Boxnacht in der Deutenberghalle Villingen-Schwenningen. Foto: Bartler

Doppelstädter bezwingen kasachische Staffel mit 15:11. Nach Mitternacht schlägt Witt zu.

Villingen-Schwenningen - Es ist 28 Minuten nach Mitternacht, als die Fans in der Deutenberghalle noch einmal toben. Johann Witt, der deutsche Schwergewichtsmeister von Boxing VS, steigt in den Ring – und zeigt, dass er bereit ist, sich seinen olympischen Traum zu erfüllen.

Gegenüber steht dem 25-jährigen Unterkirnacher Alexander Aleksic. Gegen den mehrfachen österreichischen Meister hat Witt schon in der Vergangenheit verloren. "Ich will unbedingt die Revanche", hatte sich der angehende Verfahrensmechaniker viel vorgenommen. Und der EM-Dritte legt in seinem 85. Kampf so los, wie es die Zuschauer erwarten. Konzentriert kontrolliert Witt von der ersten Sekunden im Ring das Geschehen, lässt den Dornbirner kaum zur Entfaltung kommen. Schnelle Beine, flinke Schläge, gutes Auge – der Boxing-Vorzeigekämpfer punktet und punktet. 6:2 heißt es nach der ersten Runde, 13:4 nach der zweiten.

Im letzten Durchgang wird Aleksic sogar angezählt, muss bei der 6:21-Niederlage die Überlegenheit von Johann Witt, der damit seine Erfolgsbilanz auf 71 Siege ausbaut, anerkennen. "Besser kann man sich nicht für eine Niederlage revanchieren", lacht Boxing-Trainer Witali Tarassow wenig später. Auch Witt ist zufrieden: "Ich bin froh, dass ich so deutlich gewonnen habe. Nach der DM war wenig Zeit für die Vorbereitung", freut sich der 25-Jährige nun auf die Ruhe in der Weihnachtszeit. "Ich werde erst im Februar meinen nächsten Kampf bestreiten. Und dann rücken ja die Olympia-Qualifikationsturniere immer näher", will der Unterkirnacher unbedingt das Ticket für London lösen.

Apropos Ticket. Flugkarten hatten zehn Kasachen, doch nur sechs Boxer vom Kaspischen Meer standen in Schwenningen im Ring. "Es gab große Probleme mit den Visen. Dank Siegfried Kauder durften immerhin sechs Kämpfer einreisen", bedauert Boxing-Trainer (und Vorsitzender) Oliver Vlcek die Entscheidung der Behörden. Doch das kasachische Sextett überzeugte, obwohl es nur 24 Stunden zuvor schon in Singen im Ring gestanden hatte.

Am Ende gewannen die Doppelstädter sieben von 13 Kämpfen. Ivan Kischenko und Attin Batabayev trennten sich nach einem wahren Schlagabtausch mit einem Remis (Endstand: 15:11). "Ich bin zufrieden mit den Leistungen unserer Boxer", resümiert Coach Witali Tarassow. Auch Oliver Vlcek zieht eine positive Bilanz: "Ich denke, dass rund 2000 Zuschauer die Kämpfe gesehen haben. Es war eine tolle Kulisse. Unsere Boxer haben die Fans mit tollen Kämpfen belohnt."

Die Hauptkämpfe

Schüler, bis 30 kg: Kevin Kischenko sorgte für einen gelungenen Auftakt. Der zwölfjährige Doppelstädter dominierte in einem guten Kampf gegen den Kasachen Yusif Agayev das Geschehen, feierte am Ende einen verdienten 5:2-Punktsieg. "Ich habe mich kaum treffen lassen", freute sich Kischenko.

Kadetten, bis 44 kg: Thomas Halfinger (BC Radolfzell) vertrat die VS-Farben, musste aber anerkennen, dass Nurshan Bisenov besser war, was auch dessen 12:6-Erfolg genau ausdrückte.

Kadetten, bis 40 kg: Alex Fengler bestimmte gegen Robert Lacher das Tempo, geriet gegen den Ravensburger, der für die Kasachen kämpfte, nie in Gefahr. Schöne Kombinationen, stark in der Rückwärtsbewegung und ein gutes Auge: Fengler, zweifacher deutscher Meister, feierte einen deutlichen 9:1-Sieg. "Das war nicht so schlecht", schmunzelte der VS-Papiergewichtler.

