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Villingen-Schwenningen "Er ist eine Bereicherung für uns alle"

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Großer Bahnhof für den Villinger Simon Klem (links): Er ist der 5000 Vermittelte im Rahmen des Programms "Arbeit Inklusiv". Mit dem jungen Mann freuen sich (von links) Jürgen Stach, Karl-Friedrich Ernst, Gerhard Bauer, Kristin Schwarz, Jürgen Stickel und Lucas Seelos. Foto: Preuß Foto: Schwarzwälder Bote

Für Simon Klem ist jetzt ein Traum in Erfüllung gegangen: Der 20-Jährige aus Villingen hat trotz wesentlicher Behinderung einen regulären Arbeitsplatz gefunden.

VS-Villingen. Möglich gemacht hat es ein breites Netzwerk unter der Führung des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS). Im Rahmen des Programms Arbeit Inklusiv des KVJS (siehe Info) werden Menschen mit wesentlicher Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt integriert. Und der 20-jährigen Simon Klem aus Villingen ist seit Projektstart 2005 exakt der fünftausendste Vermittelte.

In keinem anderen Bundesland werden ähnlich hohe Zahlen erreicht, sagte Karl-Friedrich Ernst, Leiter des KVJS-Integrationsamtes, während der Vorstellung des Projektes im Rahmen einer Feier in den Räumen der Fetzer Medical GmbH & Co. KG in Tuttlingen, die den jungen Mann unbefristet eingestellt hat. Der Erfolg sei auf die Vernetzung vierler Akteure am Arbeitsmarkt zurückzuführen, betonte Gerhard Bauer, Landrat in Schwäbisch Hall und Vorsitzender des Kommunalverbandes KVJS. Das Zusammenwirken des Verbandes in diesem Fall unter anderem mit der Agentur für Arbeit VS, dem Landratsamt in VS, den Berufsschulen, dem bei der Diakonie Schwarzwald-Baar angesiedelten Integrationsfachdienst (IFD), den Werkstätten für behinderte Menschen und nicht zuletzt den Eltern sei in dieser Ausprägung bundesweit einmalig.

Das Erreichen der Wegmarke von 5000 erfolgreichen Vermittlungen könne natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, "dass es ein mühsames Geschäft ist", so Ernst. Gerade mittelständische Familienunternehmen wie Fetzer seien dabei am ehesten bereit, Menschen mit Einschränkungen zu beschäftigen.

Das sei grundsätzlich eine Frage der Haltung und Einstellung unterstrich Jürgen Stach, Sozialdezernent des Schwarzwald-Baar-Kreises. Betriebe würden von Menschen wie Simon Klem profitieren, und sie würden gleichzeitig behinderten Menschen die Chance geben, Würde, Teilhabe, Selbstbestimmung durch Einkommen und somit ein gestiegenes Selbstwertgefühl zu entwickeln. "Wir wollen den Menschen helfen, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen. Gleichzeitig entlastet die Hilfe den Sozialetat des Kreises."

Für Simon Klem, der eine starke Lernbehinderung und geistige Behinderung aufweist, waren Praktika in der Erprobungszeit der Türöffner: Er absolvierte ein Langzeitpraktikum bei Fetzer. Das Tuttlinger Familienunternehmen produziert chirurgische Instrumente und setzt den jungen Mann aus Villingen im Wareneingang und in der Qualitätskontrolle ein. "Anfangs hat Simon fast kein Wort gesprochen und war sehr schüchtern", berichtet Personalchefin Lea Bayer. Durch gezielte Förderung der Berufsschullehrer und regelmäßigen Trainings mit dem Jobcoach der Stiftung Liebenau entwickelte sich der 20-Jährige schnell weiter.

Sein Anleiter Lucas Seelos zeigt sich beeindruckt: "Von Tag zu Tag konnte man sehen, wie Simon uns gegenüber offener wird und an Selbstvertrauen gewinnt." Der Betrieb entschied sich schließlich dazu, Simon Klem eine unbefristete Arbeitsstelle anzubieten. Dafür gibt es von der Agentur für Arbeit drei Jahre lang einen Eingliederungszuschuss und zusätzlich drei Inklusionsprämien nach dem Förderprogramm "Arbeit Inklusiv".

"Er ist eine Bereicherung für uns alle. Sein Lachen und die positive Ausstrahlung schaffen eine tolle Atmosphäre", so Lucas Seelos. Finanzielle Erwägungen hätten bei der Entscheidung zur Festanstellung keinerlei Rolle gespielt, betont Fetzer-Geschäftsführer Jürgen Stickel: "Simon ist ein Mensch mit positiver Ausstrahlung, wir sehen ihn als ganz normalen Kollegen".

Für Simon Klem zählt das gute Verhältnis zu den Kollegen zu den schönsten Dingen an seinem Job, "und, dass die Arbeit abwechslungsreich ist". Er bereitet Pakete für den Versand vor, verteilt Post an die Kollegen, prüft die Oberflächen der Instrumente und übernimmt kleinere Messaufgaben. "Simon benötigt feste Arbeitsabläufe und konkrete Anleitungen für seine Aufgaben, erläutert Ruth Gronmayer vom IFD, die die Eingliederung intensiv begleitet hat. Jeden Tag fährt Klem mit dem Zug von Villingen nach Tuttlingen und geht den Weg vom Bahnhof zum Betrieb zu Fuß. Eine tägliche Herausforderung, die er für seine Teilhabe am richtigen Leben gerne annimmt.

Der Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) ist ein Kompetenz- und Dienstleistungszentrum für die 44 Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs. Der Haushalt beläuft sich auf 280 Millionen Euro. Davon stammen 102,5 Millionen aus der Ausgleichsabgabe, die Unternehmen zahlen müssen, wenn sie zu wenige Menschen mit erheblicher Behinderung beschäftigen. Mit dem Programm "Arbeit Inklusiv" arbeitet der KVJS in vernetzten Strukturen seit 2005 daran, Menschen mit erheblichen Einschränkungen für den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten und zu vermitteln. Jetzt wurde die Marke von 5000 Vermittelten erreicht.

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