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Villingen-Schwenningen Cochemer Modell

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Foto: fotolia/detailblick-foto Foto: Schwarzwälder-Bote

Die Trennung ist da und nun steht das Kind im Mittelpunkt von teils nicht jugendfreien Auseinandersetzungen. Das muss nicht sein.

Von Eva-Maria Huber

Schwarzwald-Baar-Kreis. Ein Kreis von Jugendämtern, Familiengerichten und Anwälten setzt seit Jahren auf das Schwarzwald-Baar-Modell, dessen Eckpunkte zum Teil gesetzlich verankert wurden: Ziel ist es, die Endlosspirale der Streitigkeiten zum Wohle des Kindes zu stoppen.

Wolfgang Fricker weiß von was er spricht, wenn er eine positive Bilanz über das Schwarzwald-Baar-Modell zieht, das sich an das Cochemer Modell (Info) anlehnt. "Das Schwarzwald-Baar-Modell hat sich bewährt", meint der Mitarbeiter im Kreisjugendamt Schwarzwald-Baar, und führt vor allem einen Grund auf: "Es wird nicht mehr so häufig und so schier endlos gestritten." Verfahren vor dem Familiengericht seien häufig sehr konfliktreich und leider werde auch dreckige Wäsche gewaschen." Grundprinzip des Modells deshalb: "Eltern sollen sich ihrer Verantwortung als Erziehungsberechtigte stellen."

Was für den Tuttlinger Landkreis der "Tuttlinger Weg" ist, heißt im Kreis "das Schwarzwald-Baar-Modell". Beide Modelle meinen den gleichen Ansatz und beide Landkreise haben gute Erfahrungen gemacht. Zwar seien die hochstrittigen Fälle nicht die Regel und liegen laut Fricker und Reinhard Günther (Landkreis Tuttlingen) deutlich unter fünf Prozent. "Doch dann erleben wir einen Kampf bis aufs Messer ohne Rücksicht aufs Kind."

Wer steht hinter dem Modell? Das "Forum Kind und Familie" im Schwarzwald-Baar-Kreis ist ein Arbeitskreis von Jugendämtern, Beratungsstellen, Familiengerichten und Rechtsanwälten. Und genau dieser Kreis war es auch, der sich von Kollegen aus Cochem das Modell vorstellen und sich auch überzeugen ließ. Rainer Horn, ehemaliger Familienrichter, und Peter Birkenholz, seit über 20 Jahren im Familiengericht in VS, brachten das Cochemer Modell ins Gespräch und mit auf den Weg im Kreis.

Auch Jürgen Griese vom regionalweiten Verein Väteraufbruch, im Forum ebenfalls vertreten, ist mit der Entwicklung der letzten Jahre zufrieden, er zieht eine ähnliche Bilanz wie Fricker. "Die Problemfälle, die vor Gericht gehen, sind weniger geworden." Zahlen kann Familienrichter Peter Birkenholz zwar nicht nennen, doch auch er teilt den Eindruck. Pluspunkte des Modells: Binnen eines Monats gibt es zwischen zerstrittenen Eltern einen ersten Anhörungstermin, mit Jugendamt, Richter und Anwälten. "Einige Eltern verzichten dann, vor Gericht zu ziehen, wenn sie hören, dass sie zu Beratungsgesprächen sollen", beobachtet der Jurist. "Unsere Beratungsstellen machen eine gute Arbeit." Die Konsequenz: "Die Fälle sind nicht mehr so endlos strittig", sind sich Fricker und Birkenholz einig. Und das sei gut so, "denn je länger die Auseinandersetzungen dauern, desto aggressiver wird auch der Ton. Immerhin haben wir bei jedem zweiten Fall die Chance, dass sich die Wogen glätten lassen."

Wenn es um das Vermeiden von Eskalation bei Kindschaftsverfahren geht, wird auch Kritik an manchen Anwälten laut, die bei einer Scheidung "Öl ins Feuer gießen", rügt Jürgen Griese: "Die Kinder sind dann die Leidtragenden." Um so erfreulicher, ergänzt Fricker, "dass viele Anwälte hinter dem Schwarzwald-Baar-Modell stehen." Durch eine sensible Formulierung von Schriftsätzen lasse sich viel Zündstoff bei solch einem Verfahren herausnehmen. Anwälte und Mediatoren wie Michael Tritschler können da nur zustimmen: "Dieser Ansatz hat sich bewährt."

Das Cochemer Modell bezeichnet eine interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Personen und Institutionen, die am familiengerichtlichen Verfahren beteiligt sind. Hauptansatz dieses Modelles, das im Schwarzwald-Baar-Kreis im Jahr 2010 eingeführt wurde: Im Interesse der Kinder sollen die Eltern trotz Trennung wieder miteinander sprechen statt zu streiten und die Bindung des Kindes zu beiden Eltern zuzulassen. Dieses Arbeitsmodell wurde im Cochem 1992 initiiert und genießt inzwischen bundesweit Anerkennung.

In den neunziger Jahren veränderten sich die Anforderungen an die Jugendhilfe unter anderem durch das Anwachsen der Scheidungsrate und teils unbefriedigende Sorgerechts- und Umgangsregelungen. Richter, Rechtsanwälte, Mitarbeiter von Jugendämtern und Familienberatungsstellen sowie Psychologen sollten ein stärkeres Bewusstsein für die Problematik von Scheidungskindern schaffen.

 
 

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