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Landratsamt schaltet sich in unendliche Debatte ein: Schubertstraße jetzt im Fokus. Gremien müssen noch zustimmen.

Villingen-Schwenningen - Der Gemeinderat soll eine Rolle rückwärts machen: Die Beschlüsse zum Bau eines Obdachlosenheims in der Klippeneckstraße und am Standort Steinkreuz weg will man aufheben und stattdessen ein Flüchtlingswohnheim in Schwenningen zum neuen Obdachlosenheim machen.

Das Ringen um eine Lösung ist schon beinahe unendlich. Glaubte man 2015 mit einem Grundstück in der Klippen­eckstraße die Lösung gefunden zu haben, war diese bald vom Tisch: Weil mit der Esso-Tankstelle ein so genannter "Störfallbetrieb" auf dem Grundstück Neuffenstraße 29 der Nachbar ist, bedarf es der gutachterlichen Einzelfallbetrachtung – und letztlich eines 160 Meter großen Abstandes zum "Störfall". Also plante man um, verschob den Standort in den Planungen um 200 Meter nach Nord-Westen und fasste, um all das räumlich zu kompensieren, den Beschluss zum Kauf eines weiteren Teilgrundstücks. Doch dann kam sich die Stadt mit einem Gewerbebetrieb mit Erweiterungsbedarf ins Gehege. Ein deshalb erforderliches Lärmimmissionsgutachten hätte möglicherweise das Aus für das komplette Projekt bedeutet, zumindest aber eine zeitnahe Umsetzung unmöglich gemacht.

Die Stadt folgte daher einem neuen Credo: "Soweit möglich sollten für die Unterbringung des Obdachlosenheims keine Gewerbeflächen in Anspruch genommen werden (...) eine Einschränkung der Entwicklungsmöglichkeiten der ansässigen Betriebe sollte vermieden werden", so die Verwaltung.

Also: erneuter Suchlauf. Nun rückte die Salinenstraße 41 und 43 in Schwenningen in den Fokus. Praktisch: Der Flächennutzungsplan sieht dort, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bürgerheim, ohnehin soziale Einrichtungen vor und als solche ist ein Obdachlosenheim schließlich einzustufen. Recherchen der Verwaltung ergaben, dass das Gelände für eine sofortige Bebauung geeignet wäre. Doch der Gemeinderat ließ den Tagesordnungspunkt von der Tagesordnung absetzen und verlangte von der Verwaltung einen erneuten Suchlauf.

Daraus ging ein neuer Favorit hervor: der Steinkreuzweg in Villingen. Der Bau des Obdachlosenheims wäre möglich gewesen. Aber auch dort hätte es umfangreicher Gutachten zu Schallschutz und Boden bedurft, die teuer und im Kostenplan noch nicht vorgesehen waren. Dennoch stimmte der Gemeinderat zu. Die Verwaltung sollte die Umsetzung einleiten.

Dieses Mal aber waren es die Kosten, die der Verwaltung einen Strich durch die Rechnung machten: Das Grundstück in Besitz der Stadtwerke ist lukrativ, damit lässt sich Geld machen – mehr Geld, als die Verwaltung gewillt war für das Vorhaben auszugeben. Bürgermeister Detlev Bührer stoppte das Vorhaben, man suchte erneut und ließ einem Recyclingbetrieb den Vortritt, der die Fläche im Steinkreuzweg nutzen will.

Zwischenzeitlich schaltete sich das Landratsamt in die nicht enden wollende Geschichte Villingen-Schwenningens ein - und zwar mit dem Vorschlag, zu prüfen, ob nicht eines der derzeit angemieteten Flüchtlingswohnheime in der Doppelstadt als Obdachlosenheim übernommen werden kann.

Ein Volltreffer: Die Schubertstraße 29 in Schwenningen könnte erworben werden, zusätzliche 100.000 Euro würde die Möblierung kosten. Nun müssen allerdings noch die gemeinderätlichen Gremien zustimmen, welchen das Thema kommende Woche erstmals vorgelegt wird.