Olaf Jungmann (von links), Jessica Lippert und Dietmar Schlau bei der Aufführung. Foto: Zährl Foto: Schwarzwälder-Bote

Rollmops-Theater: Bühnenstück anlässlich des 75. Todestags von Marian Lewicki / Gelungene Premiere

VS-Villingen. Im voll besetzten Rollmops-Theater fand am Samstag die Premiere des Stücks "Marian" statt.

Das Stück basiert auf der wahren Geschichte von Marian Lewicki und der Villingerin Lina Springmann. Marian arbeitete ab 1949 als Zwangsarbeiter. Er verliebte sich in Lina. Eine solche Beziehung war unter den damaligen Rassegesetzen der Nationalsozialisten verboten. Das Verhältnis wurde angezeigt. Marian Lewicki wurde am 5. März 1942 erhängt. Lina kam in ein Konzentrationslager und überlebte schwer traumatisiert.

Anlässlich des 75. Todestags von Marian Lewicki wurde dazu ein Theaterstück entwickelt. Das Stück agiert auf verschiedenen Ebenen. Als Grundlage dient die Beziehung der beiden Liebenden. Ihre Liebe ist nicht erlaubt, und dies ist beiden bewusst. Angezeigt werden sie durch den verschmähten Liebhaber Paul (Olaf Jungmann). Das Stück startet mit Lina (Jessica Lippert) die gefangen ist, im Käfig der Erinnerungen und Anklage.

Mit dem imaginären Mixen eines Hexentranks verbunden mit dem Satz "der Geist formt die Materie", besitzt Lina einen Schlüssel, der aus dieser ausweglosen Situation führen kann. Eine überraschend lässige Hitlerfigur (Dietmar Schlau) baut die Gitterstäbe des Käfigs ab, führt Lina in die Freiheit, zur Lösung und zum Verstehen.

Er zeigt die Abhängigkeit von Gesetzen und Urteilen auf. Das politische Umfeld als ein System, das bestimmt ob jemand ein Mörder ist, oder nur seine Pflicht erledigt. Hitler streift querbeet durch die klassische Literatur, die sich mit den Fragen nach der Schuld beschäftigt. Er gesteht im weiteren Verlauf, sein Weg war falsch. Lina sucht in ihrem Schmerz nach der übergeordneten Moral. Hitler zeigt die Wirkung von kulturell gelernten Glaubenssätzen auf. "Das Gehirn wertet nicht". Was richtig oder falsch ist, hängt von dem Gefühl ab, das mit Glaubenssätzen erlernt wird. Lina begreift durch eine gespielte Hinrichtung nach IS-Manier, das auch dort gelernte Glaubenssätze bestimmen was richtig oder falsch ist. Dass auch ein Mörder ein gutes Gefühl mit seiner bösen Tat haben kann.

Lina begreift: Jedes System hat ein eigenes Gewissen. Der Henker wird damit nicht nur zum Täter, sondern gleichzeitig auch das Opfer seines Denkens. Der Autor Dietmar Schlau hat einen Bogen gespannt von der NS-Zeit, hin zu den heutigen politischen Verwerfungen und Wirren. Dies verknüpfte er mit den Erkenntnissen aus der modernen Hirnforschung und dem heutigen Wissen über systemische Prozesse. Damit ist ihm ein Meisterstück gelungen, das die Regisseurin Maximiliane Fleig sauber herausgearbeitet hat. Entsprechend bedankten sich die Zuschauer.

Weitere Termine im Rollmops-Theater in Villingen, Färberstraße 54, sind am 11., 18. und 25. März, jeweils um 20 Uhr. Karten gibt es bei der Bücherinsel in der Rietstraße 26 oder online unter www.rollmops-theater.com

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