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Villingen-Schwenningen Eine Expertin in Sachen Dyskalkulie

Von
Foto: Heinig Foto: Schwarzwälder Bote

Die Existenz von Lese- und Rechtschreibschwäche bei Kindern ist landläufig bekannt, weniger die der Dyskalkulie, der Rechenschwäche. Susanne Sey­fried aus Schwenningen hat sich in dieser Disziplin zur Expertin ausgebildet – aus gegebenem Anlass.

Villingen-Schwenningen. Susanne Seyfried stammt aus Berlin. Für ihr Studium der Internationalen Betriebswirtschaft wählte sie sich "ganz bewusst" eine kleine Universität aus und landete 2000 in Schwenningen an der Hochschule Furtwangen.

Danach war eigentlich die Rückkehr in die Bundeshauptstadt geplant, doch es kam anders. Sie lernte den Schwenninger Malermeister Maik ­Seyfried kennen und lieben. Nach ihrem berufsbegleitenden Masterstudium in Logistik in der Schweiz und weiteren Auslandsaufenthalten wurde geheiratet. 2008 brachte die heute 41-Jährige ihre Tochter Laura ausgerechnet in Hamburg zur Welt – 15 Wochen zu früh. Als Projektleiterin eines Automobilzulieferers aus der Region war die Betriebswirtin mit internationaler Praxiserfahrung damals viel unterwegs. Sie unterbrach ihre Karriere für zwei Jahre, und nahm sie – nachdem sich ihr "Frühchen" prächtig entwickelte und sie den "Verein für Frühgeborene Schwarzwald-Baar" mitgegründet hatte – danach wieder auf. Bis 2017 war sie Abteilungsleiterin im Management für ein Unternehmen mit 600 Mitarbeitern und hatte eine 60-Stundenwoche.

Dann kam der "Cut", der für sie einschneidende Veränderungen mit sich bringen sollte. Ihre Tochter, ein ruhiges, in sich gekehrtes, aber intelligentes Mädchen, blieb in der Grundschule im Fach Rechnen weit zurück. Susanne Seyfried erkannte immer deutlicher: Hier stimmt etwas nicht. Bald hegte sie den Verdacht einer Dyskalkulie und suchte Hilfe. Die lange Warteliste der Schulpsychologischen Beratungsstelle in Donaueschingen zog die Zeit bis zur bestätigenden Diagnose in die ­Länge, die Susanne Seyfried nicht ungenutzt ließ. Sie ­recherchierte, besuchte ­Seminare und bildete sich über den Bundesverband Legasthenie & Dyskalkulie (BVL) zum Thema aus.

Wegen ihrer Tochter sattelt Betriebswirtin komplett um

Beruflich sattelte sie komplett um. Im September 2017 immatrikulierte sie sich gar für einen Masterstudiengang in "Integrative Lerntherapie". Dazu reiste sie alle vier Wochen für zwei bis vier Tage nach Chemnitz und erledigte den Rest im Fernstudium. Als sich abzeichnete, dass sie für ihre Tochter vor Ort keine Hilfe finden würde – "Dyskalkulie ist innerschulisch noch nicht angekommen" – begann sie mit Laura eine Therapie am Dudeninstitut. Dafür fuhren sie mehrmals in den Schulferien nach Berlin und Mannheim, wo man der Schülerin mathematische Basiskompetenzen und das fehlende Mengenverständnis vermittelte. Die mathematischen Schwierigkeiten bei einer Dyskalkulie können bis ins Erwachsenenalter reichen. Dank Therapie konnte die Schülerin am Schulverbund Deutenberg aber einige Lücken schließen und bewältigt ihren Schulalltag heute gut.

Viele Betroffene bleiben ihrem Schicksal überlassen

Und Susanne Seyfried ist Dank ihres mittlerweile erworbenen Fachwissens sicher, dass die Tochter ihren Weg im Leben finden wird. Es tat ihr aber "in der Seele weh", dass viele andere Betroffene ihrem Schicksal überlassen bleiben. Angesichts von statistisch ein bis zwei Fällen von Dyskalkulie pro Schulklasse fehle es an wissenden Lehrern und an Lerntherapeuten sowieso, sagt sie. Deshalb packte die einstige Managerin das Problem selbst an und eröffnete Anfang 2018 in der Schwenninger Nagoldstraße ihre eigene Praxis für Lerntherapie. Sie, die schon als Schülerin Nachhilfeunterricht gab und seit 2010 als Nachhilfelehrerin für Schul- und Business-Englisch selbständig ist, will aktiv daran mitwirken, dass Dyskalkulie mehr in den Fokus der Gesellschaft rückt, darüber aufgeklärt wird und betroffene Schüler früher und schneller Hilfe erfahren. Leider sei ihre Warteliste sehr lang, sagt sie, denn in der Region gibt es nur wenige Therapieangebote für Dyskalkulie.

Susanne Seyfried ist es gewohnt, Lösungen zu finden. Daher wandte sie sich an die Janusz-Korczak-Schule und bot ihre Hilfe an, um die bei Zahlen schwächelnden Kinder frühzeitig und vorort zu fördern. Sie wurde mit offenen Armen empfangen. Seit ihre zweite Tochter die Friedensschule besucht, ist sie dort mit ihrem Spezialwissen tätig und seit diesem Schuljahr zudem an der Neckarschule. Inzwischen erhielt sie vom Regierungspräsidium Freiburg einen Lehrvertrag über ein halbes Deputat. Was sie grundsätzlich freut. Sie will als so genannte "Nichterfüllerin" aber nicht als rechtlose "Lückenbüßerin" aufgrund fehlender Lehrer gelten und sieht die Politik gefordert. Sie findet, dass "das Wissen um Dyskalkulie und eine spezifische frühzeitige Förderung durch mutliprofessionelle Teams in den Schulalltag integriert gehört".

Erstes Treffen für Eltern im Januar initiiert

Aufgrund ihrer eigenen schmerzvollen Erfahrungen lädt sie Eltern am Donnerstag, 23. Januar (19 Uhr, Anmeldung unter Kontakt@Lerntherapie-vs.de), erstmals zu einem Treffen ein, bei dem sie den Betroffenen vor allem sagen will: "Ihr Kind ist weder dumm noch faul".

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