Bildung: Stadtbibliothek hat neuen Themenschwerpunkt / Musik sorgt für schöne Momente auf beiden Seiten
Mit einer berührenden Geschichte aus dem Buch "Demenz – Angehörige erzählen: Mein Vater und die Gummiente" begann der Infonachmittag rund um das Thema Demenz in der Stadtbibliothek. Anschließend fand ein reger Austausch statt.
VS-Schwenningen. "Demenz –was tun?" lautete die Fragestellung, mit der die Stadtbibliothek Angehörige und Pflegekräfte zu einem Themennachmittag einlud. Anlass dafür war der neue Themenschwerpunkt Demenz.
"Das Thema stand schon länger auf der Tagesordnung", kommentierte Volker Fritz, Leiter der Stadtbibliothek, die Neuerung im Bestand. "Dank der Spende, die durch das Prämiensparen der Sparkasse ermöglicht wurde, können ab sofort sechs Medientaschen und sieben Medienboxen bei uns ausgeliehen werden", freute sich Anke Vieira, Mitarbeiterin der Stadtbibliothek. Darunter sind Infomaterial für Angehörige, Spiele, Vorlesegeschichten, alte Radioshows und "selbstsingende" Liederbücher, die für die Bedürfnisse und Fähigkeiten Demenzkranker konzipiert sind.
Viele Menschen hätten immer noch Berührungsängste mit der Krankheit, es sei aber ganz wichtig, dass das Thema Demenz in der Gesellschaft ankomme, betonte Annette Röser. Sie ist Verlegerin des "SingLiesel"-Verlags, der den Menschen mit Demenz in den Mittelpunkt seiner Produkte stellt. Für ihre Lesung, die dem Austausch voranging, wählte sie einige Geschichten aus, die zeigen, dass das Leben mit Demenz nicht nur Last, sondern auch Bereicherung sein kann. "Es ist oft so, dass es erlebt eine Tragödie ist, und erzählt die reinste Komödie darstellt", berichtete sie von ihren eigenen Erfahrungen, denn auch ihre Eltern waren an Demenz erkrankt. Mit der Gründung des Verlags vor etwa vier Jahren wollten sie und ihre Geschwister einen Beitrag leisten, dass sich Angehörige auf dem schweren Weg nicht so hilflos fühlen, schilderte Röser.
Wichtig sei, dass die erkrankten Menschen Erfolgserlebnisse verzeichnen könnten, denn "ein Mensch mit Demenz erlebt sich immer scheiternd", so Röser. Musik würde für schöne Momente sorgen, denn Erinnerungen, die im musikalischen Gedächtnis gespeichert seien, blieben länger erhalten. "Das ermöglicht glückliche Momente, wenn ein an Demenz Erkrankter sieht, dass er noch etwas kann." Die Anwesenden berichteten dann in regem Austausch von ihren Erlebnissen, Erfahrungen und Ängsten, die durch die Krankheit in den Fokus rückten.
Beratung und Informationen bekommen Angehörige beim Pflegestützpunkt Schwarzwald-Baar-Kreis, Simone Moosmann, Telefon 07721/9 13 74 56, E-Mail pflegestuetzpunkt@lrasbk.de, oder beim Arbeitskreis Demenz, Regina Büntjen, Telefon 07721/9 13 71 93.