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Villingen-Schwenningen Corona-Krise: "Es wird nicht mehr jeder Laden öffnen können"

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Der Plattform "Handeln für VS" haben sich zahlreiche Einzelhändler und Gastronomen angeschlossen. Foto: Eich

Villingen-Schwenningen - Mit nicht auszugleichenden Umsatzeinbußen haben die Einzelhändler in VS derzeit zu kämpfen. Während die Vorbereitungen für die Lockerung der Corona-Verordnung laufen, wird auch Kritik an der Händler-Plattform laut.

Es sind drastische Worte, die Tanja Broghammer, Geschäftsführerin des gleichnamigen Villinger Modehauses und Mitglied des GVO-Vorstands für die Sparte Handel & Gewerbe Villingen, wählt. "Nach der Krise wird nicht mehr jeder Laden öffnen können – einige Einzelhändler werden diese Zeit nicht überleben, wenn sie nicht schnell Hilfen vom Staat aber auch von Vermietern bekommen", ist sie überzeugt.

Denn die derzeitige Schließung würden bei den meisten Handeltreibenden in der Doppelstadt für Umsatzeinbußen sorgen, die nicht auszugleichen seien. Das spürt Broghammer auch angesichts der drei Filialen in der Villinger Innenstadt am eigenen Leib. Aber es gibt ebenso Lichtblicke: "Einige Kunden unterstützen uns und kaufen Gutscheine." Die Freude sei immer groß, wenn die Modeexperten etwas für ihre Kunden zusammenstellen könnten – auch wenn die derzeitigen Einnahmen in keinem Fall die monatlichen Kosten decken würden. "Und von den staatlichen Krediten hat der Einzelhandel bisher auch noch nichts gesehen, das hört sich in den Medien immer super an, aber die Bedingungen sind für viele schwierig", so die Handelsexpertin.

Küche selbst ausmessen

Sie macht in diesem Zusammenhang aber ebenso darauf aufmerksam, dass die Corona-Krise für die Stadtkasse sicherlich weitreichende Folgen haben wird. Denn fehlende Gewerbesteuereinnahmen hätten für städtische Investitionen – sei es in Straßen oder Bildungs- und Kindertagesstätteneinrichtungen – deutliche Auswirkungen.

Das solle sich ihrer Meinung nach jeder bewusst machen, der derzeit im Internet einkauft, statt den lokalen Einzelhandel zu unterstützen. "Deshalb ist nun die Solidarität der Bürger gefragt", macht die Geschäftsführerin deutlich. Nur so sei es möglich, auch die Einkaufsmöglichkeiten in den VS-Innenstädten zu erhalten.

Beim Möbelhaus Happy Hölzle und dem dazugehörigen Küchenstudio Küchen Hölzle hat man mit den Einschränkungen ebenfalls zu kämpfen. Junior-Chefin Viktoria Kettner berichtet, dass der klassische Möbelverkauf derzeit kaum möglich sei. "Aktuell liefern wir vor allem bereits bestelle Ware aus", erklärt Kettner. Neben einem Lieferteam sei zudem ein Küchenfachberater weiterhin tätig, um die Planungen zu fertigen. "Manche Kunden messen nun ihre Küche selbst aus, um zumindest grob mit der Planung beginnen zu können", so die Junior-Chefin. Vor Ostern habe man zudem Deko-Päckchen gepackt und diese nach Bestellung und kontaktlosem Bezahlen verkauft.

Kritik an "Handeln für VS"

Hilft denn die von der Stadt ins Leben gerufene Plattform "Handeln für VS", auf der sich Handel- und Gewerbetreibende sowie Gastronomen präsentieren und Informationen zu möglichen Abhol- und Lieferservices darstellen können? "Es ist super, dass es eine solche Sache gibt", erklärt hierzu Broghammer, schränkt dann aber gleich ein: "Die Seite wird im Internet nur schlecht gefunden und sie wird nicht richtig vermarktet." Bislang habe niemand aufgrund der Plattform den Weg in das Modehaus gefunden. Da seien deshalb noch Verbesserungen notwendig.

Das sieht auch Nicole Huschauer, Marketing-Verantwortliche bei Sport Müller in Schwenningen, so. "Aus Sicht eines Endverbrauchers wird die Seite zu wenig publiziert." Sie ist der Meinung, dass "Handeln für VS" stärker vermarktet werden müsse – Plakate würden ebenfalls nicht helfen, "weil die Innenstädte ja leer gefegt" seien. Ansonsten sei der Schwenninger Sportartikel-Spezialist angesichts des Internetshops gut aufgestellt. Huschauer: "Aber es ist natürlich kein Vergleich zu einem geöffneten Laden."

Oxana Brunner, Pressesprecherin der Stadtverwaltung, gibt hinsichtlich der schlechten Auffindbarkeit der Händler- und Gastronomenplattform im Internet zu bedenken, dass sie Seite noch recht jung sei, keinen umfangreichen Inhalt hätte und nicht indiziert sei. Demnach müsse Geld investiert werden, um ein besseres Ranking zu erreichen. Brunner: "Die Stadt muss aber ihr Budget im Blick behalten." Man wolle deshalb abwarten, inwieweit die Seite auch nach der Corona-Krise noch Bestand haben könnte, um dann die Seite weiter auszubauen und darin zu investieren.

Brunner ist sich angesichts von 17 600 Besuchern und über 40 000 Seitenaufrufen seit dem Freischalten der Internetseite aber sicher, dass die Plattform durchaus von Kunden gefunden wird. Man habe auch diverse Verlinkungen auf den städtischen Seiten angepasst, um den Werbeeffekt zu erhöhen. Zudem seien die EDV-Experten der Stadt an dem Thema dran.

Erste Exit-Vorbereitungen

Derweil laufen erste Vorbereitungen für eine Lockerung der Verordnungen, die von der Bundesregierung am Mittwochabend verkündet wurden. Demnach dürfen ersten Informationen zufolge ab Montag Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern wieder öffnen. Da kommt es gelegen, dass sich schon vor dieser Ankündigung laut Broghammer viele Einzelhändler darum bemüht hatten, Masken für die Mitarbeiter zu besorgen und als weiteren Infektionsschutz Plexiglasscheiben im Kassenbereich zu installieren.

Doch selbst wenn die Läden wieder öffnen dürfen, sei bei "Sport Bubi" in der Färberstraße noch kein Aufatmen angesagt. "Ich bin total abhängig vom Fußball", so Inhaber Alexander Lees. Da er insbesondere Amateurfußballer ausstattet, sei diese Kundenschicht momentan angesichts der ausgesetzten Fußballsaison gar nicht vorhanden. "95 Prozent der Aufträge fallen weg", so Lees. Und dies wird sich für "Sport Bubi" so lange nicht ändern, bis auch in den Fußballligen der Region wieder der Ball rollt.

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