Holger Reinecke: So gut wie nie Plagiate. Prüfung im Internet. "Nicht 1:1 kopieren".

Schwarzwald-Baar-Kreis - Holger Reinecke, Leiter des HSG-Imit in Villingen-Schwenningen betreut als Inhaber eines Lehrstuhls für Prozesstechnologie ständig Doktorarbeiten.

Hätte bei ihm oder seinen Kollegen eine Promotion, bei der große Teile abgeschrieben sind, wie offenbar bei der des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, eine Chance? "Nein" sagt Reinecke, obwohl er Promotionen im Fach Jura nicht beurteilen könne. "Ich kann nicht beurteilen, wie das bei Herrn zu Guttenberg passieren konnte." Seit es das Internet gebe, immerhin gab es das schon, als Guttenberg seine Promotion schrieb, sei es viel leichter geworden, an Informationen zu gelangen als zuvor. "Früher musste man drei Monate recherchieren, heute dauert das 30 Minuten."

Promotionen in seinem Fachbereich lässt Reinecke einscannen und im Internet auf bekannte Literaturpassagen überprüfen. Textpassagen werden bei "Google" eingegeben, so kann man feststellen, ob kopiert wurde.

So gut wie nie seien bei Promotionen an der Universität Freiburg Plagiate gefunden worden. "Ich glaube schon, dass Doktorarbeiten sehr intensiv gelesen werden", sagt der Naturwissenschaftler.

Bei Praktikanten werde man allerdings eher fündig. Sie müssten wissenschaftliche Versuche in eigenen Worten beschreiben können, oftmals kopierten sie einfach die Versuchsbeschreibung bei Wikepedia. Natürlich dürfe man die Versuchsbeschreibung als Vorbild nehmen, aber "nicht 1:1 kopieren, das ist der entscheidende Unterschied."

Bei einer Doktorarbeit seien richtig angebrachte Fußnoten für Wissenschaftler der lästigste Teil überhaupt, aber das müsse stimmen. Das Zitieren fremder Textpassagen sei erlaubt, solange diese gekennzeichnet seien. Selbst wenn viele Passagen zitiert würden, "bedeutet das nicht, dass die Doktorarbeit abgeschrieben wurde", es komme auf die eigenen Schlussfolgerungen an. Demnächst wird Reinecke Promotionen einiger Studierender an der Hochschule Furtwangen mit betreuen