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Villingen-Schwenningen Ernas Schicksal berührt

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Rund 50 Menschen gedachten am Sonntagabend bei einer Mahnwache auf dem Villinger Münsterplatz der Euthanasieopfer des Nazi-Regimes. Foto: Heinig Foto: Schwarzwälder-Bote

VS-Villingen (bn). Zur letzten Mahnwache in diesem Jahr trafen sich am Sonntagabend auf dem Münsterplatz rund 50 Menschen, um zum ersten Mal auch der Euthanasieopfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Unter anderem eines jungen Mädchens aus Villingen.

Den Namen blieb Friedrich Engelke der Gemeinschaft auf Wunsch der Familie schuldig. Er nannte sie "Erna". 1915 als Tochter eines Gastwirtes geboren, entwickelt sich Erna bis zu ihrem fünften Lebensjahr ihrem Alter entsprechend. Dann stellen die Eltern fest, dass sie schreckhaft ist und häufig zittert. 1921 stirbt der Vater, die Mutter heiratet erneut. Der Arzt, dem Erna vorgeführt wird, schreibt, sie sei ein "übernervöses, schwachsinniges Kind, das den Stiefvater fürchtet". Sie kommt auf die Hilfsschule. Die Schüler dort gelten allgemein als "Ballast für die Gesellschaft". 1933 wird Erna aufgrund erblichen Schwachsinns im Donaueschinger Krankenhaus zwangssterilsiert. Die Mutter muss dazu die Einwilligung geben, woran sie später schwer zu tragen hat. Danach wird Erna in eine Heil- und Pflegeanstalt eingewiesen.

Am 8. Juni 1940 wird das junge Mädchen zusammen mit 30 Frauen und 40 Männern in drei Bussen nach Grafeneck transportiert und noch am selben Tag mit Kohlen­monoxyd vergast. Ihre Leiche wird, wie die anderen, sofort verbrannt. Ernas Mutter bekommt einen Trostbrief. Darin steht, Erna sei ganz plötzlich an einer Bauchfellentzündung gestorben. "Bei ihrer unheilbaren Krankheit bedeutete ihr Tod Erlösung für sie".

Weitere Informationen: Die nächste Mahnwache der Initiative und des Vereins pro Stolpersteine VS findet am Sonntag, 11. Januar, ab 19 Uhr auf dem Münsterplatz statt.

 
 

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Cornelia Spitz

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