wilhelm Schlaich das Gebäude abreißen und nach Plänen des Architekten Nägele zum modernen Café gestalten.

Die bis heute markante Fassade dazu entwarf und malte Albert Säger 1911. Ab 1932 war Stefan Hartmann Eigentümer des auffälligen Hauses. Wer‘s historisch ausweitet, der weiß auch, dass im Raben 1927 auf Initiative der Wirtin Schlaich die "Alte Jungfere" gegründet wurden und man erste Fasnet-Obede feierte, und auch die Glonki-Gilde nahm 1933 hier ihren Anfang.

Eine "Eiszeit" brach im März 1997 an, als im Erdgeschoss der italienische Pächter Eis, Kuchen und Mittagstisch bot. Irgendwann um 2000 gehörte der Raben dem Villinger Anwalt Wolfgang Berweck (1935 bis 2016), der der ­Katzenmusik im Obergeschoss mehrere Jahre Quartier für Mitglieder und Gäste bot.

Ab Mitte Mai soll nun der Raben erneut zur gastronomisch festen Größe werden, wenn die aktuelle Sanierung abgeschlossen sein soll. Dabei bleibt das besondere Gesicht des Raben mit seiner Fassade, die Touristen und Fotografen lockt, denn dieses Gebäude gehört längst zum Stadtbild mit seiner Schauseite, die sich als Entrée zur Oberen Straße öffnet und einlädt.

Albert Säger kam am 30. Januar 1866 zur Welt (er starb 1924) und erlebte seine Kindheit und Jugend im Milieu der Maler-Handwerker mit Tradition in Villingen, wie dies schon beim Großvater ­Barnabas und Vater Rudolf der Fall war. Da konnte Albert nur folgen. Sägers damalige Arbeiten entsprachen dem Stil der Zeit: gekonnt, selbstbewusst und überzeugend. Eben wie es auch das Café Raben in der Oberen Straße in Villingen verlangte: mit Medaillons und gegliederten Girlanden, ­prägnant betont durch Kuchen, Kaffeegeschirr, Weinkrug und Gläser. Er entwarf eine Tanzszene wie bei einer Hochzeit und betonte den lokalen Aspekt regionaler Trachten. Und so sei auch ein Flirt zu erkennen, der sich zwischen den Tanzenden abspielte: das Café als Treffpunkt. Den Namen Raben nehmen zwei Szenen auf, die Fassaden-Programm sind: ein Nest mit Raben und ihren offenen Schnäbeln, über die die Raben-Mutter wacht. Und die Herren Raben vertreiben sich die Zeit beim Tabak-Kolloquium. Mit im Spiel zwei Raben-Kellner. Albert Säger, der Grafiker als Künstler-Handwerker, von dem anzunehmen ist, dass er wohl auch die 20-fache Hinter-Glas-Malerei geschaffen hat, die die Bleiverglasungen der Fenster im Gasthaus Raben in der Oberen Straße zieren.

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