Das "promo-watch"-Team von links: Geschäftsinhaber Michael Kopp, Cornelia Kopp und Brigitte Krist. Foto: Bienger Foto: Schwarzwälder-Bote

Erster Teil unserer neuen Serie "Der Uhr auf der Spur": "promo-watch" vertreibt Werbeuhren in die ganze Welt

Von Alicja Bienger

 

VS-Schwenningen. Die Zeit vergeht, die Uhr bleibt: Mehr als 40 Jahre nach Beginn des Niedergangs der Uhrenindustrie sind die Zeitmesser in Schwenningen noch immer allgegenwärtig. In unserer neuen Serie stellen wir in loser Reihenfolge Unternehmen vor, die diese Tradition bis heute pflegen. Teil eins: die Firma "promo-watch".

Michael Kopp ist mit Uhren groß geworden. Bereits als Jugendlicher half er in der Firma des Vaters mit, besuchte Fachmessen und verkehrte regelmäßig mit Schwenningens Uhrenfabrikanten. Kein Wunder, dass er auch heute noch, fast 50 Jahre später, täglich mit den Zeitmessern zu tun hat: "Ich bin total damit aufgewachsen", sagt er.

Der 63-Jährige ist Geschäftsinhaber der Schwenninger Firma "promo-watch", ansässig in der Arndtstraße, und vertreibt Werbeuhren von Schwenningen in die ganze Welt. Zu seinen Kunden zählen namhafte Unternehmen wie Lufthansa, BASF und Siemens. Ob smarte Armbanduhr mit Stoppfunktion, dekorative Stelluhr fürs Büroregal oder das praktische Plastik-Modell in quietschbunten Farben: Die Angebotspalette ist unendlich groß, denn "promo-watch" lässt individuell fertigen. "Eine unserer Werbeuhren ist sogar dauerhaft im Shop des weltberühmten Hermitage-Museums in St. Petersburg erhältlich", sagt Kopp und zeigt das besagte Modell, auf dessen Ziffernblatt Kunstwerke des Museums abgebildet sind. Und nicht wenige Stars und Sternchen, vielleicht sogar Franka Potente und Moritz Bleibtreu persönlich, dürften eine Schwenninger "promo-watch" bereits am Handgelenk getragen haben: Denn bei der Filmpremiere von "Lola rennt" im Jahr 1998 wurden rund 1000 Werbeuhren verteilt, um den roten Faden des Streifens – die verbleibende Zeit, gegen die Lola anrennen muss, um ihrem Freund aus der Patsche zu helfen – entsprechend darzustellen. Der Clou: "Der Zeiger der Uhr lief rückwärts", erklärt Kopp. "Man konnte also ablesen: Es bleibt noch so und so viel Zeit."

Hervorgegangen ist das kleine Familienunternehmen mit heute insgesamt drei Mitarbeitern – neben Kopp selbst arbeiten seine Ehefrau Cornelia und Angestellte Brigitte Krist im Büro mit – aus der früheren Gustav Kopp Uhrengroßhandlung. 1939 gegründet, belieferte diese nach dem Krieg sowohl Fachhandel als auch Industrie mit Werbeartikeln wie Reiseweckern oder Stelluhren. "Damals hatten wir noch rund 20 Mitarbeiter und arbeiteten eng mit der heimischen Industrie zusammen", erinnert sich Kopp. So fertigte beispielsweise die Johann Jäckle-Metallwarenfabrik häufig die Gehäuse für größere Uhren, das Uhrwerk kam von Junghans.

Nach dem BWL-Studium übernimmt Kopp die väterliche Firma, doch der Wandel der Zeit macht auch vor den Werbeuhren nicht halt. Seit der Erfindung der Quarzuhr werden immer mehr Uhren aus Fernost importiert, was Kopp dazu veranlasst, in Hongkong fertigen zu lassen. Dazu kommen die wachsenden Ansprüche der Verbraucher: "Kunden und Fachhandel wurden immer markenbewusster", so Kopp. "Die Leute verlangten plötzlich Uhren von Esprit oder Fossil." Gefragt waren nun also nicht mehr teure, hochwertige mechanische Modelle, sondern Modeartikel.

Kopp zieht die Notbremse: Im Jahr 1994 liquidiert er die Firma, um sie anschließend unter dem neuen Namen "promo-watch" zu führen. Von nun an lässt er seine Produkte in China fertigen, Kundengewinnung und Vertrieb laufen weiterhin von Schwenningen aus. Vertrieben werden heute, im Gegensatz zu früher, fast nur noch kleinere Uhren – Reisewecker und Ähnliches braucht im Zeitalter von Smartphone und Co. niemand mehr. Diese Entwicklung, auch hin zu sogenannten "intelligenten Uhren", also Multifunktionsgeräten, mit denen man sogar telefonieren kann, bereitet Kopp laut eigener Aussage ein wenig Sorgen. Doch so lange es herkömmliche Armbanduhren ohne viel Schnickschnack gibt, so lange werden sie wohl auch als kleine Kundengeschenke mit Firmenlogo gefragt sein.

Weitere Informationen: www.promowatch.de

Jahrzehntelang galt Schwenningen mit seinen Uhrenfabriken als "die" Uhrenstadt schlechthin, bis die Uhrenindustrie in den 1970er-Jahren in die Krise geriet. Was aber blieb von dieser glanzvollen Zeit? In unserer neuen Serie begeben wir uns auf die Spur der Uhr und stellen ab sofort Unternehmen vor, die bis heute Uhren oder Uhrenbestandteile herstellen.