Soziales: Neue Einrichtung im Landkreis in der Villinger Herdstraße / Kranke und Angehörige werden betreut
Die Psychosoziale Krebsberatungsstelle Schwarzwald-Baar-Heuberg ist in das denkmalwürdige Gebäude des früheren Krankenhauses in der Villinger Herdstraße eingezogen.
VS-Villingen. In einem Pressegespräch hob Landrat Sven Hinterseh am Dienstag die dringend notwendige Ergänzung des Versorgungsangebots für Krebspatienten aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis hervor. Er freute sich über die Initiative des Onkologischen Zentrums am Onkologischen Schwerpunkt Schwarzwald-Baar-Heuberg, welches die Gründung einer ambulanten psychosozialen Beratungsstelle im Landkreis forciert hatte.
"Seit einigen Monaten ist die Einrichtung dieser Beratungsstelle bei uns Thema. Der Kreis hat Verantwortung getragen mit Unterstützung durch Personal und den notwendigen Finanzen", dankte er und übergab das Wort an Matthias Geiser, Geschäftsführer des Klinikums. "Wir sind hier zwar seit 2003 der onkologische Schwerpunkt, aber die ambulante Krebsberatung fehlte bisher", erklärte Geiser. Paul Graf La Rosée sei vor drei Jahren zu ihm gekommen und habe gesagt, es gehe nur gemeinsam, fuhr er fort. Mit der fachlichen Anforderung und der Finanzierung stehen sich zwei Welten gegenüber, die nur mit außerordentlichem Engagement zusammengeführt werden können, erklärte La Rosée. Die Onkologie werde immer ambulanter, viele Patienten hätten mit dem Beginn einer Krebsdiagnose keinen Zugang zur stationären Abteilung, mit dieser Beratungsstelle werde eine Lücke gefüllt.
Eine Diagnose führe immer zu einer Missbalance mit vielen Partnern, sei es im Betrieb, in der Familie oder im Verein. "Wir versuchen dem Patienten einen Weg zu weisen, wohin führt ihn sein Weg nach der Behandlung. Das Leben funktioniert für diesen Menschen noch nicht. Wir brauchen ihre Hilfe", betonte La Rosée.
Rupert Kubon, Vorsitzender des Fördervereins "Mit Krebs Leben", erklärte, der Förderverein will bei der Psychosozialen Krebsberatung helfen, denn diese sei keine Regelleistung der Krankenkassen. Die Leistungserbringer wie Beratungsstellen, Kliniken und Praxen erhalten für diese Mehrleistung keine Vergütung. Das Land Baden-Württemberg stellt nur begrenzt Fördermittel zur Verfügung, der Landkreis und die Nachbarlandkreise werden nicht gefördert, so Kubon. "Was hier angeboten wird, muss auf finanziellen Füßen stehen, dafür wollen wir sorgen", betonte er. Der Beitrag für eine Einzelperson betrage 30 Euro im Jahr, eine juristische Person zahle 300 Euro. Er dankte den Menschen und unter anderem dem Lions Club, die den Verein schon unterstützen. "Wir müssen eine dauerhafte Einrichtung haben, damit wir die Kranken und ihre Angehörigen langfristig betreuen können", wünschte er. "Es gehe hier auch um die Personalkosten für die Mitarbeiter, die müssen wir aufbringen."
Hinterseh flocht ein, dass dieses Thema in der Bevölkerung verankert werden müsse, wenn die Bundesförderung komme, werde nur der gefördert, der einen Förderverein hat, unterstrich er. Jochen Früh vom Gesundheitsamt erklärte, das Gebäude biete den richtigen Rahmen, das Gesundheitsamt wolle nicht nur die Räume, sondern auch die Organisation stellen, so Früh.
Hans-Peter Olma, Psychoonkologische Beratung, betonte, dass nicht nur die Patienten, sondern auch die Angehörigen betroffen seien. Viele seien handlungsunfähig und geschockt. "Hier wollen wir helfen, dass sie wieder Boden unter die Füße bekommen", so Olma. Manche Betroffene kämen am Anfang, manche mittendrin, manche am Ende der Therapie, sie seien depressiv. Umbrüche in der Familie seien eingetreten, viele wüssten nicht, wie sie damit umgehen sollen, wenn die Krankheit nicht heilbar sei, betonte er. Gleichzeitig lässt er wissen, dass psychoonkologische Beratung keine Praxis für Psychotherapie sei, "das können wir nicht leisten". "Wir sind auch kein Hausarzt und keine medizinischen Experten, aber wir können die Hilfesuchenden zu Experten vermitteln, wir sind Unterstützer in Lebenskrisen und wir werden wachsen mit den Ansprüchen", schloss er.
Die Krebsberatungsstelle ist unter Telefon 07721/913 71 87 zu erreichen. Olma weist darauf hin, dass die genannten Öffnungszeiten nur dafür da sind, um Termine zu vereinbaren, sie gelten nicht für die Beratung.