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Villingen-Schwenningen "Gambier sollen hier bleiben"

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Christian Utischill (stehend) hatte Flüchtlinge aus Gambia, die von Abschiebung bedroht sind und ihre Arbeitgeber sowie Betreuer von Flüchtlingen in das BBQ eingeladen. Foto: Schimkat Foto: Schwarzwälder-Bote

Christian Utischill aus Unterkirnach, der sich seit einem Jahr um die Integration von Flüchtlingen aus Gambia bemüht, hatte Betreuer der Gambier, Firmen, die ihnen einen Ausbildungsplatz angeboten haben und Flüchtlinge, die von Abschiebung bedroht sind, zu einem Informationsaustausch eingeladen.

Villingen-Schwenningen. Nach seinem engagierten Vortrag über die Zustände in Gambia und die, aus seiner Sicht nicht nachvollziehbaren Abschiebeverfahren im Schwarzwald-Baar-Kreis, sowie einer Diskussion unter den anwesenden Arbeitgebern, waren sich alle einig, dass ein runder Tisch gegründet werden sollte, um gemeinsam zu diskutieren, wie die Abschiebungen gerade von Gambiern, die integrationswillig sind und einen Ausbildungsplatz haben, verhindert werden können.

Wie alles begann: Vor einem Jahr begann Utischill damit, Flüchtlinge aus Gambia, die in Maria Tann in Unterkirnach wohnen, in der deutschen Sprache zu unterrichten. Inzwischen habe er sich zum Kümmerer entwickelt, der den Männern bei Behörden-Gängen helfe, sich um Ausbildungsplätze bemühe und sich jetzt damit befasse, die kurzfristigen, unangekündigten Abwicklungen von Abschiebeverfahren zu verhindern oder wenigstens das Abschiebeprocedere zu verbessern, erklärte er.

Gambia: Utischill gab einen Einblick in das Land Gambia, das knapp zwei Millionen Einwohner zählt, und dessen Diktator Jammeh, der 20 Jahre das Land unterdrückte, dieses jetzt verlassen musste, nicht, ohne noch ein Vermögen mitgenommen zu haben. "Er hat das Land geplündert", so Utischill.

Abschiebung: Nachdem bei zwei seiner Schützlinge unangemeldet nachts die Polizei geklingelt habe, um eine Abschiebung vorzunehmen, habe er der Polizei viele Fragen gestellt, die zum größten Teil nicht beantwortet wurden, so Utischill. Die beiden Männer, die nachts nicht angetroffen wurden, hätten sich inzwischen freiwillig gestellt, fuhr er fort. Utischill bemängelt nicht nur die Abschiebepraxis, sondern auch die Tatsache, dass den Flüchtlingen ihr Geld abgenommen wird und sie nach Italien abgeschoben werden. Er halte die Ausweisung nach Italien für den Schritt in die Illegalität, denn in Italien würde man sich nicht um sie kümmern. Für eine Wiedereinreise nach Deutschland mit neuer Antragstellung auf Asyl fehle ihnen das Geld, das man ihnen abgenommen habe.

Arbeitskräfte: Die Arbeitskraft der Flüchtlinge, die integrationswillig sind, wäre in vielen Branchen dringend notwendig, so Utischill. Die Ausbildung der Asylbewerber, viele würden monatlich 100 Euro an ihre zurückgebliebene Familie schicken, sei eine gelebte Entwicklungspolitik. Baden-Württemberg sei ein Schwerpunktland für Gambier, 15 000 würden in Baden-Württemberg leben, fünf Prozent hätten eine reelle Chance, als Asylbewerber ein Bleiberecht zu bekommen, das seien 750 Personen, betonte Utischill.

Arbeitgeber: Martin Ballof, Straßenbaumeister, berichtete von einem Flüchtling aus Gambia, der bei ihm arbeite und über den er nur positive Rückmeldungen erhalte. "Wer von uns Deutschen will noch bei jedem Wetter draußen arbeiten, wer möchte noch alte Menschen pflegen", fragte Ballof. Seine Mutter habe an Ministerpräsident Winfried Kretschmann geschrieben und sich für die Flüchtlinge eingesetzt. Sie habe tatsächlich eine Antwort von Innenminister Thomas Strobl, voll mit verquastem Beamtendeutsch erhalten, reichte Ballof den Brief durch die Reihen.

Leo Hermann von der Hermann GmbH, einer Baufirma in Vöhrenbach, erklärte, seine Leute seien positiv überrascht gewesen mit welchem Interesse die Flüchtlinge bei der Arbeit seien und auch unbedingt lernwillig seien. "Sie liegen dem Staat nicht zur Last, ich hoffe, dass sie im Frühjahr wieder arbeiten dürfen und nicht abgeschoben werden, betonte er. Der Heimleiter von der Seniorenresidenz, Lubina, erklärte, ein Gambier sei zu 50 Prozent bei ihm angestellt gewesen. Er war beliebt, belegte einen Sprachkurs, bis ihm vergangene Woche alles entzogen wurde und er jetzt vor der Abschiebung stehe. "Die Senioren fragen nach ihm, die Mitarbeiter auch, was soll das", ereiferte sich Lubina.

Simone Spiegelberg von BBQ Berufliche Bildung berichtete, sie habe drei Flüchtlinge in St. Georgen als Altenpfleger. Die würden die Senioren betreuen als ob sie ihre Eltern seien und würden jeden Tag besser Deutsch sprechen. Diese Flüchtlinge seien auch gefährdet und wüssten nicht, wie es weitergehe, betonte sie.

Ballof und Hermann verstanden nicht, wieso man bei den Gambiern, die arbeitswillig seien, den Hebel ansetze. Der Tenor der anwesenden Arbeitgeber und Flüchtlingsbetreuer vom Deutschen Roten Kreuz war gleich: "Wir Arbeitgeber wollen die Flüchtlinge behalten, wir haben das Gefühl, dass die Behörden nicht miteinander kommunizieren", die Bemühungen der Sozialdienste seien nahezu hoffnungslos wie die der Ehrenamtlichen. Und die Politiker sind in diesem Jahr mit der Wahl beschäftigt, da wird sich nicht viel tun, betonten sie.

Fazit: Abschließend war man sich einig, dass alle Arbeitgeber Stellung beziehen sollten, eine Vernetzung sei wichtig und die Politiker sollten die Adressaten für die Appelle, das Abschiebeverfahren zu ändern, sein.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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