In einer Wohnung in diesem Haus in der Bärengasse wurde eine allein stehende Frau tot aufgefunden. Foto: Huber

Nachbarn entdecken Leblose im Schlafzimmer. Polizei: "Für VS nichts Ungewöhnliches".

Villingen-Schwenningen - Etwa zehn Tage muss sie in ihrem Bett gelegen haben, bevor man sie am gestrigen Spätnachmittag tot auffand: Notarzt, DRK-Sanitäter und Polizisten konnten gegen 17 Uhr nur noch den Tod einer 60 Jahre alten Frau feststellen, die in einer Wohnung in der Villinger Bärengasse allein gelebt hatte.

Passanten spekulierten gestern Nachmittag über den Einsatz zweier Feuerwehrfahrzeuge, Notarzt, Polizei und DRK-Mitarbeiter. "Sieht nach Türöffnung mit Eile aus", vermutete ein junger Rot-Kreuz-Helfer, der eher zufällig vorbei kam. Er sollte Recht haben. Denn bald erfuhren Nachbarn und Mitarbeiter einer Firma, die in dem Haus ihr Lager eingerichtet hat, die traurige Wahrheit: Die 60 Jahre alte Frau, die man in ihrem Schlafzimmer aufgefunden hatte, war schon seit mindestens zehn Tagen tot. Die Polizei geht nach den ersten Erkenntnissen davon aus, dass sie eines natürlichen Todes gestorben ist. "Es waren keine Auffälligkeiten festzustellen", erklärte eine Polizistin.

Eine türkischstämmige Nachbarin hatte den Einsatz ins Rollen gebracht. Sie hatte mehrmals zwar an der Wohnungstüre geklopft, "aber niemand hat reagiert". In Sorge um die Alleinlebende ging sie beherzt von ihrem Fenster aus aufs Garagendach, um ins Schlafzimmer der Nachbarin hineinzusehen. Als sie die Frau leblos liegen sah, bat sie eine weitere Passantin um Hilfe, die dann die Einsatzkräfte rief.

Während die türkische Nachbarin bei der Todesnachricht zu weinen begann, machten sich die Passanten auf dem Gehsteig unten ihre Gedanken. "Dass Menschen alleine in ihrer Wohnung sterben, denkt man, passiert doch nur anderswo und nicht bei uns", zeigte sich die Lagermitarbeiterin betroffen. "Sie stand immer am Fenster und rauchte", erinnerte sie sich. Die Verstorbene habe erst seit gut einem Jahr in der Wohnung gelebt, meinte sie.

So ungewöhnlich ist dieser Vorfall indes für VS nicht, wie das Gespräch mit einem Polizeimitarbeiter zeigte: "Immerhin hat VS 81.000 Einwohner." In Dörfern dagegen komme es eher selten vor, dass Menschen unbemerkt in ihrer Wohnung leben. "Dort sind die sozialen Strukturen ganz anders."

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