Thomas Schnabel (Mitte) war zu Gast beim Geschichts- und Heimatverein Villingen. Er wurde begrüßt von Werner Echle (links) und Günter Rath. Foto: Zährl Foto: Schwarzwälder-Bote

Rückblick: Thomas Schnabel referiert über das Leben des Widerstandskämpfers Eugen Bolz

VS-Villingen. Eugen Bolz, ­Katholik, Staatsmann und Widerstandkämpfer, stand im Mittelpunkt eines Vortrags des Geschichts- und Heimatverein Villingen im Münsterzentrum. Referent Thomas Schnabel, Leiter des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart, ist ein profunder Kenner der Geschichte Württembergs. Er erklärte, warum die Erinnerung an die besonders integere Person Eugen Bolz wichtig ist. Der Jurist und tiefreligiöse Katholik wurde bereits mit 31 Jahren in den Reichstag und in den württembergischen Landtag als Zentrumsabgeordneter gewählt. Von 1928 bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 war Bolz württembergischer Staatspräsident. Trotz der innenpolitischen Wirren der Weimarer Republik gelang es ihm, durch umsichtige Wirtschaftspolitik die heimische Wirtschaft zu fördern und die politischen Verhältnisse zu stabilisieren. Er war ein Kriegsgegner und verabscheute jede Form von Gewalt.

Schnabel betonte in seinem Vortrag, wie Bolz mit seinem ausgeprägten Sinn für sachliche Arbeit, Ordnung und Demokratie "allen nicht politisch gewählten Organen kritisch gegenüberstand". Er war gegen jede politische Gruppierung, die versuchte ohne parlamentarische Mehrheit ihre Politik durchzusetzen.

Nach der Machtergreifung Hitlers wurde Bolz schnell aus dem Amt gedrängt. Aufgrund politischer Äußerungen wurde er 1933 verhaftet. Danach entschloss er sich zum Widerstand entgegen der damaligen Haltung der katholischen Kirche. 1944 erklärte er sich bereit, nach dem vorgesehenen Attentat an Hitler, Kulturminister zu werden. Nach dem Scheitern des Attentats wurde er zum Tode verurteilt, das Urteil wurde 1945 vollstreckt.

Manche Themen der Weimarer Epoche, die vom Vortragenden aufgezeigt wurden, kamen den Zuhörern sehr aktuell vor. Der Organisator der Veranstaltung, Günter Rath, schloss den spannenden Vortrag nachdenklich mit dem Satz, "auch wenn wir heute nicht mehr mit allem einverstanden sind, was Bolz dachte, war er bis zum Tod eine außergewöhnliche, politische Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts."