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Villingen-Schwenningen Coronavirus: Zwischen Geduld und Existenzangst

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Foto: H_Ko – stock.adobe.com

Villingen-Schwenningen - Der Ausbruch des Coronavirus schlägt auch in der Doppelstadt weiterhin seine Wellen. Öffentliche Einrichtungen wie Ämter oder Schule müssen daher Maßnahmen ergreifen um die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Auch die Gastronomie hat mit den Folgen der Ausbreitung zu kämpfen.

Mit der Verschiebung der jährlichen Arbeitsmesse Jobs for Future wurde wohl der erste Paukenschlag gesetzt. Spätestens jetzt weiß man, dass der Ausbruch des Coronavirus auch in der Region nicht unterschätzt werden darf.

Auch die Lage in öffentlichen Einrichtungen ist nicht weniger angespannt. Schulen, städtische Einrichtungen wie beispielsweise das Bürgeramt und auch die Gastronomie können nicht einfach ein Schloss vor die Tür hängen. Maßnahmen ergriffen wurden aber auch hier.

Tourismus-Gastronomie verzeichnet Verluste

Besonders die Hotellerie und Gastronomie leidet massiv an einem Gästeschwund. Michael Steiger, stellvertretender Vorsitzender des Gastronomieverbandes Dehoga, erklärt die kritische Lage der Tourismus-Branche: "Wir haben einen starken Rückgang. Was gerade passiert ist eine massive Bedrohung für die Gastronomie hier im Umkreis." Alle Hotellerie- und Speisegastronomiebetriebe leiden besonders unter dem Fernbleiben von Geschäftsleuten. Diese bildeten für viele Hotels und Restaurants in Villingen-Schwenningen einen erheblichen Kundenanteil. "Durch die Absagen sämtlicher Messen, Seminare und teilweise sogar Geschäftsreisen verzeichnen wir einen Rückgang von nahezu 80 Prozent", erklärt Steiger. Gerade in Tourismus-Hochburgen wie etwa Triberg würden ausbleibende Besucher den Gastronomen stark zu schaffen machen.

Bei seinem eigenen Restaurant, dem Irish Pub mit Standorten in Villingen, Schwenningen und Tuttlingen, achtet Steiger auf kleinere hygienische Maßnahmen. "Das regelmäßige Händewaschen ist eine Selbstverständlichkeit. Wir haben jetzt aber auch mehrere Desinfektionsmittelspender angebracht." Außerdem würde man mittlerweile das Besteck einwickeln und die Tische nicht decken bevor Gäste diesen besetzen. "In Villingen-Schwenningen merken wir noch keinen erheblichen Rückgang der Gäste. In Tuttlingen haben wir schon etwa 40 Prozent Rückgang verzeichnen müssen. Wir warten nun ab wie es sich entwickelt", sagt Steiger.

Vereine versammeln sich nicht

Der Freizeitspaß wird auch an anderer Stelle reduziert: Vorsichtshalber sagen viele Vereine und Organisationen Treffen, Veranstaltungen und Versammlungen sowie vor allem auch unzählige Sportveranstaltungen ab. So wie der Seniorenkreis Pfaffenweiler-Herzogenweiler etwa, der nicht nur seinen geplanten Ausflug nach Wallbach absagt, sondern auch seine Hauptversammlung absagte, reagieren viele Seniorengruppierungen erwartungsgemäß besonders sensibel. Tangiert ist davon manchmal sogar der ganz normale Vereinsalltag – so setzte der Schwarzwaldverein seine für Sonntag geplante Mitgliederversammlung wieder ab und der Folkclub cancelte sein für Dienstag vorgesehenes Konzert der Banda Balcinica.

Dank "kleiner" Hallen aus dem Schneider

Apropos Konzerte: Weil die städtischen Veranstaltungsstätten jeweils nicht mehr als 900 Besucher fassen, ist das Kulturamt aktuell noch aus dem Schneider – was die Stadt selbst veranstaltet, soll wie geplant stattfinden. Im Falle neuer Richtlinien durch das Ministerium, etwa auch für kleinere Veranstaltungen, müsse man aber gegebenenfalls nachjustieren, so Pressesprecherin Oxana Brunner.

