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Villingen-Schwenningen Erzähltes trägt durch einen ganzen Abend

Von
Tatsächlich schon alles gesagt? Viktoria Wehrle, sich selbst als "professionelle Geschichtenerzählerin" umschreibend, in Härings Kulturcafé am Freitagabend. Foto: Trenkle Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Wolfgang Trenkle

VS-Schwenningen. Mit ihnen sind die meisten aufgewachsen: Märchen, Erzählungen, Geschichten. Ob die alte Fähigkeit, einfach nur einem Erzählendem zuzuhören, überhaupt noch funktioniert, konnten die vielen Besucher von Härings Kulturcafé am Freitagabend ausprobieren.

Gelegenheit dazu gab Viktoria Wehrle, eine Wahl-Hochschwarzwälderin aus Titisee-Neustadt. "Professionelle Geschichtenerzählerin" nennt sie sich, und wenn sie verbal loslegt, kann sie kaum mehr etwas stoppen. Sechs Geschichten standen auf dem Programm mit dem Titel "Wenn einer eine Reise tut...", und nicht jede war frei erfunden. Beispielsweise die Eingangserzählung: In dieser erläuterte sie autobiografisch, was ihr als Gästeführerin einst mit einer chinesischen Reisegruppe widerfuhr. Sich in Straßburg umschauen wollten sich die reichen Asiaten, und Wehrle bereitete sich tagelang darauf vor. Für den hohen ausgehandelten Preis nur eine schlichte Bootsfahrt? Nein. Wehrle kaufte sich ein Falt­rad, mit dem sie die engen Gassen auf und ab fuhr, lernte die Sehenswürdigkeiten genauestens und vor allem die jeweiligen Wege dorthin auswendig, um dann bei der Ankunft der Chinesen eine perfekte Tour präsentieren zu können.

Als es soweit war, wurde jedoch schnell klar, dass offenbar doch nicht alle Chinesen gerne Rad fahren, vor allem die Reichen scheuen sich davor. Nicht einmal die Sehenswürdigkeiten interessierten sonderlich, und am Ende wurde eine Bootsfahrt gewünscht – der ganze Aufwand war für die Katz’. Stimmt nicht ganz: Im Bühnenrecycling war er dann doch für etwas gut. Die gebürtige Hamburgerin mit dem urschwarzwälder Namen versteht es bestens, ihr Publikum zu unterhalten. Sie erzeugt interessante Spannungsbögen, ihre Präsenz bannt die Aufmerksamkeit und die Dynamik ihre Stimme betont die Inhalte. Egal, ob es um chinesische Reisegesellschaften, einen männlichen Kunden, der in einem Freiburger Strumpfladen ein passendes Utensil für einen Banküberfall kaufen will, oder um ihre Freundin Marion handelt, die als Pastorin eigentlich nicht an Geister glaubt, aber in einer neuen Wohnung angesichts der vielen Ungereimtheiten eigentlich nicht umhin kommt, dies doch zu tun – die Storys bannen das Publikum.

Einfach nur Geschichtenerzählen vor Publikum: Kann dies aber einen ganzen Unterhaltungsabend tragen? Der Auftritt von Wehrle lässt ein vorsichtiges Ja zu. Die "professionelle Geschichtenerzählerin" fing gegen Ende an, sich als Bühnenfigur abzuwandeln und beispielsweise als eine Agnes Ganter aufzutreten. Als solche berichtete sie mit weit ausholender Gestik vom Gelübde des Ritters Kuno aus dem Dreisamtal. Irgendwann war aber auch jenes zu Berichtende gesagt. Mit weiteren Erzählungen wäre Wehrle Gefahr gelaufen, einen etwas zähen Abschluss zu produzieren.

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