Narrozunft: Schatztruhen für Kinder machen mit Traditionen vertraut / Sponsoren unterstützen Projekt
Von Martina Zieglwalner
Sie sind aus massivem Holz, allein zum Anschauen eine Pracht, und beim Öffnen tauchen kleine Schätze auf: die mit Kinderkragen, Schemen en miniature und Spielen bestückten Fasnetkisten der Villinger Narrozunft, die den Nachwuchs mit dem Brauchtum vertraut machen.
VS-Villingen. Wie viele Menschen hinter dem Projekt stehen und das Material in Kindergärten und Grundschulen einsetzen, zeigte sich bei der Präsentation und Übergabe der Fasnetkiste: Erzieherinnen, Lehrer, Sponsoren, Ratsherren und alle, die an der Realisierung mitgewirkt hatten, drängten sich im Festsaal in der Zehntscheuer.
Schon vor drei Jahren habe der Brauchtumsausschuss die Idee entwickelt, mit einer solchen Kiste allen Pädagogen Material an die Hand zu geben, um Kinder die Tradition der Fasnet und all ihre Figuren näher zu bringen, erklärte Zunftmeister Joachim Wöhrle. Zumal die 1997 entstandene Schulmappe nicht mehr auf dem neuesten Stand gewesen sei. So habe Hans-Jörg Voggenreiter, zweiter Zunftmeister und Sprecher des Brauchtumsausschusses, das Projekt vorangetrieben und eine ganze Reihe an Helfern um sich geschart: den Ratsherrn und Schreinermeister Peter Hupfer samt seinem Auszubildenden Quirin Säger, Katharina Hirt, Jana Metzger und Henry Greif als pädagogische Berater, den zunftinternen Medienspezialisten Jens Schaumann und seine Frau Mareike, die als Erziehungswissenschaftlerin an der kindgerechten Vermittlung all der Informationen mitgewirkt hat. Froh sei die Zunft auch, Sponsoren für 19 Kisten gefunden zu haben, betonte Wöhrle. Denn nach einer ersten Anfrage bei 40 Schulen und Kindertagesstätten hätten gleich 35 Einrichtungen ihr Interesse angemeldet.
Ziel sei es gewesen, für den Nachwuchs etwas zum Anfassen zu schaffen, und üblicherweise gehöre das Fastnetshäs in eine Kiste, erinnerte Voggenreiter an erste Überlegungen. In monatlichen Treffen, aber auch im Austausch mit Erzieherinnen und Lehrern habe die Ausstattung konkrete Gestalt angenommen. So ist jetzt ein ganzer Koffer für die Villinger Fasnet gepackt: Mit Kragen, Masch, Kappe und Fuchsschwanz können sich die Kinder in einen kleinen Narro verwandeln. Im mittleren Fach sind ein Riemen mit zwei Rollen sowie kleine Morbili- und Surhebelschemen untergebracht, denen weitere folgen. Und im untersten Fach finden sich Bücher und Spiele wie Memory oder Puzzle. "Die Fasnetkiste soll leben und lässt sich immer weiter ergänzen", forderte Voggenreiter die Pädagogen auf, weiterhin mit Anregungen auf die Zunft zuzukommen.
Gerade der USB-Stick als Kernelement der Kiste lasse sich um weiteres Material erweitern, erläuterte Jens Schaumann, der das didaktische Medienkonzept vorstellte. Der Stick enthalte nicht nur Hintergrundinformationen für die Erzieherinnen und Lehrer über die Ursprünge der Fasnet und die Handwerkskunst, sondern auch viel Material, um den Nachwuchs mit vielen Sinnen anzusprechen. Lieder, Wuescht- und Fasnetssprüchle sind ebenso gespeichert wie Filmausschnitte und ein Stadtplan mit dem historischen und heutigen Verlauf des Umzugs am Fasnetmentig oder ein Wörterbuch für Villingerisch. Auch an Bastel- und Malvorlagen ist gedacht. Und rechtzeitig zur Übergabe der 35 Kisten ist es dem Team zudem gelungen, Uwe Waldvogels Kinderbuch "Benne, der Täfelebub" zu digitalisieren.
"Durch diese Kisten gelingt es, einen Schatz weiterzutragen und zu vervielfältigen", zeigte sich Oberbürgermeister Rupert Kubon begeistert von der Idee der Zunft und der ansprechenden Präsentation. Sein Dank gelte auch allen Spendern, die sich an der Umsetzung beteiligt haben. Gerade mit Blick auf die vielen Menschen, die in Villingen leben, aber ursprünglich nicht aus der Stadt stammen, leiste die Fasnetkiste einen Beitrag, dass sich ihre Kinder wohlfühlen und ein Gespür für die Heimat entwickeln. Kubon regte Lehrer und Erzieherinnen an, sich auf das Brauchtum einzulassen und die Schatzkisten bei der Arbeit einzusetzen. So gebe es bei diesem Projekt nur Gewinner.