Schulen möchten nicht voreilig handeln

Der Schulleiter des Gymnasiums am Deutenberg in Schwenningen, Zoran Josipovic, zeigt sich im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten verantwortungsbewusst: "Wir halten uns strikt an die Anweisungen des Ministeriums." "Wir haben jetzt in jedem Klassenraum einen Seifenspender anbringen lassen, wo noch keiner war", erklärt er. Im Hinblick auf anstehende Ausflüge und Schullandheime im kommenden Juli würde man die Entwicklung vorerst abwarten, bevor diese abgesagt werden. "Der anstehende Schüleraustausch mit Frankreich ist von Seiten der Franzosen schon abgesagt worden", erzählt Josipovic.

Infotafeln und Hygieneanweisungen

Auch in den öffentlichen städtischen Einrichtungen wie etwa Bürger- oder Standesamt gibt es Veränderungen. Laut der Pressesprecherin der Stadt Villingen-Schwenningen, Oxana Brunner, haben die Mitarbeiter dieser Einrichtungen ein Rundschreiben erhalten mit einer allgemeinen Anpassung der Hygienevorschriften. Auf Händeschütteln verzichte man ebenfalls. Außerdem stehen überall in den Ämtern Info-Schilder, die rund um das Coronavirus und diverse Vorgehensweisen bei Auslandsaufenthalten aufklären.

Oft aber werden solche Hinweise aktuell kaum mehr wahrgenommen. An allen Ecken wird der Alltag der Doppelstädter mit solchen Hinweisen überschwemmt. Viel tiefer als die Angst vor einer Ansteckung sitzt die Sorge um die wirtschaftlichen Folgen.

Keine Messe, kein Geschäft

Wie schwerwiegend sie sein können, zeigt sich anhand den Absagen von Messen landauf, landab. Viele von ihnen finden im Frühjahr statt und dienen den Firmen in der Region Schwarzwald-Baar dazu, ihre Auftragsbücher für das Jahr zu füllen.

Die Absage der wichtigsten Branchenmesse, der "Light and Building", beispielsweise stellt den Villinger Leuchtenhersteller Hess vor eine große Herausforderung. Ab Mittwoch sollte in Frankfurt aufgebaut werden, am Montag kam die Absage fürs Frühjahr mit Verschiebung in den Herbst. Der 400 Quadratmeter große Messestand vom Messebauer war längst erstellt, der Aufbautrupp organisiert. "Nicht unerhebliche Kosten" sind angefallen, macht Hess-Sprecher Marco Walz im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten deutlich. Und nun? Auch guter Rat ist teuer. Der riesige Messestand wird vorerst für ein halbes Jahr eingelagert und die Vertriebler sind mächtig gefordert. Für sie gilt es, die neuen Produkte, deren Rollout bei der Light and Building gewesen wäre, schon auf anderen Wegen an den Kunden zu bringen. Architekten, Lichtplaner und Bürgermeister im Inland gehören dazu, aber auch potenzielle Abnehmer im Ausland. "Die Messe wurde immer internationaler", weiß Walz, "es ist tatsächlich die Weltleitmesse". Ebenfalls ein Riesennachteil: Im Frühjahr ist noch Spielraum in den Budgets der Kunden, im Herbst hingegen sind sie meist ausgereizt.

Hamsterkäufe der anderen Art

Die Verschiebung der "Light and Building" tangierte auch die Fela GmbH. "Das war sehr unangenehm für uns", sagt Geschäftsführer Norbert Krütt im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch das Coronavirus hat auch andere Auswirkungen auf den Hersteller und Händler für Leiterplatten, Baugruppen und Systeme aus Süddeutschland, denn: 50 Prozent des Jahresumsatzes von jährlich etwa 22 Millionen Euro werde mit asiatischen Partnern generiert. "Das hat zu Lieferverzögerungen geführt", erläutert Krütt, froh darüber, dass die Partner im Reich der Mitte endlich wieder zu 70 Prozent produktionsbereit seien. Bleibt also aktuell noch das Problem der Logistik: Fast alles kommt per Luftfracht zur Fela GmbH, am liebsten per Linienflug. Doch die fehlen nun, und andererseits kommt es zu Verteuerungen, weil die Inanspruchnahme entsprechender Transportdienstleister teurer ist. Hektisch wird der Geschäftsführer trotzdem nicht. "Ich persönlich halte es im Moment für eine fast unverantwortliche Panikmache", stellt Krütt klar und hat auch eine gute Wirtschaftsnachricht parat: Hamsterkäufe – "nur nicht in Form von Nudeln, und Hamster haben wir im Moment auch keine mehr", scherzt er. Nein, es sind Hamsterkäufe ganz anderer Art: Weil viele Mitbewerber in Asien mit Lieferengpässen kämpften, dürfe Fela sich über Mehrkäufe und einen außerordentlich hohen Auftragseingang freuen.

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