Comedy: Michael Schopfer ist seit 15 Jahren fester Bestandteil der Satire-Szene in VS / Neue Programme
Wer kennt ihn nicht, den spitzzüngigen Friedhofsgärtner, der in seinen Paraderollen, dem geduldigen, trotteligen Schwenninger oder dem alternden Ehemann von Andrea Pflug, viel Unfug auf der Bühne anrichtet? Richtig, die Rede ist von Kabarettist Michael Schopfer, der sein 15-jähriges Bühnenjubiläum feiert.
VS-Schwenningen. "Ich habe schon immer das Maul aufgemacht", meint Michael Schopfer auf die Frage, wie es ihn überhaupt auf die Kabarettbühne verschlagen hat. Den unverkennbaren trockenen Humor habe er wohl von seinem Vater geerbt.
Anfänge mit Rolf Rabe
Und der hat ihm zunächst einige Rollen in der Schwenninger Narrenzunft verschafft. Neben Auftritten bei den Eröffnungsbällen habe er zusammen mit Rolf Rabe dreimal die Kabarettbühne der zunfteigenen Kulturnacht im ehemaligen Schlachthof organisiert.
Dass Rabe und Schopfer in puncto Humor auf einer Wellenlänge liegen, sei schnell klar gewesen. Nach einem Besuch eines Kabarettstücks in der evangelischen Kirche stand für beide fest: "Das können wir aus dem Stegreif!" Und so sei vor genau 15 Jahren das Programm "75-Doppel-D" entstanden – mit dem der waschechte Schwenninger im Grunde heute noch erfolgreich ist. "Eigentlich sind wir damals ziemlich blauäugig gewesen, haben es aber irgendwie durchgezogen", meint der Kabarettist rückblickend mit einem Schmunzeln.
Was will ich überhaupt sagen? Und was will das Publikum hören? Anhand dieses Leitfadens habe das Duo im Laufe der Jahre seine Linie gefunden und hatte sich mit seinem Humor einen Namen gemacht. Neben Auftritten in der Heimatstadt – unter anderem auf der Kleinkunstbühne der Expressguthalle – habe es aber auch Auswärtsverpflichtungen in Sindelfingen oder Spaichingen gegeben. Eine zeitraubende Neben-Aktivität also, die Rolf Rabe zum Aufhören gezwungen hatte.
LGS-Auftritt als Höhepunkt
Schopfer aber hatte Bühnenblut geleckt – und konnte mit seiner neuen Kabarettpartnerin Andrea Dunne an den Erfolg anknüpfen. Gerne erinnert er sich an den Auftritt bei der Landesgartenschau im Jahr 2010: "Es war ein ganz toller Abend und Höhepunkt der vergangenen Jahre." Denn: Nachdem die bisherigen LGS-Veranstaltungen eher mau besucht waren, hätte der Abend den Saal zum Platzen gebracht. "Die Zuschauer haben schon mittags die Plätze belegt, abends mussten 500 Menschen sogar stehen, so proppevoll war es", sagt Schopfer und lacht.
Andrea Pflug als Partnerin
Doch auch die Bad Dürrheimerin Andrea Dunne musste aus zeitlichen Gründen schließlich passen. Mit Andrea Pflug konnte Schopfer 2014 erneut eine starke Partnerin finden, mit der er bis heute auf der Bühne steht. "Sie schreibt die Texte zum Teil selber – das ist wichtig, um zwei Sichtweisen hinzubringen", kommentiert er. Ein Paar, eine Familie spielen, eben so, "wie man sich im richtigen Leben überspitzt verhält": Das ist es, was das Programm "Doppel-D: De Michel und Frau Pflug" ausmacht. "Sich selber spielen, das ist schon toll", sagt Schopfer, der auch seinen Beruf als Friedhofsgärtner in das Programm hat miteinfließen lassen.
Anders geht es beim "Duell der Giganten", dem satirischen Jahresrückblick mit dem Villinger Kollegen Thomas Moser, zu. Dieser habe vor sechs Jahren angefragt, ob er Interesse an einem gesamtstädtischen Programm habe – Schopfer habe sofort zugesagt. Doch vor dem ersten gemeinsamen Auftritt sei er gefühlt "ein halbes Jahr nervös gewesen", gibt der Kabarettist zu. "Es ist immer schwierig mit zwei Alphatieren, wie wir es sind."
Duell mit Thomas Moser
Was in den vergangenen sechs Jahresrückblicken im Villinger Ratskeller oder im Schwenninger Café Häring mit spitzer Zunge aufgearbeitet wurde, sei die Mentalität der beiden Stadtbezirke. Da trifft der arrogante, abgehobene Villinger auf den geduldigen, schmerzfreien Schwenninger, liefert sich der Großschnäuzige ein heißes Rededuell mit dem Ruhigen.
Und was dabei immer wieder ins Visier der Satiriker genommen wird, das ist die Kommunalpolitik mitsamt Stadtverwaltung und Gemeinderat. Auch ein lehrreiches Programm? "Ich glaube, dass das Ganze in den Köpfen der Zuschauer ankommt", sagt der Friedhofsgärtner. "Wir wollen aufzeigen, dass es in VS auch miteinander geht."
Kritiker des scharfen Humors gab es in den vergangenen Jahren immer wieder, trotzdem gibt dem Duo der Erfolg recht: Nahezu jede Vorstellung ist ausverkauft. Grund, in größere Veranstaltungshallen zu gehen? "Wir spielen lieber fünfmal vor 100 Leuten statt einmal vor 500", kommentiert Schopfer auch in Bezug auf das Doppel-D-Programm.
Und so sieht er sich auch in Zukunft neben dem Friedhof auf der Kabarettbühne: Für den satirischen Jahresrückblick sei es zwar stets ein Kraftakt, jedes Jahr ein nigelnagelneues Programm zu schreiben. "Doch solange es in unserer Stadt so zugeht, haben wir noch genügend Zündstoff", meint Schopfer mit einem Augenzwinkern.
Kein Ende in Sicht
Auch mit Andrea Pflug schreibt er derzeit an einem neuen Programm. "Unsere Richtung haben wir gefunden, und es gibt immer eine Weiterentwicklung." Mit seinem Beruf vereinbaren ließ sich Michael Schopfers Kabarett-Leidenschaft glücklicherweise immer, und ausschließlich auf der Bühne stehen möchte er gar nicht: "Der Erfolg am Kabarett ist nicht das Geld, sondern der Applaus."