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Villingen-Schwenningen Angeschossene Taube am Riettor

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Eine Taube wurde am Villinger Riettor angeschossen. (Symbolfoto) Foto: Sauer

Villingen-Schwenningen - Geht in der Doppelstadt ein Taubenhasser mit dem Luftgewehr um? Tierfreunde sind in großer Sorge.

Die Wunde am zerfledderten Flügel der grauen Taube war blutig, verkrustet und alt. Mittendrin aber ragte etwas heraus. War es etwa das Projektil eines Gewehrs?

Dass dem Tier etwas zugestoßen sein muss, war für Esra Paj sofort klar. Die Taube hockte auf dem Boden am Villinger Riettor – und das abends um 19.30 Uhr. Im Dunkeln sitzen Tauben eigentlich in ihren Schlägen. Mit den gefiederten Tieren kennt sich Esra Paj aus, ihre Mutter ist schließlich engagiertes Mitglied des Taubenschutzvereins in Rottweil. Langsam näherte sich Esra Paj dem Vogel und bemerkte, dass er offenbar nicht mehr fliegen konnte. Sie fing das Tier ein und brachte es zu ihrer Mutter Arzu Paj. "Ich glaube, der ist angeschossen worden", vermutete Esra.

In einem der Taubenschläge wurde der Findling das Wochenende über versorgt, am Montag dann die traurige Gewissheit: "Ergebnis der klinischen Untersuchung: Steckschuss, Diabologeschoss, Unterarm mit Knochenzertrümmerung, linker Flügel", so der tierärztliche Bericht. Das Geschoss wurde entfernt, die Wunde behandelt und "die Fraktur durch Bandage" ruhiggestellt", erläutert der Tiermediziner.

"Dann kommen solche Idioten auf die Idee und schießen auf die Tiere."

Von ruhig kann bei den Tierfreunden indes keine Ruhe sein. Bei ihnen herrscht helle Aufregung: Da Tauben nachts nicht unterwegs seien, müsse der Schütze ja tagsüber mitten in der Stadt mit einem Luftgewehr unterwegs gewesen sein und auf das Tier geschossen haben, mutmaßt Paj. "Er hätte ja auch ein Kind treffen können!" Arzu Paj erstattete am Mittwoch Anzeige bei der Polizei in Villingen. Dem Tier hilft das akut natürlich nicht, aber möglicherweise werden Nachahmer abgeschreckt oder ist ein solcher Fall aktenkundig, wenn sich wieder einmal so eine Tierquälerei ereignen sollte.

Eine Seltenheit ist das nicht. In Schramberg, erinnert sich Paj, sei eine Taube mit einem völlig zertrümmerten Flügel aufgefunden worden - der Flügel musste amputiert werden. Auch in Rottweil habe es schon mehrere Fälle gegeben. Und in Villingen? "Mir hat jemand erzählt, dass er auch schon Vögel hatte, bei denen er vermute, dass sie angeschossen wurden. Aber das ist nur eine Vermutung", äußert sich Paj verhalten. Die Beweislage sei häufig kompliziert - nur wenn das Projektil, wie in diesem Villinger Fall, stecken bleibe, sei die Ursache eindeutig. Häufiger hingegen ist angesichts des zarten Gefieders und dünnen Gewebes an dieser Stelle ein glatter Durchschuss.

Die Villinger Taube sei durch die Verletzung flugunfähig geworden. Vielleicht werde sie nie mehr die Lüfte erobern können. Dann darf das Tier in der Behindertenvoliere bleiben, die die Tierfreundin für solche Fälle eingerichtet hat. Bevor die Taube von Esra Paj stark abgemagert gefunden worden sei, müsse sie wohl ein bis zwei Wochen auf der Suche nach Futter in Villingen herumgeirrt sein. So alt sei die Wunde bereits. Dass sie in dieser Zeit nicht auf dem Speiseplan von Fuchs, Marder oder vor allem Katzen landete, sei "ein Wahnsinnsglück".

In Doppelstadt stolpere man über Tauben

Im Taubenschlag von Arsu Paj ist das Tier erst einmal gut aufgehoben. Seit Jahren schon kümmert sich die heute 46-Jährige in Rottweil um Stadttauben. Ein Taubenturm und drei Taubenschläge werden von der Rottweilerin betreut. Gemeinsam mit ihrem Team kümmert sich die Vereinsvorsitzende täglich um das Reinigen, die Versorgung und Pflege der Tiere, aber auch den Austausch der Eier und die Fütterung der Tauben - eine Arbeit, die letztlich der Stadt zugute komme. Und das wiederum ist ein Grund, warum Arzu Paj beim Blick nach Villingen-Schwenningen die Welt nicht mehr versteht: "Villingen-Schwenningen schläft wirklich", findet sie. Es sei an der Zeit, "auch mal den Villingern klarzumachen, dass man etwas tun muss".

In der Zähringerstadt stolpere man geradezu über Tauben, "bei uns in Rottweil gar nicht!" Wenn sich nach den Diskussionen der vergangenen Monate in der Doppelstadt endlich etwas in Richtung Taubenhäuser bewege, dann sei das nur zu begrüßen. "Man muss das Rad ja nicht neu erfinden, man kann es einfach nachmachen", meint die Rottweilerin und verweist auf "viele andere Städte", wo Taubenschläge wie die ihren längst Usus sind. Freilich, der Erfolg sei schwer messbar. Aber: Wenn sie gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern 250 bis 300 Eier pro Monat aus den Schlägen hole und durch Plastikeier ersetze, dann sei dieser Erfolg durchaus messbar: "Die schlüpfen schon mal nicht!"

Beseitigt werde das Problem der Population von Tauben in den Städten vermutlich nie. Solange es Taubenzüchter, Hochzeitstauben und den Brieftaubensport gibt, ist sich Paj sicher, "solange ist es ein Kampf gegen Windmühlen". Aber einer, der sich in ihren Augen beim Blick auf die taubenleeren Straßen Rottweils lohnt. Bleibe man tatenlos, "dann kommen solche Idioten auf die Idee und schießen auf die Tiere, weil sie genervt sind".

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