Villinger sind in Kaub gefragt / Auch Zollkontrollen sind hier wieder angesagt
VS-Villingen. Nach der verlorenen Schlacht bei Leipzig flüchtete Napoleon nach Westen über den Rhein, hielt die linke Rheinseite aber weiter besetzt. In einer beispiellosen Aktion setzten die alliierten Truppen, allen voran der Feldmarschall Gebhardt Leberecht von Blücher in der Neujahrsnacht 1813/1814 bei Kaub über den Rhein, um die Verfolgung der französischen Truppen aufzunehmen. An dieses denkwürdige Ereignis vor 202 Jahren erinnerte die Stadt Kaub zu Pfingsten mit einem großen Stadtfest.
Besonderes Highlight dabei waren die etwa 150 Soldaten, die sich auf die große Überfahrt vorbereiteten. Mit zwei Darstellungen am Samstag und Sonntag wurde dem interessierten Publikum gezeigt, wie die Soldaten in kleinen Booten von Schiffern über den Rhein zur Burg Pfalzgrafenstein übergesetzt wurden.
Die Burg Pfalzgrafenstein war noch von den französischen Truppen besetzt, die es zu besiegen galt. Ganz vorne dabei waren die Männer des historischen Grenadiercorps 1810 Villingen, die mutig in die Boote stiegen und aus diesen heraus die Franzosen beschossen. Nach Landung auf der Insel der Burg Pfalzgrafenstein hatten die Villinger Grenadiere, verstärkt durch Kameraden der vierten Bayrischen Infanterie, der Kaiserlichen Deutsch-Russischen Legion und dem Württembergischen Infanterie-Regiment Herzog Wilhelm dem Zweiten, die Situation recht schnell unter Kontrolle und die Franzosen mussten sich geschlagen geben.
Am Rheinufer fieberten die Frauen der Villinger Grenadiere mit, ob ihre Männer auch heil über den Rhein und zurückkamen. Das Historische Grenadiercorps 1810 war mit 18 Personen der Einladung nach Kaub gefolgt.
Im historischen Stadtkern, im ehemaligen Weinkeller von Blüchers Hauptquartier untergebracht, sorgten die Grenadiere für die allgemeine Ordnung in den Straßen. Es wurde patrouilliert, exerziert, Zollkontrollen wurden durchgeführt und Passierscheine kontrolliert. Währenddessen saßen die Frauen vor dem Quartier und vervollständigten Uniformteile beziehungsweise nähten Knöpfe wieder an und flickten Hosen – was den Zuschauern augenscheinlich recht gut gefiel. An den Abenden wurden die Freundschaften mit den anderen Vereinen vertieft. Auch Napoleon und sein Gefolge sowie Marschall Massena ließen es sich nicht nehmen, das Grenadiercorps am Abend mit ihrer Anwesenheit zu beehren. Beim Abschied am Pfingstmontag versicherten sich alle Teilnehmer, dass man sich Mitte Juni beim Reichstadtfest in Bad Wimpfen oder aber spätestens im Juli beim 200. Jahrestag der Schlacht bei Wavre in Belgien wiedersehen werde.