Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Villingen-Schwenningen Eine Perspektive für Flüchtlinge

Von
Auf Arbeit und Ausbildung statt Abschiebung setzen die Mitglieder des Jobclubs, die Flüchlingen zur Seite stehen. Foto: Neß Foto: Schwarzwälder Bote

Villingen-Schwenningen. Ein junger Mann aus Gambia ist in die Doppelstadt geflüchtet. Er arbeitete und zahlte Steuern. Er war Mitglied in einem örtlichen Fußballverein und hatte dort Freunde. Dann wurde er an seinem Arbeitsplatz überrumpelt und des Landes verwiesen. Es sind Fälle wie dieser, die die Mitglieder des "Jobclubs Villingen-Schwenningen" wütend machen. Der junge Gambier stand kurz vor dem Erreichen der notwendigen Fristen und wurde dennoch abgeschoben.

Ende 2018 hat sich der Verein gegründet und zählt heute 15 Mitglieder und 100 Mitmacher, die Flüchtlinge beraten und bei der Suche nach einem Arbeitsplatz unterstützen. Ihr Motto lautet "Arbeit und Ausbildung statt Abschiebung". "Hinter dem Zahlengerüst verbirgt sich eine Menge Arbeit", verriet Vorsitzender Christian ­Utischill bei der Hauptversammlung. "Die Betreuung von jungen Leuten, die keine Arbeit finden, wird immer schwieriger", so Utischill. Die Asylsuchenden hätten Angst vor Abschiebung und tauchen deshalb unter. "Es fällt uns schwer, die richtigen Worte zu finden, um die Asylbewerber zum Durchhalten zu bewegen. Es ist schwierig sie zu motivieren." Der Schwerpunkt liegt auf Flüchtlingen aus Gambia, da diese einen Großteil in Villingen-Schwenningen ausmachen.

Unterstützung gefragt

Der Jobclub-VS betreut 104 Flüchtlinge, 65 davon sind Gambier. 33 der Gambier sind allerdings nach Italien geflüchtet oder untergetaucht, in Deutschland verlegt oder abgeschoben worden. "Es ist schade. Die meisten sind in Arbeit gewesen", bedauerte der Vorsitzende. Durch einen Arbeitsplatz würden die Behörden wissen, wo sich die Flüchtlinge gerade aufhalten, und das sorge für Angst bei den Betroffenen, bei denen eine Abschiebung noch im Raum steht.

Ebenfalls zu den Betreuten gehören Flüchtlinge aus dem Nahen Osten wie Syrer und Iraner. Im Gegensatz zu den Gambiern könnten sie meist Berufserfahrung oder eine Ausbildung im Handwerk vorweisen. Gelegentlich komme es vor, dass der Arbeitgeber mit der Leistung nicht zu frieden ist, berichtete Utischill. Grund seien die schlechte Kommunikationsfähigkeit oder die unzureichende Schulausbildung, weshalb eine ständige Betreuung erforderlich sei. In Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Gesellschaft SES kann vielen Nachhilfe angeboten werden. Die Stiftung stellt Lehrkräfte zur Verfügung, aber auch deren Kapazitäten seien begrenzt. "Wir sind nicht alleine. Wir versuchen, die Hilfsmöglichkeiten auszuschöpfen", hob Utischill hervor. Dennoch sei Unterstützung dringend erforderlich.

Wohnsituation

Kritischer Punkt bleibe die Wohnsituation in Villingen-Schwenningen. Die Unterkünfte für Flüchtlinge seien unter dem sozialen Niveau, kritisierte Utischill. Von "leben" könne da nicht die Rede sein – "hausen" treffe es eher. Aus diesem Grund sei eine Verbesserung der Wohnsituation dringend nötig.

Der Jobclub-VS will aber nicht nur vor Ort tätig sein. Ein Entwicklungshilfeprojekt in Gambia soll die Fluchtursachen im Heimatland bekämpfen. Unter dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe" steckt der Verein eine gespendete Summe von 24 000 Euro in ein Schafzuchtprojekt, das Landwirten den Einstieg in die Schafzucht erleichtern soll. Die ersten 8000 Euro seien bereits überwiesen worden, und im Dezember werde der erste Bericht zeige, was mit dem Geld bisher erreicht wurde.

Geplant ist ein Projekt zur Verbesserung und Vorbeugung von Krankheiten. In Gambia würden viele taubstumme Kinder leben, dabei gebe es nur einen HNO-Arzt im ganzen Land. Der Einsatz von Clinomobilen soll Abhilfe leisten. "Wir reden nicht nur, wir handeln auch", konnte Utischill stolz in die Runde sagen. Die Schwerpunkte der Tätigkeit stützen sich auf zwei Säulen. Zum einen hat die Beratung und Begleitung einen hohen Stellenwert, aber auch die politische Einflussnahme ist den Mitgliedern enorm wichtig. Nebenbei kann der Verein durch seine beratende und begleitende Funktion präventiv agieren und Flüchtlinge durch Vermittlung eines Arbeitsplatzes davon abhalten, auf die schiefe Bahn zu geraten. Dennoch werde die Arbeit zunehmend durch Gesetzesänderungen und fehlender Unterstützung erschwert. Der Verein freut sich über Spenden, neue Mitglieder und Unterstützung, wie mehrmals betont wurde.

Demografischer Wandel

Im Ausblick auf die Zukunft sieht der Jobclub-VS vor allem ein Problem – den demografischen Wandel. "Es werden trotz der Technisierung dringend Fachkräfte sowie einfache Handwerker benötigt", merkte Kassenprüfer Bernd Stern an. "Von denen, die man jetzt wegschickt, holt man die Nachkommen in 20 Jahren wieder."

Um ein Bewusstsein für die Problematik des Arbeitskräftemangels zu schaffen, biete der Jobclub-VS am Donnerstag, 6. Februar, einen Vortrag mit Diskussionsrunde unter dem Titel "Der demografischer Wandel – eine Herausforderung für Deutschland und unsere Region" im Theater am Ring in Villingen. Karten sind bald erhältlich.

Artikel bewerten
1
loading

Ihre Redaktion vor Ort Villingen

Cornelia Spitz

Fax: 07721 9187-60

Flirts & Singles

 
 

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Kommentarregeln

Um Premium-Artikel lesen und Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren richtigen Namen (Vor- und Nachname), Ihre Adresse und eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben.

Mehr Informationen erhalten Sie unter diesem Link.

Ihr Passwort können Sie frei wählen. Der Benutzername ist Ihre E-Mail-Adresse.

Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt.

  1. Passwort vergessen?
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!
  1. Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

loading