Das Landgericht Konstanz hat einen 33-jährigen Mann zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Es wird erwartet, dass er nach einer Teilverbüßung in sein Heimatland Irak abgeschoben wird. Foto: dpa

Landgericht ahndet Raubüberfall auf 54-Jährige mit mehr als fünf Jahren Haft. Opfer leidet noch immer.

Villingen-Schwenningen - Mit fünf Jahren und drei Monaten Haft bestrafte das Landgericht Konstanz einen 33-jährigen Mann, der im Oktober vorigen Jahres im Vorraum einer Sparkassenfiliale in Villingen eine 54-jährige Frau in Raubabsicht überfallen und verletzt hat.

Wie berichtet, bedrohte er das Tatopfer mit einem rund ein Kilogramm schweren Stein, um an ihre Handtasche zu gelangen. Der Frau gelang es, ihm den Stein aus der Hand zu schlagen, woraufhin der Täter ihr mit der Faust ins Gesicht schlug und sie in den Arm biss. Schließlich floh er mit der Tasche. Deren Inhalt konnte später, bis auf ein Handy, sichergestellt werden.

Angeklagter zeigt keine Regung

Die Frau berichtete, sie leide immer noch unter dem damals erlittenen Schock und gehe nicht mehr im Dunkeln auf die Straße. Außerdem habe sie sich seit der Gewalttat mit einem Pfefferspray bewaffnet. Nach dem Überfall musste sie wegen eines Monokel-Hämatoms am Auge, einer Bisswunde am Arm und mehreren Prellungen am Oberkörper ärztlich behandelt werden.

Der Täter lebte bis zu seiner Verhaftung am darauffolgenden Tag aufgrund einer befristeten Duldung in einem Asylheim der Stadt. Vor Gericht berichtete er von exzessivem Alkoholmissbrauch, den er mit Einsamkeit und Angst vor Abschiebung zu rechtfertigen versuchte. Auch vor dem Überfall am frühen Morgen habe er die ganze Nacht über in einer Bar große Mengen Bier getrunken, behauptete er. Deshalb machte er auch Erinnerungslücken geltend.

Ein Dolmetscher für die arabische Sprache musste jedes Wort übersetzen. Der Angeklagte machte im Prozess einen abwesenden Eindruck. Stundenlang saß er mit starrem Blick in der gleichen Position und mit leicht schief gehaltenem Kopf neben seiner Anwältin. Gefühlsregungen wurden nicht sichtbar, auch nicht, als er sich bei dem Tatopfer entschuldigte.

Er berichtete, er sei im Alter von 20 Jahren aus dem Irak nach Europa geflohen, nachdem seine gesamte Familie im Krieg ums Leben gekommen sei. Die Schule habe er nur zwei Jahre besucht.

Ein psychiatrischer Sachverständiger hielt den bereits mehrfach wegen Diebstahls vorbestraften 33-Jährigen für voll schuldfähig. Es wird erwartet, dass er nach Teilverbüßung der Strafe aus Deutschland abgeschoben wird.