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Villingen-Schwenningen Freddy Mercury als Steuermann

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Das Narrenschiff ist voll und die ganze Crew macht Party.Fotos: Heinig Foto: Schwarzwälder Bote

"Vom Teufel geritten, den Schalk im Nacken" – im Chorraum des Franziskaners herrschte am späten Freitagabend die Narretei – und wie!

VS-Villingen. Mit den Vorfahren von Narro, Surhebl und Wuescht lebendige Bekanntschaft machte, wer sich nach dem Besuch der Ausstellung "Familiengeheimnisse – der Narro un si ganz Bagasch" auf das "ergötzliche Narrenspiel" von Gunther Schwarz, Henry Greif, Klaus Richter & Co einließ.

15 Schauspieler und Sänger entführten ihr zum Teil närrisch gekleidetes Publikum in vergangene Jahrhunderte, als der Narr noch des Teufels und sein Treiben alles andere als gottgefällig war. Till Eulenspiegel (Michael Schonhardt) zieht sich wie ein Faden in den Schandfarben Gelb und Rot als Moderator und Moralapostel durch die nächste Stunde. Ihm zur Seite steht stets der Bajazzo (Klaus Richter), der sich keines wortspielerischen Kommentars enthält. Glücklicherweise liegt auf jedem Stuhl ein "Drehbuch", in dem der Zuschauer manch Wissenswertes über die "Fasenacht" erfährt – den Villinger Narromarsch hat 1930 Kapellmeister Wilhlem Tempel komponiert – und so dem turbulenten Geschehen auf der Bühne ein wenig besser folgen kann.

Der Wuescht (Frank Haas) legt sich in der Nacht zum "äschrigen Mittwoch" erschöpft schlafen. Im Traum erscheint ihm seine gesamte "bucklige Verwandtschaft", die das Narrenschiff besteigt. Da ist Goethes Mephisto, der Geist, "der stets verneint". Er trägt die älteste in Baden-Württemberg erhaltene Maske.

Da ist der "wilde Mann", mit freiem Oberkörper, efeuberankt und gröhlend. Arlecchino, wild auf Frauen, Fressen und Saufen, der "Dottore" als Karikatur des Intellektuellen und Pulcinella, der als Frau verkleidete Bauer mit der flinken Zunge und Vorbild für das spätere Kasperle – alle drei sind Figuren aus der italienischen Commedia dell’arte. Der Fuchs (Gunther Schwarz) steht für das Außenseitertum und das "Fastnachtshuhn" (Constanze Kaiser) wurde früher sogleich geschlachtet, damit es während der Fastenzeit keine Eier legte.

Nach so viel gottloser Narretei muss der Franziskanermönch Johannes Pauli ein Machtwort sprechen. Bei einer Aschermittwochpredigt im Jahre 1494 gebrauchte er zum ersten Mal das Wort "Fasnet". Er geht mit dem französischen Adligen ob seiner Arroganz hart ins Gericht und lässt dabei ebenso kein Wortspiel aus – "Scheme dich! Morgens bis du "von" und abends bist du "zu". Henry Greif und Gunther Schwarz übernehmen die Adligenschelte in ihr Puppenspiel und lassen die Jaag’schen Puppen tanzen. Der Kasper und die "gretelige Oma" machen sich auf die Suche nach dem verschwundenen Fuchsschwanz. Am Schluss wacht der Wuescht auf, sieht sich seinen Vorfahren gegenüber und auch seinen Nachfahren – Freddy Mercury von "Queen", "der Harlekin-Hofnarr der Popkultur", wird zum Steuermann des Narrenschiffes und die ganze Crew macht Party.

Fröhlich und bunt geht es zu beim Narrenspiel. Wer es in vollen Zügen genießen will ist allerdings gut beraten, sich vorher in die Konzeption der eingangs erwähnten Ausstellung einzulesen.

Die Mitwirkenden: Luis Dinser, Henry Greif, Frank und Moritz Haas, Constanze Kaiser, Matthias Keller, Lukas Link, Dieter Mauch, Klaus, Linus und Mathis Richter, Andrea Riehle, Moritz Schaumann, Michael Schonhart und Gunther Schwarz.

Das Narrenspiel "Vom Teufel geritten, den Schalk im Nacken" wird noch zwei weitere Male aufgeführt: an den Samstagen, 25. Januar und 14. März, jeweils um 15 Uhr.

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