Geschichte: Gruppe von Spaniern erinnert sich an die Zeit als Gastarbeiter im Schwarzwald
Vor fast 60 Jahren kamen ihre Eltern als Gastarbeiter nach Villingen – nun hat sich die Gruppe von Spaniern bereits zum vierten Mal getroffen, um sich über ihre Vergangenheit im Schwarzwald auszutauschen.
VS-Villingen. Es war die wirtschaftliche Lage in Spanien, die auch die Eltern von Francisco-Javier Orive im Oktober 1960 zum Handeln zwang. "Wir waren zunächst in Südfrankreich, über Bekannte kamen wir dann aber nach Villingen", berichtet der 68-Jährige aus Madrid. Wie seiner Familie ging es damals aufgrund der Wirtschaftskrise auf der iberischen Halbinsel vielen. Ihr Ausweg: Als Gastarbeiter in Deutschland ein Einkommen sichern.
Aus ganz Spanien – sei es Madrid, Valencia, Murcia oder Sevilla – steuerten Familien den Schwarzwald an, um auch den Kindern eine Berufsausbildung zu ermöglichen. "Wir hatten schnell eine Clique von bis zu 35 Spaniern zusammen", erinnert er sich zurück. Die Integration gestaltete sich aufgrund der anfänglichen Sprachbarrieren zunächst schwierig, "wir wurde nicht schlecht angesehen, aber auch oft als ›Gastarbeiter‹ abgestempelt."
Dass die Integration später dennoch gelang, lag aus Sicht von Orive vor allem an der Vereinsarbeit. Insbesondere bei der DJK Villingen habe man Anschluss gefunden, aber auch in vielen anderen Vereinen gehörten die Spanier schnell mit dazu – wobei zahlreiche Aktivitäten den Zusammenhalt unter den Spaniern stärkte.
Viele zog es Mitte der 70er Jahre – nachdem sich die wirtschftliche Lage in Spanien gebessert hatte – dennoch wieder zurück in die Heimat. Der Kontakt in die "zweite Heimat" brach aber nie ab. Auch weil der 68-jährige Rentner, der bei der Alu-Gießerei Villingen als Werkzeugmacher sowie bei Frei-Lacke arbeitete und sich seit vielen Jahren als Fußballschiedsrichter und ehrenamtlicher Funktionär beim Südbadischen Fußballverband engagierte, hier Wurzeln schlug. Das lag vor allem an seiner Frau Christine und seiner 1972 geborenen Tochter Alicia.
Im Ende September reiste die Clique der ehemaligen Villinger Gastarbeiter aus ganz Spanien und Deutschland nach Sevilla, um sich dort zu treffen. "Alle erinnern sich gerne zurück, wollen teilweise wieder zu Besuch kommen und interessieren sich immer brennend dafür, was sich in Villingen alles geändert hat", erzählt Orive.
Knapp drei Tage verbrachten die "Villinger" in der südspanischen Metropole, um sie zu erkunden und sich bei gemeinsamen Bodega- und Restaurantbesuchen über die alte Heimat und die vergangenen Zeit zu unterhalten. "Das wollen wir beibehalten – schließlich war das für uns eine prägende Zeit", hofft der Madrilene auf viele weitere Treffen mit den alten Weggefährten.