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Villingen-Schwenningen Fäßlesgrund: "Kein Platz für Großbauprojekt"

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Die Interessengemeinschaft (IG) Fäßlesgrund macht auf Plakaten im Wohngebiet auf ihr Anliegen aufmerksam. Foto: Pohl

VS-Schwenningen - Die Interessengemeinschaft Fäßlesgrund wehrt sich weiterhin gegen das geplante Wohnungsbauprojekt am Naherholungsgebiet Hölzle. Ihre Bedenken machten die Mitglieder am Donnerstagabend nochmals Bürgermeister Detlev Bührer und einigen Gemeinderäten deutlich.

Seit Frühjahr 2019 ist ein geplantes Wohnungsbauprojekt der Firma Exklusivbau GmbH auf dem ehemaligen Gärtnereigelände Fischer am Schwenninger Stadtrand Dauerbrenner. Weil sich die Mitglieder der gegründeten Interessengemeinschaft (IG) Fäßlesgrund bislang nicht "erhört" fühlen, hatte IG-Sprecher Fredi Irion Bürgermeister Detlev Bührer sowie Vertreter des Gemeinderates zu einem Austausch eingeladen.

Die Anwohner befürchten, dass das geplante Bauvorhaben deutlich zu groß für das Wohngebiet ist. Den ursprünglichen Plan, bis zu 90 Wohnungen in Blocks mit mehreren Einheiten zu bauen, überarbeitete der Investor zwar bereits und reduzierte auf 54 Einheiten in acht Reihenhäusern und drei Blocks. Allerdings ist das den Anwohnern immer noch zu viel. Hinzu komme, so der Tenor, dass Wohnblocks optisch überhaupt nicht in das Gebiet mit Einfamilienhäusern passe.

Weitere Befürchtungen der IG ist ein verstärktes Verkehrsaufkommen, wofür die engen Straßen überhaupt nicht ausgelegt seien. Auch die geplante Erschließung mit lediglich einer Zufahrt, nämlich über die schmale Straße zum Wirtshaus Wildpark, ist den Anwohnern ein Dorn im Auge. Und nicht nur ihnen: Fredi Irion übergab Detlev Bührer einen Ordner mit 1300 Unterschriften von Mitstreitern, die ebenfalls gegen das Bauvorhaben sind. "Darunter sind natürlich Anwohner vom Fäßlesgrund, vom Eschle, Sauerwasen, Grabenäcker, Zollhaus und sogar Auswärtige", erklärte Irion.

Bürgermeister wehrt sich gegen Vorwürfe

Die Emotionen der Betroffenen, das war deutlich zu spüren, kochen hoch. Den Vorwurf, der Investor habe Rückendeckung der Stadt und könne sich alles erlauben, wies Bürgermeister Detlev Bührer allerdings entschieden zurück. "Ich habe von Beginn an immer gesagt, dass ohne Genehmigung der Stadt und ohne Bebauungsplanverfahren nichts passieren kann", machte er noch mal deutlich. Natürlich unterstütze er als Bürgermeister Investoren, die gewillt sind, in Villingen-Schwenningen etwas zu tun. "Aber es muss natürlich alles rechtens sein und bedarf letztlich sowieso der Zustimmung des Gemeinderates", so Bührer.

Dass das Vertrauen in ihn und sein Dezernat, wie es zuvor Irion sagte, gelitten habe, bedauert der Bürgermeister sehr. "Ich kann das aber nicht akzeptieren, denn ich habe zugesichert, dass sie immer erfahren werden, was läuft." Zuletzt habe sich das Amt intern mit dem Thema Zufahrt beschäftigt, "denn mit dieser Infrastruktur lässt sich dieses Projekt nicht umsetzen", verdeutlichte Bührer. Ob sich das Erschließungsproblem lösen lasse, müsse erst geprüft werden. Klar sei, dass es dafür eine Straße mit einer Breite von 6,5 Metern bedarf. "Ist der Ausbau nicht möglich, weil entweder in den Forst eingegriffen werden müsste, oder weil - wie es ja offenbar der Fall ist - ein privates Grundstück es nicht zulässt, dann ist das Thema erledigt", betonte Bührer explizit, dass bis zu einem Planverfahren noch viel vorab zu klären sei.

