"Schwabo exklusiv": 15 Leser blicken mit Betriebsleiter Roland Kleiser hinter die Kulissen des Krematoriums
Einen tiefen Einblick in das neue Krematorium haben die Leser des Schwarzwälder Boten am Mittwochabend bei der exklusiven Leserführung erhalten. Und sie waren ebenso tief beeindruckt.
VS-Schwenningen. 15 Teilnehmer, die sich im Vorhinein beim Schwarzwälder Boten angemeldet hatten, nahm Krematoriums-Leiter Roland Kleiser mit auf die rund zweistündige Erkundungstour durch den im Mai 2018 fertiggestellten Neubau am Waldfriedhof.
Krematorium, damit verbindet man nicht nur Tod, damit verbindet man auch Trauer und Abschiednehmen. Ein pietätsvolles und sensibles Thema also, das bei den Teilnehmern auf großes Interesse gestoßen war und das Roland Kleiser während seiner Führung behutsam behandelte.
Intensive Einblicke gibt es zunächst in den überdachten Überführungsbereich, der von den Bestattern das ganze Jahr rund um die Uhr genutzt werden kann, dann in die modernen Mitarbeiterräume. Fünf Personen sind im Krematorium beschäftigt.
Vom operativen Teil des Baus geht es anschließend in den ruhigen Bereich. Das Foyer, das nur über den Friedhof erreichbar ist, sowie der Abschiedsraum mit Blick auf Sarg und Feuerbestattungsanlage ist für die Angehörigen der Verstorbenen vorgesehen. "Ich wusste gar nicht, dass es überhaupt die Möglichkeit zum Abschiednehmen gibt", meint eine Teilnehmerin. Das müsse jeder für sich entscheiden, kommentiert der Krematoriums-Leiter. "Mittlerweile ist es würdevoller und erträglicher als früher gestaltet", fügt er hinzu.
Immer wieder streut Roland Kleiser zwischendurch Hintergrundinformationen ein, etwa über die lange Feuerbestattungs-Tradition im protestantisch geprägten Schwenningen. Bereits 1909 sei ein Feuerbestattungsverein gegründet worden. Oder über den Beruf des Kremationstechnikers, zu dessen Arbeitsplatz, dem Steuerraum, er die Gruppe führt und die unterschiedlichen Geräte erklärt.
Zeit nimmt sich der Leiter vor allem aber für den Technikraum mit Bestattungsofen – eine Ofenlinie ist in Betrieb, die zweite steht optional zur Verfügung – , Filterturm oder Wärmetauscher. Als funktional, aber ebenso würdevoll – genauso wie das gesamte Krematorium – beschreibt Kleiser die aufwendige Technik.
Wieweit ist der Radius des Krematoriums? Wieviel Asche bleibt vom Verstorbenen übrig? Und was ist, wenn die Urne aus dem Ausland kommt? Nicht nur im Anschluss an die Führung, sondern bereits mittendrin kommen bei den interessierten Zuhörern Fragen auf, die Roland Kleiser ausführlich beantwortet. Und oft wird eine ganze Interaktion daraus, wenn die Gruppe etwa über die unterschiedlichen Beisetzungsarten diskutiert.
"Das, was ich heute gesehen habe, strahlt eine ungeheure Betriebssicherheit und Perfektion aus", findet Leser Thomas Weissweiler und zeigt sich ebenso wie die übrigen Teilnehmer tief beeindruckt. Es sei bemerkbar, dass das Krematorium mit Know-How konzipiert wurde.
Trotz Technik stecke ein großer Anteil Pietät im neuen Krematorium, sagt ein anderer Leser. Roland Kleiser betont währenddessen, dass hinter dem "Produkt" der Mensch nicht vergessen werden dürfe. Denn: "Die Würde des Menschen geht über den Tod hinaus."