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Villingen-Schwenningen Einige sind vergessen

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Wolfram Wette bei seinem Vortrag im Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis. Er beleuchtete die Frage nach dem Widerstand im Nazi-Regime. Foto: Landratsamt Foto: Schwarzwälder Bote

Über die unterschiedlichen Formen des Widerstands gegen das NS-Regime sprach der Freiburger Militärhistoriker Wolfram Wette bei einem Vortrag im Landratsamt.

Schwarzwald-Baar-Kreis. Wolfram Wette war auf Einladung des Kreisarchivs nach Villingen gekommen, das im Landratsamt in VS-Villingen derzeit die Ausstellung "Galerie der Aufrechten" bekannte und unbekannte Menschen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus in Künstlerporträts zeigt.

Ist es Widerstand oder menschliche Selbstverständlichkeit?

Was ist eigentlich Wider stand gegen den Nationalsozialismus? Dieser nur scheinbar einfachen Frage ging Professor Wette in seinem Vortrag nach. War es schon Widerstand, bei einer Hitlerrede bedeutungsvoll die Augenbraue hochzuziehen? Was ist von Widerständlern zu halten, deren politische Überzeugungen wir heute nicht mehr teilen? Und was ist mit jenen, die Widerstand leisteten, ihr Handeln aber gar nicht als Widerstand betrachteten, sondern als menschliche Selbstverständlichkeit, als "aktiven Anstand"?

Widerstand im NS-Staat, so stellte der Freiburger Historiker klar, war mit unmittelbarer Gefahr für Leib und Leben verbunden. Das unterscheidet ihn vom "Widerstand" im demokratischen Rechtsstaat. Deshalb waren es auch nur wenige, die 1933 bis 1945 Widerstand leisteten, und deshalb war der Widerstand denkbar pluralistisch und vermochte es bis zum Schluss nicht, sich zu einer Einheit zusammenzuschließen. Widerstand musste dabei keineswegs auf den Umsturz des ganzen Staatssystems abzielen, wie das für die Attentäter vom 20 . Juni 1944 galt, sondern konnte auch bedeuten, an einer bestimmten Stelle dem Regime entgegenzuarbeiten. Er war deshalb abhängig von den jeweiligen Handlungsspielräumen.

Ein unbekanntes Beispiel ist der Feldwebel Anton Schmid

Wette machte das am Beispiel des österreichischen Feldwebels Anton Schmid deutlich, der aus seiner nachgeordneten Position heraus etwa 300 Juden aus Litauen nach Weißrussland schleuste und damit vor dem sicheren Tod bewahrte, bis er verraten und 1942 zum Tod verurteilt wurde. Gerade die Vertreter des ›Rettungswiderstands‹ seien uns eigentlich näher, als jene, die hohe Positionen im NS-Staat einnahmen. Und trotzdem seien diese Menschen des Widerstands in der Mehrzahl noch immer weitgehend unbekannt: Nach Anton Schmid wurde im Jahr 2000 eine Kaserne in Rendsburg benannt, deren Name mit der Auflösung des Standorts 2011 wieder verloren ging. Dabei könnte die heutige Zivilgesellschaft gerade von der Auseinandersetzung mit diesem gelebten "aktiven Anstand" vieles lernen.

Die Ausstellung "Galerie der Aufrechten" ist bis 15. November zu den Öffnungszeiten im Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis, Am Hoptbühl 2, in Villingen zu sehen.

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