Dem Wald macht die Trockenheit zu schaffen, die durch den Klimawandel entsteht. Foto: Jankowski Foto: Schwarzwälder Bote

Natur: Der Klimawandel ist auch im Schwarzwald präsent / Demonstration in Triberg / Forstwissenschaftler informiert

Der Klimawandel – über ihn wird vielerorts diskutiert. Schlimme Bilder von Überflutungen und Waldbränden gehen um die ganze Welt. Das Thema ist nicht mehr aus den Nachrichten und sozialen Netzwerke wegzudenken.

Triberg. Ganze Menschengruppen gehen auf die Straßen um, zu demonstrieren. Doch verändert sich auch etwas bei uns im Schwarzwald oder sind wir noch nicht betroffen?

Das Leben im Schwarzwald hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Wenn man durch den Wald spaziert, bemerkt man, dass die Wälder trockener werden. Einige Arten wie Pilze werden nur noch vereinzelt aufgefunden, da der Boden zu trocken ist. Die Moosbestände vertrocknen allmählich. Diese Veränderungen werden von vielen Bewohnern bemerkt.

Darüber hinaus gibt es nicht nur in der Natur Veränderungen. Auch die Straßen werden voller mit Autos, infolgedessen steigt auch der jährliche CO2-Ausstoß im Schwarzwald, was wiederum Auswirkungen auf die Luft hat.

Den meisten Anwohnern fällt auf, dass der Wald trockener ist im Vergleich zu vor 20 bis 30 Jahren. Der Waldboden und die Bäume selbst fühlen sich trockener an. Der Forstwissenschaftler Helmut Finkbeiner beschreibt die derzeitige Situation um die Bäume: "Hier im südlichen Teil des mittleren Schwarzwaldes ist der Anteil der Baumart Fichte in den Waldbeständen zurück gegangen. In Folge des Extremsommers 2003 und der gehäuft auftretenden Sommertrockenheiten seit 2015 haben Fichten besonders auf flachgründigen und südexponierten Standorten Schwierigkeiten mit dem Trockenstress klar zu kommen. Dadurch haben auch bestimmte Borkenkäferarten wie der Kupferstecher und Buchdrucker leichtes Spiel mit den gestressten Bäumen."

Durchschnittstemperatur ist in den letzten Jahren um ein Grad angestiegen

Die Jahresdurchschnittstemperatur ist in den letzten Jahren um ein Grad angestiegen. Dieses Phänomen sorgt unter anderem dafür, dass starke Winde aufziehen, der Starkregen mitnimmt. Aus der erhöhten Temperatur resultiert eine hohe Verdunstung. Der Anstieg der Temperatur zeigt sich vor allem im Winter, wo einst Schnee lag, ist es heute trocken und wärmer als gewohnt, sodass wir bald Winter haben werden, in deren kein Schnee liegen wird.

Als wäre das nicht schon genug, ist ebenfalls der Grundwasserspiegel gesunken. Somit haben es die Bäume und alle anderen Pflanzen schwerer, an Wasser zu kommen. Die oberen Schichten der Waldböden sind durch die Verdunstung besonders trocken, was bei Mosen, Gräsern und Sträuchern dazu führt, dass sie wohl oder übel austrocknen werden. Auch für die Pilze ist das kein gutes Zeichen. Pilze sind im Allgemeinen bekannt für das Ökosystem des Waldes. Wenn dieser Pilzbestand durch die trockenen Böden zurückgeht, hat der Wald ein großes Problem. Da vieles nicht mehr zersetzt wird, versperrt es den Weg für neues Leben.

Doch diese extremen Wetterlagen haben nicht nur eine Auswirkung auf die Natur sondern auch auf den Menschen. Helmut Finkbeiners Meinung dazu ist: "Die Jahresdurchschnittstemperatur der letzen beiden Jahrzehnte hat sich gegenüber der etwa 100 zuvor beobachteten Jahre für unsere Region zirka um knapp ein Grad Celsius erhöht. Das führt zu einer verlängerten Vegetationsperiode. Gleichzeitig haben aber die gehäuft auftretenden Sommertrockenheiten den dadurch entstehenden Wachstumsvorteil kompensiert oder sogar überlagert. Bezogen auf die menschliche Infrastruktur (Verkehrswege, Trinkwasserversorgung, Schifffahrt...) werden ebenfalls negative Auswirkungen der zu beobachtenden Klimaveränderung sichtbar. So kam es beispielsweise 2018 in Folge extrem niedriger Pegelstände der Flüsse, wie des Rheins, zu einer deutlichen Verteuerung des Gütertransports. In Süddeutschland stiegen die Kraftstoffpreise in der Folge um über 20 Cent", und dies kann in Zukunft häufiger und extremer in Erscheinung treten. Diese Veränderungen auf die Infrastruktur kann in der Zukunft möglicherweise schwerwiegendere Folgen haben. Zum einen kostet es den einzelnen Menschen ein Vielfaches an Geld, als es heute der Fall ist. Wenn die Temperatur weiter so steigt könnten die Flüsse weiter austrocknen so, dass sie für Güterschiffe nicht mehr befahrbar sind.

Zum anderen steigt jährlich das Waldbrandrisiko. Wenn der Schwarzwald anfängt zu brennen, könnte es verheerende Folgen haben. Unter anderem Luftverschmutzung, Verletzte und Tote durch Feuer und umstürzende Bäume, unbewohnbare Häuser, unbefahrbare Straßen.