Der Versuch, eine zweite Zufahrt über das Gelände beziehungsweise den Parkplatz der Waldorfschule zu bauen, ist laut Bürgermeister vom Tisch. "Wir haben mit dem Förderverein der Waldorfschule gesprochen. Es gibt da einen Erbpachtvertrag, der nur bei beidseitigem Einvernehmen geändert werden könnte." Es habe innerhalb der Fördervereinsführung eine Abstimmung gegeben, die ein klares Votum hervor brachte: "Die Antwort war einstimmig nein", berichtete Bührer. Allerdings ging es dem Förderverein nicht um das Bauvorhaben an sich, sondern um deren eigenes Interesse. "Sie wollen ihren Schülern, Eltern und Lehrern diese Änderung im Bereich des Schulzugangs und des Parkplatzes nicht zumuten", so Bührer. Der Förderverein sehe da langfristig Nachteile für die Schule, weshalb diese Zufahrtsvariante abgelehnt wurde.

Kein Zugang über die Waldorfschule

In diesem Zusammenhang zeigte er sich verärgert über das Verhalten eines städtischen Mitarbeiters, der gegenüber der IG die Zusage machte, man wolle nochmals mit der Waldorfschule sprechen. "Das ist für mich ein Vertrauensbruch, wenn ich sage, ich rede noch mal mit denen", kritisierte Bührer scharf.

Momentan würde das Stadtplanungsamt kleinere Modelle zur Bebauung des Grundstücks entwerfen, um dem Gemeinderat eine Diskussionsgrundlage zu liefern. Stadträtin Cornelia Kunkis nahm das wohlwollend zur Kenntnis, hinterfragte aber: "Sind Sie sich sicher, dass der Gemeinderat überhaupt 50 Wohnungen dort haben will?" Bührer erklärte: "Das kann ja sein, dass der Gemeinderat das nicht will. Die Entwürfe sind keine große Sache, dienen Ihnen aber zur Vorstellung, um darüber zu diskutieren. Wir werden das völlig außerhalb eines Planverfahrens diskutieren", stellte der Bürgermeister klar.

Auf Nachfrage von Stadträtin Ulrike Salat, was sich die Anwohner denn vorstellen könnten, wurde deutlich: Mehr als 20 Einfamilienhäuser sollten es nicht sein, tendenziell eher weniger und auf keinen Fall Wohnblocks mit Sozialwohnungen. "Wir wollen ein kleines Wohngebiet mit Einfamilienhäusern - am besten in Holzbauweise", konkretisiert Irion die Vorstellungen.

Stadtrat Dirk Sautter hinterfragte die Vorgehensweise: "Wäre es nicht sinnvoller, statt mögliche Bebauungsmodelle zu entwerfen, erst ein Verkehrsgutachten machen zu lassen?" Er schaue sich zwar gerne das Gesamtpaket an, wenn jedoch am Ende drin stehe, dass das Nadelöhr am Eingang zum Wohngebiet die Bebauung nicht zulasse, dann brauche man diese auch nicht planen.

Es war zu erkennen, dass die anwesenden Gemeinderäte das Projekt sehr kritisch sehen. Ganz besonders deutlich wurde allerdings Karl-Henning Lichte: "Dieser Wald ist unser tägliches Zuhause. Ich kenne das Gebiet sehr gut. Und ich kann mir nicht vorstellen, warum man das Grundstück diesem Investor anbietet, der an anderer Stelle in dieser Stadt schon so viel Unheil angerichtet hat!"

Der Verkauf des Grundstücks lässt sich sicherlich nicht mehr rückgängig machen, was zudem weder Stadt noch IG in der Hand haben. Die Interessen zwischen den Anwohnern und den Vertretern des Gemeinderates scheinen jedoch nicht sehr weit auseinander zu liegen - das wurde bei dem Treffen am Donnerstag deutlich.

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