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Villingen-Schwenningen Genervte Anwohner nach Fahrplanänderung

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Das Chaos ist perfekt, kein Durchkommen mehr für die Busse an der Haslachschule. 103-mal kommt ein Bus, mindestens dreimal täglich ganze Flotten von Elterntaxis und mittendrin wohnen Anlieger mit gehörigem Frust. Foto: Spitz

Villingen-Schwenningen - "Ganz schön mitgenommen" - der Slogan der Werbung für den neuen ÖPNV in Villingen-Schwenningen muss jetzt auch in negativer Weise dafür herhalten. Ganz schön mitgenommen sind nämlich auch viele verärgerte und genervte Anwohner von Bushaltestellen - etwa in der Villinger Wöschhalde oder dem ­Goldenbühl, aber auch Busfahrgäste am Schwenninger Deutenberg.

Häppchenweise entlädt sich der Ärger. In Leserbriefen, offenen Briefen an die Stadtverwaltung, Whatsapp-Gruppen und Stammtischen. Angekommen ist die Kritik längst auch bei den Stadträten. So wies der CDU-Fraktionssprecher Klaus Martin unlängst im Verwaltungs- und Kulturausschuss der Stadt Villingen-Schwenningen darauf hin, dass man um die Leistungssteigerung seit der Fahrplanänderung wisse, aber dass, wie bei allem Neuen, wohl auch hier noch Korrekturen angesagt seien. Vor allem die Schnittstellen zwischen den Fahrplänen der Verkehrsgemeinschaft VGVS und des Kreises seien wohl problematisch.

Abgase und Motorengeräusche

Manchmal aber liegt der Ärger ganz einfach auch vor der Haustür mitten in einem Wohngebiet in Villingen. Im Falle der Familien Baumann und Arendt beispielsweise. Beiden sei mir nichts, dir nichts eine Bushaltestelle direkt vor das Schlaf- oder Wohnzimmerfenster gelegt worden. Im Halbstundentakt treffen seither die Busse ein - entsprechende Immissionen wie Motorengeräusche oder Abgase inklusive. "Das spüre ich im Mund", erzählt beispielsweise Gerlinde Arendt aus der Breslauer Straße im Gespräch mit unserer Zeitung.

Den Baumanns geht es nicht anders. Dass der ÖPNV verbessert werde, schön und gut, findet Konrad Baumann aus der Oderstraße. Aber dann doch bitte bedarfsgerecht. Sieht er hingegen die halbstündlich, vornehmlich vollkommen leeren Busse an seinem Reihenhaus vorbeiziehen, packt ihn derzeit die Wut. "Warum wurden wir Anlieger bei der Planung nicht mit einbezogen?", will er wissen. Dann hätten die Verkehrsplaner erfahren, dass es mit dem Busverkehr von und in die Wöschhalde bislang doch auch geklappt hat. Von 5.12 bis 22.42 Uhr treffen unablässig Busse vor seinem Schlafzimmerfenster ein.

Neun Minuten später exakt derselbe Bus

Ebenso kurios: Der gleiche Bus trifft mehrfach am Tag zunächst an der Haltestelle vor der Oderstraße 75 an und dann, neun Minuten später, an der Oderstraße 60. Im Sommer bei offenem Fenster zu schlafen? Daran wagen Ursula und Konrad Baumann derzeit gar nicht zu denken. Das Vogelgezwitscher am frühen Morgen, erzählt Ursula Baumann, sei nun dem Motorendröhnen der Buslinien 4, 5 und 6 gewichen. Und alle nehmen sie Kurs auf "den heimlichen Busbahnhof in der Wöschhalde", wie die Anlieger mit ihrem längst entwickelten Galgenhumor bemerken: Die Schlaufe Stettiner-, Breslauer- und Görlitzer Straße, und mittendrin die Haslachschule.

Dort wohnt Max Bammert und deutet auf die Einfahrt seiner Garage. Dass sie von Elterntaxis blockiert ist, wenn Mamas und Papas ihre Sprösslinge aus der Haslachschule abholen wollen, daran hat sich Bammert schon fast gewöhnt. Dass nun aber noch die Buslinien 4, 5 und 6, jeweils im Halbstundentakt hinzu kommen und zwei der drei Buslinien im Abstand von gerade einmal einer Minute eintrudeln und auf ihrer Weiterfahrt auch die exakt gleichen vier nächsten Haltestellen ansteuern werden, das ist für Max Bammert zuviel. "Die Linie 6 ist die überflüssigste Linie, die ich mir vorstellen kann", sagt er. 103-mal am Tag kommen die drei Busse zu "seiner" Haltestelle, mitten rein ins Chaos.

Das bricht hier dreimal täglich aus, morgens, mittags und abends - immer, wenn gleichzeitig Elterntaxis ins Wohngebiet rauschen, Schüler aus der Schule zum Bus oder ihrer Mitfahrgelegenheit rennen, Fahrradfahrer und Fußgänger dazukommen und sich die Busse in diesem unübersichtlichen Tumult in einem ständigen Stop-and-Go an Elterntaxis vorbeischlängeln müssen. Steht dann - wieder einmal - eine Mutter mit ihrem Auto mitten auf der Straße und blockiert den Weg, wird schon mal munter auf die Bushupe gedrückt. "Für unsere Straße ist das ein Horror!" - auch ohne weiße Winter mit zusätzlich hohen Schneebergen am Straßenrand.

Keine Direkt-Verbindung mehr ins Goldenbühl

Gleiche Situation, anderer Ort: Im Goldenbühl erleben die Anwohner in puncto Elterntaxis und Bus dasselbe Dilemma. Beklagen die Villinger der Wöschhalde allerdings ein Überangebot an Bussen, vermisst man hier etwas besonders: die Verbindungen zwischen den Gebieten Gol­denbühl und Wöschhalde/Haslach - nicht nur, aber ganz besonders wegen der medizinischen Angebote in der ehemaligen Goldenbühl-Klinik sind vielen, vor allem älteren Bürgern diese besonders wichtig. Der Umweg über den Bahnhof mit Umstieg auf eine andere Buslinie ist für sie ein beträchtlicher Aufwand und eine Verschlechterung zum früheren Fahrplan.

Bei der Stadt nimmt man die Einwände auf und will die Sache prüfen. Doch es klingt auch durch, dass man sich darauf einstellt, dass alle Beteiligten einen langen Atem haben müssen. Bis ein neues Bussystem von allen angenommen und wie gewünscht genutzt werde, so Bürger­meister Detlev Bührer zuletzt in einer Ausschusssitzung, könne es Jahre dauern.

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