Wie in vielen Städten in ganz Deutschland machen Initiativen, Kirchen und Parteien aus der Region am Montag in Villingen gegen die Pegida-Bewegung mobil und zeigen mit einer Kundgebung Flagge für Menschlichkeit und gegen Fremdenfeindlichkeit. Foto: Kjer

Kundgebung auf dem Marktplatz. Antifaschistisches Treffen will sich Bewegung am Münster entgegenstellen.

Villingen-Schwenningen - Gerade vor dem Hintergrund des terroristischen Anschlags in Paris wollen Initiativen, Kirchen und Parteien aus der Region am Montag, 12. Januar, ab 18.30 Uhr auf dem Villinger Marktplatz Flagge zeigen für Menschlichkeit sowie Demokratie und gegen Fremdenfeindlichkeit. Denn zeitgleich ruft der Ableger Sbh-Gida der bundesweiten Pegida-Bewegung auf dem Münsterplatz zu einer Versammlung auf.

Im sozialen Netzwerk Facebook war vor einer Woche die Seite der Pegida-Gruppe in der Region Schwarzwald-Baar und Heuberg (SBH) aufgetaucht. Mit dem Münster als Symbolbild riefen die unbekannten Initiatoren unter dem Motto "Patriotische Bürger gegen die Islamisierung des Abendlands" zu einer Demonstration auf. Schon länger hatten Nicola Schurr und Pascal Pestre, die sich beide kommunalpolitisch engagieren, befürchtet, dass die Bewegung auf den Kreis überschwappt und mit der Seite "No Pegida in VS" auf Facebook reagiert – und die Initiative für eine Kundgebung auf dem Latschariplatz ergriffen.

Ihnen gehe es nicht um Konfrontation, sondern um ein friedliches Zusammenkommen möglichst vieler Menschen, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern, betont Pestre. "Wir wollen zusammenstehen und mit einem breiten Bündnis ein Zeichen setzen", stellt Pestre fest. Rasant hat sich die Nachricht im Internet verbreitet, unzählige Zusagen sind schon eingegangen. Der Rückhalt kommt inzwischen aus vielen gesellschaftlichen Lagern: Die christlichen Kirchen und die Mitglieder des christlichen-muslimischen Dialogs machen ebenso mobil wie Fraktionen des Gemeinderats oder die Kontaktstelle Refugio für traumatisierte Flüchtlinge. Oberbürgermeister Rupert Kubon unterstützt die Organisatoren. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund ruft mit allen seinen Mitgliedsgewerkschaften im ganzen Kreis zur Kundgebung auf. "Ängste und Sorgen in der Bevölkerung werden von den Organisatoren der Pegida benutzt, um Stimmung gegen Muslime und Asylsuchende zu machen. Damit wird das gesamte soziale Klima in unserer Gesellschaft vergiftet", stellt Regionssekretärin Juliane Hoffmann fest.

Während es das Ziel der Initiatoren Schurr und Pestre ist, mit möglichst zahlreichen Teilnehmern gerade auch den Demonstranten des Pegida-Lagers zu zeigen, dass sie auf dem Marktplatz in der Mehrheit sind, will sich das Offene Antifaschistische Treffen VS (OAT) der Bewegung direkt auf dem Münsterplatz entgegenstellen. "Pegida ist ein Ausdruck von Rassismus und einer Ellenbogenmentalität", erklärt Robert Hertkamp. Es sei notwendig, gleich von Anfang an dieser Stimmungsmache Protest entgegenzusetzen. Den ersten Aufmarsch der Pegida-Befürworter in der Doppelstadt dürfe man nicht unwidersprochen hinnehmen. Treffpunkt für die Gegenproteste unter dem Motto "Pegida stoppen!" ist bereits um 17.30 Uhr auf dem Münsterplatz. In einem Aufruf distanziere sich Pegida zwar von extremen Rechten, die Realität sehe aber anders aus. So seien vielerorts Nazis unter den Demonstranten.

Gerade die Anführer seien in der Regel Rechtsextreme, hat auch Pestre beobachtet. Natürlich dürfe man nicht alle Mitläufer der Bewegung über einen Kamm scheren. Ebenso wie Schurr sei es ihm ein Anliegen, Vorurteilen und der zunehmenden Angst vor dem Islam entgegenzutreten. Auch vor dem Hintergrund der ­Ereignisse in Paris sehen die beiden die Gefahr, dass die Pegida-Bewegung und ­radikale Islamisten einen Keil in die Gesellschaft treiben. So ist die Kundgebung auch gedacht, im gemeinsamen Dialog ein Zeichen zu setzen und der Terroropfer in Frankreich zu gedenken.

Auch die Stadt hat auf den Anschlag auf die Redaktion der Zeitung "Charlie Hebdo" reagiert und wie in Bund und Land an den Dienstgebäuden der Verwaltung bis einschließlich Samstag Trauerbeflaggung angebracht. Der Kooperationsrat der Muslime in VS hat im Namen der Muslime die schlimmen Ereignissen in Paris ebenso verurteilt. "Wir erklären ausdrücklich, dass wir gegen Terror sind, der an unschuldigen Menschen jeglicher Glaubensrichtung, Beruf, Hautfarbe oder Meinungsäußerungen verübt wird", unterstreicht dessen Sprecher Khalil Hourani. Der Islam akzeptiere keinen Terror. "Im Gegenteil verstehen wir den Islam, wie die meisten Muslime, als ein Glauben des Friedens, der auch so in unseren Gemeinden in Villingen-Schwenningen mehrheitlich praktiziert wird." Dies will der Kooperationsrat mit der Teilnahme an der Kundgebung auf dem Marktplatz bekräftigen.

Willkommen seien alle, denen ein friedliches Mitein­ander der Kulturen wichtig sei, erklärt Pestre. Freuen würden sich er und sein Mitstreiter, wenn die Teilnehmer als Symbol einer offenen und bunten Willkommenskultur bunte Lichter mitbringen.