Junioren, bis 57 kg: Heiß her ging es zwischen dem Doppelstädter Ivan Kischenko und dem Kasachen Attin Batabayev. Beide Boxer suchten die Offensive, vernachlässigten aber die Deckung. Viele Punkte auf beiden Seiten waren die Konsequenz. Am Ende hieß es 13:13. "Da war mehr drin", meinte Kischenko. Junioren, bis 52 kg: Ausgeglichen ging es auch zwischen Stephan Nikitin (Boxing VS) und Batyr Torekulyev zu. Der Kasache hielt gegen den Doppelstädter gut mit. Mit 2:1 ging die erste Runde an Nikitin, nach zwei Abschnitten hieß es 4:2. Beide Talente schenkten sich auch in der letzten Runde nichts. "Ich habe zu wenig gemacht", war Nikitin trotz des 5:3-Sieges nicht ganz zufrieden.

Junioren, bis 63 kg: Es war ein kleines Jubiläum: Marcel Orsinger lieferte gegen den Kasachen Aidar Zhapakov seinen bereits 80. Kampf ab.

Am Ende ließ der Junioren-WM-Teilnehmer nichts anbrennen, war einfach technisch der klar bessere Faustkämpfer. Orsinger feierte so einen deutlichen 13:2-Erfolg. "Ich kann sicher noch mehr. Aber meine Leistung war in Ordnung", bilanzierte Orsinger seine drei Runden. Männer, bis 64 kg: Lautstark angefeuert bestimmte Erkan Bozkaya in der ersten Runde gegen Sinan Bayrak das Geschehen. Die Kampfrichter sahen aber hier ein 4:4-Unentschieden. Nach dem zweiten Abschnitt stand es dann 7:7. Im letzten Abschnitt versuchte der Doppelstädter noch einmal alles, doch Bozkaya ging etwas die Luft aus. Am Ende bejubelte der Kasache einen 14:10-Sieg, während Bozkaya sichtlich enttäuscht in die Kabine schlich.

Jugend, 64 kg: Der VS-Boxer Albert Mut hatte es mit Benedikt Probst (Singen) zu tun, der die Farben der Kasachen vertrat. Es entwickelte sich ein abwechslungsreicher Kampf, in dem der Doppelstädter mit 5:7 das Nachsehen hatte. "Da war mehr drin", war Mut nicht wirklich zufrieden.

Kadetten, bis 38 kg: Jonas Stang ist erst 13 Jahre alt, hat aber auch schon über 50 Kämpfe absolviert. Gegen den Kasachen Leonid Smirnov hatte der deutsche Meister aber große Probleme, lag nach zwei Runden mit 6:11 zurück. Im letzten Abschnitt verwechselte der Kasache die Sportart, versuchte sich mit einer Ringereinlage, die der Kampfrichter mit einer Disqualifikation ahndete. Beide Boxer waren zuvor mehrfach verwarnt worden.

Männer, 75 kg: "Michael Gulakov ist ein Favoritenschreck", meinte Boxing-Coach Oliver Vlcek vor dem Kampf. Doch der Doppelstädter wurde dieser Rolle nicht gerecht, verlor gegen Aznaur Magomedov mit 7:13.

Männer, 60 kg: Es wurde laut in der Deutenberghalle. "Tiger"-Rufe machten die Runde. Gemeint war Tigran Kaplanjan, der dann auch Gegner Justin Rasiah zeigte, wer Chef im Ring war. Gute Beinarbeit, schnelle Kombinationen und starkes Defensivverhalten – der Doppelstädter dominierte den Kampf nach Belieben, gewann deutlich mit 18:7. "Das war souverän", freute sich der "Tiger der Doppelstadt".

Männer, 81 kg: Nikolaj Dantschula erwischte nicht seinen besten Tag, bewies aber gegen Denis Kabasic viel Kampfgeist. Der Boxer aus Langenargen, der für die Kasachen in den Ring stieg, war der bessere Mann, siegte gegen den Doppelstädter, der in der dritten Runde angezählt wurde, mit 19:8.

Männer, bis 91 kg: Es war lange nach Mitternacht, als Johann Witt unter dem Jubel der Fans den Ring betrat. Dem deutschen Meister gelang gegen Alexander Aleksic, dem österreichischen Titelträger, glanzvoll die Revanche für zwei frühere Niederlagen. Am Ende feierte Witt einen starken 21:6-Sieg.