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Villingen-Schwenningen Der Mut sich einzumischen

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Foto: Heinig Foto: Schwarzwälder Bote

Er ist zwar erst 15 Jahre alt, aber Jonathan Kühner engagiert sich bereits für das Gemeinwohl – als Jugendgemeinderat und als Klimaschützer.

VS-Villingen. Aufgewachsen ist Jonathan Kühner mit einer Schwester und zwei Brüdern im Stadtbezirk Villingen. Er besuchte die Goldenbühlschule und wechselte dann an das St. Ursula-Gymnasium. Dort wird er nach den Sommerferien in die zehnte Klasse kommen. Das Homeschooling nach dem Lockdown ab Mitte März hat er zunächst etwas "chaotisch" erlebt, dann aber sei die digitale Vernetzung zwischen Lehrern und Schülern gewachsen und inzwischen auf einem zufriedenstellenden Niveau, findet der Gymnasiast.

Vermisst habe er in den Monaten ohne Schule allerdings die Interaktion und vor allem die Diskussionen mit Lehrern und Mitschülern. Den für das neue Schuljahr angekündigten "Regelbetrieb" mit 30 Schülern in einem Klassenraum sieht er trotzdem mit gemischten Gefühlen, denn "das Coronavirus ist ja noch da". Die angeordneten Sicherheitsmaßnahmen in der Pandemie nimmt er ernst und heißt nicht gut, dass manche Menschen die Gefährdung durch das Virus offensichtlich zu locker sehen. Wer keinen Mundschutz trage und die Abstände nicht einhalte, gefährde ja schließlich nicht nur sich, sondern vor allem andere, sagt er bestimmt.

Der Mut, sich einzumischen und mitzumachen, ist es, der Jonathan Kühner im vergangenen Herbst dazu veranlasste, sich als Kandidat für die Wahl in den Jugendgemeinderat aufstellen zu lassen. Den Sprung ins Gremium schaffte er auf Anhieb und ist dort einer der Jüngsten. Die Arbeit im Rat wurde von Corona zwar für einige Zeit ausgebremst, doch mittlerweile hat man sich schon zweimal wieder getroffen. Auch wenn Jonathan sich noch mehr Einfluss der Jugend auf die Kommunalpolitik wünscht – sein Anliegen, mehr Radwege zu schaffen, um den Autoverkehr zurückzudrängen und seine damit zusammenhängende Sorge um das Klima sieht er momentan zumindest in den Fokus gerückt.

"Durch wöchentlich zwei Stunden Schule schwänzen ändert sich nichts."

Klar, dass er sich in Sachen Klimaschutz aber nicht nur auf sein Mandat als Jugendgemeinderat verlassen will. Im Umfeld der Fridays-for-Future-Bewegung, vor allem aber durch den "Globalen Klimastreik" am 20. September vergangenen Jahres wurde er auf die radikaleren Klimaschützer von "Extinction Rebellion" (XR) aufmerksam und war zusammen mit seinem Bruder Simeon sofort dabei, als sich im Oktober in VS ein Ortsverein gründete. "Durch wöchentlich zwei Stunden Schule schwänzen ändert sich schließlich nichts", sagt Jonathan und findet, dass es schon den gewaltfreien "zivilen Ungehorsam" brauche, um viele Menschen auf die Klimakatastrophe anzusprechen.

Mit einem "Die in" im Schwenninger City-Rondell machte die XR-Gruppe zum ersten Mal auf sich aufmerksam. In Tierkostümen führten sie den Passanten theatralisch vor Augen, dass immer mehr Tiere aussterben. In mit Müll "dekorierten" Ganzkörperanzügen gehüllt, mischte sich die Gruppe an Weihnachten in Villingen unters Volk, mit Kreidezeichnungen auf dem Vorplatz der Volksbank und dem Aufstellen von Blumenkästen in der Kalkofenstraße und auf dem Schwenninger Marktplatz prangerte sie die Gefahr an, in der die Erde schwebt. Plakate an Bäumen und ein Insektenhotel auf dem Areal der alten Tonhalle sollten sensibel machen für den Erhalt von Lebensraum. Am Umweltzentrum "feierte" man im Mai den "Overshot-Day", den Tag, an dem die Bevölkerung alle natürlichen Ressourcen ihrer Erde verbraucht hat.

Mit Engagement beteiligt sich der Teenager bei den monatlichen Treffen der Gruppe an der Ideenfindung für neue Aktionen. Die Rückmeldungen der bisherigen seien, trotz gelegentlicher Anfeindungen in den Sozialen Medien, überwiegend positiv gewesen, sagt Jonathan Kühner. Ein Grund, warum er, unterstützt auch von seinen Eltern, als Klimarebell weitermachen will. 15 Aktive im Alter von 14 bis über 70 engagieren sich im XR-Ortsverein derzeit.

Die Jugend einbinden – das ist der Schlüssel für ein geordnetes Zusammenleben

Seinen Altersgenossen sagt Jonathan Kühner, dass sich ein Engagement für die Heimat und die Zukunft immer lohnt. Der Jugendgemeinderat setzt sich gerade für die Schaffung von Grillplätzen in Villingen und Schwenningen ein, um besonders für junge Menschen mehr Aufenthaltsräume zu schaffen. Je mehr die Jugend eingebunden und ernst genommen werde, desto eher befolge sie auch die allgemeinen Regeln eines geordneten Zusammenlebens, findet Jonathan Kühner, wenn man ihn auf Vandalismus an Grillstellen anspricht.

Eine über den Jugendrat hinausgehende Beteiligung an der Kommunalpolitik – eines Tages etwa als Gemeinderat – könne er sich auch vorstellen, sagt er. Nicht wegen Corona bleibt die sechsköpfige Familie Kühner in diesem Sommer im Land. "Wir unternehmen, wie jedes Jahr, eine mehrtägige Reise mit dem Fahrrad durch Deutschland."

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