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Villingen-Schwenningen Droh-Anrufe vor dem sicheren Hafen

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Nicht immer endet die abenteuerliche Flucht über das Wasser so glücklich. Manche Flüchtlinge werden in Not mitten aus dem Mittelmeer geborgen – und sollen dann einen sicheren Hafen finden. Foto: Wasswa Foto: Schwarzwälder Bote

Nicola Schurr ist erschüttert. Kopfschüttelnd blickt er auf die teils hasserfüllten Kommentare im Internet. "Wir reden von Menschen, die im Wasser treiben und dort sprichwörtlich verrecken!" Sein Vorschlag, VS zum "Sicheren Hafen" für Bootsflüchtlinge zu erklären, erhitzt die Gemüter.

Villingen-Schwenningen. Liest man die Internetkommentare in den sozialen Netzwerken unter dem Zeitungsartikel zum Antrag der SPD-Fraktion (siehe Facebook-Rubrik), könnte man meinen, es ginge um tausende Flüchtlinge, die VS auf Antrag der Sozialdemokraten künftig aufnehmen solle. Doch tatsächlich sind es in der Regel sehr kleine Gruppen im Mittelmeer gestrandeter Flüchtlinge, die in Not geraten sind und aus dem Wasser gefischt werden. "Hier geht es darum eventuell einmal im Jahr zehn bis 15 Menschen im Jahr aufzunehmen. Wir werden nicht überrannt oder sollen 100 Familien einquartieren", stellt Schurr deshalb klar und sieht das auch als vollkommen problemlos machbar an. Die Infrastruktur für die Aufnahme der Flüchtlinge sei in VS vorhanden und stehe ohnehin vielfach leer.

In Städte, die sich der Initiative "Seebrücke – schafft sichere Häfen" angeschlossen haben, sollen die Geflüchteten jeweils vermittelt werden. Dass auch Villingen-Schwenningen neben 60 anderen Kommunen in der Bundesrepublik ein solch sicherer Hafen werden soll, stößt vielen Lesern bitter auf. Sie sehen die Not der Flüchtlinge nicht als ihr Problem, verweisen auf Städte, die in der Vergangenheit noch viel weniger Flüchtlinge aufgenommen haben als VS, auf Probleme bei deren Integration oder die Hausaufgaben, die nicht VS, sondern die höhere Politik in Berlin oder Brüssel machen müsse.

"Ich will ja auch, dass es nach da oben geht", räumt Nicola Schurr ein, der jüngste und in dieser Sache sehr engagierte SPD-Stadtrat, im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Aber die sofortige Hilfe für in Not geratene Menschen steht für ihn auf einem anderen Blatt Papier. Mit dem Anschluss an die Initiative unterstütze man keineswegs die Schleuser, es sei ein Akt der Menschlichkeit – und den fordert er, das macht er unumwunden klar, auch vom doppelstädtischen OB Jürgen Roth. Schließlich habe dieser unlängst im Rahmen des weltweiten Städtebündnisses die Flagge der "Bürgermeister für den Frieden" (Mayors for Peace) gehisst, wenngleich damit ein Zeichen gegen Atomwaffen gesetzt wird – von einem Bürgermeister für den Frieden erwarte er auch hier ein entsprechendes Handeln.

Roths Amtskollege in Konstanz, Uli Burchardt, hat die Aufnahme der Flüchtlinge gegenüber der Initiative Seebrücke trotz entsprechenden Gemeinderatsbeschlusses abgelehnt. Konstanz könne sich das wegen der akuten Wohnraumnot nicht leisten, behauptete Burchardt. Doch Argumente, wonach die Bootsflüchtlinge Doppelstädtern auf dem auch in VS angespannten Wohnungsmarkt günstigen Wohnraum wegschnappen könnten, lässt Schurr hier nicht gelten: "Wir betreiben Unterkünfte für Flüchtlinge, in denen ausreichend Platz ist, die wiederum aber nicht als sozialer beziehungsweise kostengünstiger Wohnraum benutzt werden können, da es sich um Wohnprojekte für zehn bis 20 Menschen handelt." Zudem sei bei freien Trägern wie der AWO das Personal vorhanden für eine positive Integration.

Für eine sachliche Diskussion zum Thema allerdings sind viele Nutzer im Internet nicht zu haben. Hunderte, vielfach hasserfüllte und ablehnende Kommentare häuften sich dort binnen weniger Stunden an. Und nicht nur dort – auch mit vielen anonymen Anrufen sieht sich der Soziademokrat Nicola Schurr plötzlich konfrontiert. Als "Volksverräter" wird er dann beschimpft und mancher raunt in bedrohlichem Tonfall ein "Ihr werdet schon sehen, was Ihr davon habt" ins Telefon. Doch Nicola Schurr geht seinen Weg unbeirrt weiter und stimmt in gewisser Weise sogar zu: VS, meint er, soll schon sehen, was man "davon" hat, als überzeugter Sozialdemokrat nämlich will er sich weiterhin für jene Ziele einsetzen, die ihm am Herzen liegen.

Marcus G: "Wer das wünscht soll die bei sich auf eigene Kosten aufnehmen und für alles gerade stehen und haften..."  Vanessa S.: "Villingen-Schwenningen geht bald unter."

  Jaqueline E.: "Ihr habt sie nich mehr alle! Wir müssen schauen wie wir unsere Buden bezahlen und ihr stopft die guten Buden zu!"

Thomas H.: "Zuerst sollte die Stadt schauen, dass genügend bezahlbarer Wohnraum für die Bürger vorhanden ist.. Bei dem aktuellen Wohnungsmarkt sind mehr Flüchtlinge Öl ins Feuer der Extremen."  Carmen S.: "Helft doch erstmal den eigenen mit ausreichenden und bezahlbaren Mietwohnungen. Rentner müssen Grundsicherung beantragen und Flaschen sammeln weils zum sterben zu viel und zum Leben zuwenig ist."

  Petra J.: "Ich fände das super!"

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