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Villingen-Schwenningen Feuerwehr verängstigt Anwohner

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Das Feuerwehrhaus in der Villinger Innenstadt. Foto: Käfer

Villingen-Schwenningen - Das Villinger Feuerwehrhaus liegt in der Innenstadt. Hier halten sich viele Fußgänger auf. Auch die Feuerwehr muss sich bei einem Einsatz hier ihren Weg bahnen. Ist eine "Kollision" unvermeidlbar?

Die Bereitschaft für das Wohl anderer Risiken einzugehen, kann man nicht hoch genug halten. Feuerwehrleute gehen für andere durchs Feuer.

Wenn 30 Feuerwehrleute zu einem Einsatz gerufen werden, stellt sich kurz nach dem Notruf ein nervöses und hektisches Treiben um das Feuerwehrhaus in Villingen ein. So sollte das auch sein. Wirklich? In den Augen besorgter Passanten aber bitte nicht bedingungslos!

Eigentlich eine "Spielstraße"

Auch vor dem eigentlichen Einsatz, wenn die Feuerwehrleute von ihrer privaten Wohnung zum Feuerwehrhaus eilen, herrscht höchste Alarmbereitschaft – nicht nur aufgrund der psychischen Anspannung der Einsatzkräfte. Augenzeugen berichten von Privatautos, die mit über 20 Kilometern pro Stunde ihren Weg durch das Riettor, in die Altstadt und durch den verkehrsberuhigten Bereich suchen. Dort gilt Schrittgeschwindigkeit. Auf den zweiten Blick wird klar: Offenbar handelt es sich um Feuerwehrleute in privaten Autos. Nur ein kleiner gelber Dachaufsetzer – ohne wirkliche Signalwirkung – deutet darauf hin.

Dort halten sich Familien mit Kindern auf

Was wäre eine angebrachte Fahrweise in dieser Situation? Muss eine Mutter mit Kind beim Verlassen des Drogeriemarkts am Riettor damit rechnen, dass sich Fahrzeuge mit strammer Geschwindigkeit nähern? Oder: Wenn ein Kind auf die Straße läuft, kann der Fahrer dann noch reagieren?

Armin Ernst vom Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg, zugleich Richter am Landgericht in Tübingen, kennt sich mit Verkehrsfragen aus und nimmt zum geschilderten Fall Stellung: "Sofern es sich um einen verkehrsberuhigten Bereich handelt, sind 20 Kilometer pro Stunde eigentlich zu schnell." Zwar können Feuerwehrleute auch auf dem Weg zum Feuerwehrhaus mit ihrem privaten Auto gewisse Sonderrechte in Anspruch nehmen, Voraussetzung sei jedoch die "gebührene Vorsicht" bezüglich der übrigen Verkehrsteilnehmer. Ralf Hofmann von der Feuerwehr Villingen-Schwenningen kennt diese Vorschriften und bestätigt: "Wenn die Einsatzkräfte mit dem privaten Auto anfahren, müssen sie noch dreimal mehr aufpassen."

Doch die Thematik ist komplexer, und das nicht nur wegen der besonderen Notfallsituationen und der Anspannung auf dem Weg zum Einsatz. Dabei muss man die Feuerwehr in Schutz nehmen. Im wesentlichen geht es um zwei Punkte: Zum einen um die Austattung privater Autos mit Signalen wie Blaulicht und Martinshorn. Dann nämlich wären diese als "Einsatzfahrzeuge" erkennbar und die Gefahrensituation könnte dadurch entschärft werden. Zum anderen kommt dem Thema Standort eine wichtige Rolle zu. Ist das Feuerwehrhaus in der Villinger Alstadt, dort wo sich viele Fußgänger bewegen, tatsächlich der Standort erster Wahl, um von dort aus zu Einsätzen auszurücken?

Sowohl die Stadt, als auch Richter Ernst und Feuerwehrmann Hofmann wissen: Private Autos dürfen per Gesetz nicht mit Sondersignalen wie einem Blaulicht ausgestattet werden. Das gilt auch, wenn sie wie die Feuerwehrleute auf dem Weg zum Gerätehaus zum zügigen Fahren angehalten sind. Eine Anschauung, die nicht unbedingt jedem unmittelbar einleuchtet. Hofmann von der Feuerwehr Villingen-Schwenningen ist Pragmatiker: "Stellen Sie sich vor was hier los wäre, wenn 30 Feuerwehrleute auf dem Weg in das Feuerwehrhaus mit Signal unterwegs wären." Er meint: "Die Verkehrsteilnehmer wären verunsichert, die einen würden anhalten, andere wiederum schneller fahren." Ist das die abschließende Antwort auf ein zügiges Fahren ohne jegliches Signal?

Gibt es "den" geeigneten Standort?

Bleibt die Frage nach dem geeigneten Standort. Emissionsarm muss er sein, das heißt keine Nachbarn erzürnen. Außerhalb in verkehrsruhiger Lage, aber am besten mit schnellen Ausrückzeiten zum Zentrum und allen übrigen Gebieten. Dennoch: Eine Verlagerung des Standorts nach außerhalb sei "kein Allheilmittel", so Armin Ernst. Wenn sich sowohl die Fahrtwege zum Feuerwehrhaus als auch zum Einsatzort selbst verlängern, verlängern sich nicht nur Ausrückzeiten sondern auch die Zeit, in der andere Verkehrsteilnehmer potenziell gefährdet werden.

Wenn es sowohl in der Standort- als auch Signalfrage keinen Königsweg gibt, was kann man dann noch tun? Bleiben nur verkehrliche Maßnahmen wie beispielsweise Beschilderungen der Feuerwehranfahrtszonen und dazugehörige Warnleuchten. Armin Ernst berichtet von einer Maßnahme in Tübingen. Dort werden Ampelanlagen für längere Zeit auf Rot geschaltet, um Einsatzfahrzeugen Vorrang zu gewähren. Die Konsequenz: Autofahrer fangen oft ungeduldig an zu wenden. Die Straßen werden dadurch für die Einsatzfahrzeuge blockiert.

Als letztes Mittel muss die Vernunft herhalten – auch auf der Suche nach einer vernünftigen Lösung für Villingen-Schwenningen.

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