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Villingen-Schwenningen Ganz allein aus dem Krieg geflüchtet

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Mohammed (Mitte) im Gespräch mit seinem Erziehungsbeistand Norbert Speelmann und Brigitte Tomaske, die sich ehrenamtlich um den minderjährigen Flüchtling kümmert. Foto: Falke

VS-Schwenningen - Mit dem immer größer werdendem Zustrom von Asylbewerbern steigt auch die Zahl von Minderjährigen, die mutterseelenallein nach Deutschland geflohen sind. So wie Mohammed, der mit 16 von Syrien nach Schwenningen kam.

Er ist ein junger, ruhiger Mann. Erzählt er seine Geschichte, blitzt in seinen Augen auf, wie es in ihm wühlt, fast spürbar wie sich der Schrecken des Krieges vor seinem inneren Auge abspielt.

Als Mohammed 16 Jahre alt wurde, befahl ihm seine Mutter, das Land zu verlassen, bevor auch er ein Opfer des Krieges werde. Von seiner Heimatstadt Hassake aus flüchtete er in die nahegelegene Türkei. Dort schug er sich mit Gelegenheitsjobs durch, um sich Geld für seine Flucht zu verdienen. Von Bodrum aus startete er einen Fluchtversuch in einem kleinen Boot nach Griechenland. "Das Boot schaukelte mit den 15 Personen stark. Ich hatte Angst, dass wir kentern", erzählt Mohammed leise. Von Athen aus schenkte ihm ein Freund der Familie einen Flug nach Düsseldorf. Im Gepäck nur ein gefälschter Pass und ein Flugticket ins erhoffte Paradies. Mehr als zwei Monate dauerte seine Flucht. Wochen der Ungewissheit sowohl für Mohammed als auch für seine Familie.

Am Flughafen wurde er von den Beamten des Zolls aufgegriffen und in ein Kinderheim gebracht. Danach endete Mohammeds Odyssee, allein in einem fremden Land zu sein. Denn seine Schwester lebt in Schwenningen. Ihr Mann holte ihn schon einen Tag später aus dem Heim ab. Er kam bei der Schwester unter, die auch die Vormundschaft für ihn übernimmt. Doch für Mohammed ist es nicht einfach. Ganz normale Dinge, wie die Anschnallpflicht im Auto, sind ihm fremd. Erst recht die deutsche Sprache. Deshalb besucht er anfangs eine Integrationsklasse am Deutenberg. Doch durch seine extremen traumatischen Erfahrungen, kommt Mohammed dort mit einem normalen und anstrengenden Schulablauf nicht klar. Brigitte Tomaske aus Villingen, die sich schon lange ehrenamtlich um die Schwester, ihre vier Kinder und den Mann kümmert, nimmt sich auch Mohammeds Schicksal an. "Relativ schnell habe ich gemerkt, dass Mohammed Hilfe benötigt, dass er eventuell einen Familienhelfer an seiner Seite braucht", berichtet Tomaske. Norbert Speelmann, der beim Kinder- und Familienzentrum angestellt ist und vom Jugendamt als Erziehungsbeistand eingesetzt wurde, begleitet den heute 17-Jährigen seither. "In manchen Dingen ist er ein normaler Jugendlicher, der zum Beispiel gerne Fußball spielt, aber immer wieder erzählt er auch von den schrecklichen Erlebnissen aus dem Krieg", berichtet Speelmann. Mohammed habe ihm auch erzählt, wie er schon mit 14 Jahren in der Lage war, in sekundenschnelle eine Kalaschnikow zu laden. Mohammed schaut zu Boden, als er dies wieder zu hören bekommt. Derzeit geht der junge Syrer in die Schule für Erziehungshilfe im Schilterhäusle. Speelmann und die Schwester versuchen mit einer Familienzusammenführung die Eltern und Geschwister nach Deutschland zu holen. Und eins steht für den syrischen Flüchtling, dessen Asylantrag anerkannt wurde, schon heute fest: "Wenn wieder Frieden in meinem Land herrscht, gehe ich wieder zurück."

 

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