Die Veränderungen sind weitreichender als man zunächst vermutet, nicht nur die Natur und der einzelne Mensch leidet darunter, auch Städte wie Triberg werden die weitreichendere Folgen zu spüren bekommen.

Hierzu erklärt Helmut Finkbeiner: "Sollte der Klimawandel so weitergehen wie es in den letzten beiden Jahrzehnten zu beobachten war, wird sich das gewohnte Bild des Schwarzwalds zwangsläufig verändern. Die Baumartenzusammensetzung der Wälder wird sich in Richtung trockenheitsresistenter Arten verschieben, dabei werden auch öfter Kahlflächen zu beobachten sein. Auch die landwirtschaftlichen Flächen werden eine andere Bewirtschaftung erfordern und an südexponierten Hängen eher Trockensteppen gleichen. Eventuell wird die Attraktivität der Landschaft zeitweise unter diesen Veränderungen leiden im Hinblick auf den Tourismus."

Durch die Auswirkungen droht dem Tourismus in Triberg eine schwere Zeit

Somit droht auch dem Tourismus in Triberg eine schwere Zeit. Durch die Veränderungen der Landschaft wird womöglich der Reiz nach Triberg zu kommen und den Schwarzwald zu betrachten nachlassen. Da die Stadt viel mit Tourismus verdient, könnte die Stadt Geld verlieren.

Bewohner, vor allem Forstwirte und Landwirte, haben bereits heute zu kämpfen. "Als Forstwirt leide ich derzeit eher unter dem Preisverfall des Rundholzes in Folge des überregional hohen Anfalls an Dürr- und Käferholz. Auch als Landwirt wird in unserem Grünlandgebiet die Futterversorgung der Nutztiere schwieriger".

Allerdings gab es auch positive Ergebnisse in den letzten Jahren, die man nicht übersehen darf. "Als Imker war in den letzen Jahren eher eine steigende Honigernte zu verzeichnen (bis auf 2019)." Es gibt also nicht nur negative Veränderungen, sondern auch einige gute. Doch leider ist die Anzahl der negativen Folgen höher und die Auswirkungen fataler als die positiven Folgen es ausgleichen können.

Es könnte eine Völkerwanderung ausgelöst werden

Darüber hinaus wird spekuliert, dass wenn man von einer ungebrochenen Klimaerwärmung mit Verschiebung des Niederschlags in das Winterhalbjahr ausgeht und bezieht in die Überlegungen auch die jetzt mediterranen Klimazonen mit ein, könnte es zu einer neuen klimabedingten Flüchtlingswelle, ja einer regelrechten Völkerwanderung, in Richtung der gemäßigten Zonen wie auch den Schwarzwald kommen. Dass das auch neben den Veränderungen in Natur und Umwelt große Auswirkungen auf unsere Gesellschaft haben wird, versteht sich von selbst.

Dass der Klimawandel solch ein Ausmaß hat, ist den wenigsten bewusst, doch um auf diese Folgen und die Umstellungen aufmerksam zu machen, gab es auch hier in Triberg eine Demonstration von der Organisation Fridays for Future (kurz FFF). Die FFF versucht die Leute davon zu überzeugen, dass der Klimawandel existiert und man dagegen handeln muss. Sie versuchen die Politiker davon zu überzeugen, dass man mehr für die Nachhaltigkeit und zum Wohle der Natur machen sollte. Die Proteste führen meist Jugendliche aus Schule und Studium an.

Das Statement ist: "Wir sind die Zukunft von morgen und wir wollen nicht, dass ihr uns eine kaputte Welt zurück lasst", sagt Carlotta (14), die bei den Demonstrationen dabei war und aus erster Hand weiß, mit welchen Herzblut einige dabei sind. Sie hat ihre Gründe für die Demonstration geschildert, und das Erlebnis und ihre Eindrücke mit uns geteilt: "Weil ich will, dass der Klimawandel gestoppt wird, dadurch dass die Menschen aufmerksamer werden.

In kleinen Städten wie Triberg sollte es auch ein Thema sein, nicht nur in den Großstädten wie Berlin. Die Stimmung war sehr gut, alle waren ziemlich motiviert zu streiken vor allem auch bei den Liedern, die wir laut gesungen haben. Ich habe mich dort gut gefühlt, da ich an etwas Teil haben durfte und wenigstens etwas getan habe gegen den Klimawandel und ich ein gutes Gewissen dabei habe. Ich denke, die Demonstration hat bewirkt, dass einige aufmerksamer geworden sind, vor allem, da es auch in der Zeitung war. Dennoch glaube ich, dass trotzdem wenige dagegen etwas machen, da auch einige mitgemacht haben, um die Schule zu schwänzen und nicht wegen des Klimawandels, was ziemlich schade ist."

Dieses gute Gefühl und die Motivation bei Demonstrationen haben bewiesen, wie ernst den Schülern diese Message an die Stadt und an die Menschen ist. Sie machen aufmerksam darauf, dass jeder seinen Beitrag dazu leisten kann und sollte, laut FFF reichen, selbst kleine Dinge wie Mülltrennung, die Konsole und den Fernseher ganz auszuschalten, wenn man das Haus verlässt, Glühbirnen durch LED auszutauschen und Essen aus der Region zu kaufen.

Die Aktivisten hoffen für die Zukunft mehr Verständnis und Unterstützung in der Politik zu erhalten damit, der Klimawandel und die dazugehörigen Folgen verringert werden können.   Die Autorin ist Schülerin der Klasse 9a des Schwarzwald-Gymnasiums in Triberg.