Experten diskutierten beim Tannheimer Fachsymposium in der Neuen Tonhalle. Foto: Klinik Foto: Schwarzwälder-Bote

Nachsorgeklinik: Experten diskutieren beim Tannheimer Symposium

Wenn Kinder krank werden, sogar um ihr Leben bangen müssen oder mit einer chronischen Erkrankung oder einer Behinderung zur Welt kommen, leidet nicht nur das betroffene Kind unter der Last seiner Krankheit.

VS-Tannheim. Über das ­Thema "Geschwisterkinder gleich Schattenkinder?" diskutierten Experten beim Fachsymposium der Nachsorgeklinik Tannheim und der Deutschen Kinderkrebsnachsorge in der Neuen Tonhalle in Villingen.

Die ganze Familie ist betroffen und bewegt sich oft von einem Ausnahmezustand zum anderen. Sind noch weitere gesunde Kinder in der Familie, geraten diese in manchen Fällen ins Abseits. Denn das kranke Kind erhält die volle Aufmerksamkeit der Eltern – Geschwisterkinder werden in die Obhut der Großeltern gegeben, während die Eltern am Krankenbett des anderen Kindes wachen.

Gemeinsame oder gar unbeschwerte Familienzeit gibt es kaum noch oder gar nicht mehr. Diese Extremsituation hinterlässt Spuren bei allen Familienmitgliedern. Geschwisterkinder leiden enorm. Die Angst um die Schwester oder den Bruder und die fehlende Aufmerksamkeit hinterlassen bei vielen Spuren. Erst recht, wenn das Schlimmste eintrifft: Die Schwester oder der Bruder stirbt.

Das Fachsymposium hat sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt und mit Experten aus den Fachbereichen der Medizin, dem psychosozialen Bereich und Vertretern von Krankenkasse und Rentenversicherung in der Neuen Tonhalle diskutiert.

Sind Geschwisterkinder eines kranken Kindes oder gar verstorbenen Kindes automatisch Schattenkinder – sind sie diesem Schicksal ausweglos ausgeliefert oder gibt es auch Wege, damit dies nicht so sein muss? Der Leiter der psychosozialen Abteilung der Nachsorgeklinik Tannheim, Jochen Künzel, sagt: "Nicht jedes Kind wird automatisch durch die Situation belastet. In der familienorientierten Reha in Tannheim stellen wir aber immer wieder fest, dass die Energiereserven der ganzen Familie erschöpft sind. So auch die der Geschwisterkinder. Es ist dann unsere Aufgabe als Fachpersonal zu erkennen, inwiefern die Geschwister mit der Belastung umgehen. Ist ein Kind sehr unauffällig, still und eher zurückgezogen, sind das oft Indizien dafür, dass das Kind leidet."

Roland Wehrle, Geschäftsführer der Nachsorgeklinik Tannheim und Stiftungsvorstand der Deutschen Kinderkrebsnachsorge appelliert an die Vertreterinnen der Kostenträger, Daniela Amann von der Schwenninger Krankenkasse und Karin Laudien von der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg: "Wir haben zwar schon viel erreicht, mehr als wir uns das vor 30 Jahren noch vorstellen konnten. Dennoch reicht es bis heute nicht. Die Tannheimer Nachsorgeklinik benötigt jährlich rund 600 000 Euro, nur um den laufenden Betrieb zu erhalten."

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