Verein: Aufzucht in Brutboxen und Teichen am Krebsgraben und im Eisweiher stellt naturnahen Besatz sicher

Sorgfältig nimmt Tilo Päßler die Deckel ab, in den Kisten mitten im Bach wimmelt es: Nach Wochen der behutsamen Pflege sind Tausende kleine Bachforellen geschlüpft, die der Gewässerwart der Anglergesellschaft Villingen nun in die Quellläufe der Brigach aussetzt. Über den Winter hat er sich tagein, tagaus bei jedem Wetter um die ­ Brutboxen gekümmert.

Villingen-Schwenningen. Das mühevolle Heranziehen der Fische hat sich für den Verein gelohnt: Durch die natürliche Aufzucht in Brutboxen und den Teichen am Krebsgraben und im Eisweiher ist die Brigach nach dem verheerenden Fischsterben 2016 in dieser Saison wieder komplett fürs Angeln freigegeben.

Die naturnahe Aufzucht in der Region haben sich die Angler auf die Fahne geschrieben, um die Tiere langfristig in den heimischen Gewässern anzusiedeln. Zunächst gelte es, einen geeigneten Standort für die Brutboxen zu finden, an dem der Wasserdruck gering sei, denn in der Natur sichere die Bachforelle ihre Eier mit einer Schicht aus Kieseln ab. Immer beim selben Züchter beziehe der Verein jede Saison an die 20 000 befruchtete Eier im so genannten Augenpunktstadium, die vom gleichen Forellenstamm und aus dem Schwarzwald seien, erläutert Päßler. In der Brigach und ihren Zuläufen könne sich der Fischlaich in den Brutboxen entwickeln, gewöhne sich im geschützten Raum an Strömung und Wasserqualität.

An Lebensraum in der Region gewöhnt

Je nach Temperaturen ziehe sich diese Aufzucht von Mitte Dezember bis März hin. In dieser Zeit seien die Boxen sauberzuhalten, mehrmals in der Woche stehe die Kontrolle der Brut und später der geschlüpften Forellen an. "Da greifen wir der Natur unter die Arme", erklärt Päßler. Und das schon seit sechs Jahren.

Dass er auf solche Helfer wie den Gewässerwart und seine Mitstreiter bauen kann, freut den Vorsitzenden Christian Föhrenbach. Und bei dieser Aufbauarbeit sei der Anglergesellschaft einmal mehr die Freundschaft mit dem Partnerschaftsverein aus Pontarlier zugute gekommen: Die französischen Kollegen hätten Brutboxen für das Doubs-Gebiet entwickelt, die Mitglieder nur auf die Verhältnisse in der Brigach anzupassen waren.

Der Ansatz, die Bachforellen selbst aufzuziehen und an den Lebensraum in der Region zu gewöhnen, habe sich bewährt. In dieses Konzept füge sich nahtlos die Aufzucht von Jungfischen wie Karpfen, Schleien oder Barsche in den aufgestauten Teichen am Krebsgraben oder im Eisweihger an. Einmal im Jahr schöpfe der Verein die Fische ab und setze den Überschuss in seinen Pachtgewässern aus. "Durch diese Herkunft aus heimischen Gewässern haben sie eine größere Überlebenschance als wenn wir sie bei einem Fischzüchter kaufen", bringt Föhrenbach die langfristigen Vorteile dieses Engagements auf den Punkt.

Kleine Bachforellen kommen in Quellläufe

So sei es auch gelungen, die Brigach nach dem durch chemische Schadstoffe ausgelösten Fischsterben 2013 und 2016 wiederzubeleben. "Unsere Besatzaktionen waren in den drei Jahren so erfolgreich, dass es sich wieder zu angeln lohnt", stellt Föhrenbach fest. Tolle Ausichten also für die kommenden Monate, in denen die Anglergesellschaft übrigens ihr 100-jähriges Bestehen feiert.

Und positive Nachrichten hat auch Tilo Päßler: "Der Dotersack ist aufgefressen", stellt er fest, als er bei Regen und Sturm in den Bach steigt und einen Blick auf die Brutboxen wirft. "Jetzt müssen sie raus". Er bringt die kleinen Bachforellen in die Zuläufe von Brigach und Kirnach, in denen sie künftig auf sich allein gestellt sind. "Und im Idealfall laichen sie selbst hier, wenn sie groß sind", betont der Gewässerwart, "dann haben wir alles richtig gemacht". Er blickt jedenfalls optimistisch in die Zukunft, habe die bisherige Erfahrung doch gezeigt, dass sich die Arbeit der Angler nach einigen Jahren bemerkbar macht und sich wieder viele Fische in den Gewässern tummeln.

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