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Villingen-Schwenningen BKA fängt offenbar einen "dicken Fisch"

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Die Tamilen in Villingen-Schwenningen können sich nicht erklären, warum das Oberzentrum zu einem Rückzugsort für einen mutmaßlichen Terroristen wurde. Foto: Marc Eich

Villingen-Schwenningen/Karlsruhe - Rund 8000 Kilometer Luftlinie trennen Villingen-Schwenningen und Colombo, die Hauptstadt Sri Lankas. Genau dort soll Navanithan G. an dem Mordanschlag im Jahr 2005 auf den damaligen Außenminister Lakshman Kathirkamar beteiligt gewesen sein. Mehr als 13  Jahre später wird G. schließlich am Rande des Schwarzwalds nahe Villingen-Schwenningen festgenommen. Er gilt als Mitglied der terroristischen Vereinigung "Liberation Tigers of Tamil Eelam" (LTTE) und soll in dieser Funktion an der Ermordung des Politikers beteiligt gewesen sein.

Die paramilitärische Organisation kämpfte bis 2009 für die Unabhängigkeit der Tamilen in Sri Lanka - rund 240 Selbstmordanschläge gehen dabei auf das Konto der terroristischen Vereinigung. Genau an diesem blutigen Kampf soll auch der nun festgenommene, 39-Jährige beteiligt gewesen sein. Ein Konflikt, der einige Jahre zurückliegt (siehe Info) und sich Tausende Kilometer weit entfernt abgespielt hatte.

Wie kommt es dann zu der Festnahme im Schwarzwald? "Zu den näheren Angaben des persönlichen Umfeld möchten wir uns derzeit nicht äußern", heißt es von der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe auf Anfrage unserer Zeitung. Und auch die Tamilen in Villingen-Schwenningen können sich nicht erklären, warum das Oberzentrum zu einem Rückzugsort für einen mutmaßlichen Terroristen wurde.

Wo der 39-Jährige im Schwarzwald-Baar-Kreis gewohnt hatte, verrät die Behörde nicht

"Völlig überrascht" zeigt sich beispielsweise Pirakas Pavalanathan. Er ist einer von rund 500 Tamilen im Kreis Schwarzwald-Baar und gleichzeitig Rektor der tamilischen Schule in der Doppelstadt, in der die Sprache des Volkes gelehrt wird. Vor allem die Kultur stehe in der Schule im Vordergrund, über Politik unterhalte man sich eigentlich nicht. "Aber wir fragen uns schon, wer das war und warum er ausgerechnet hier war", meint Pavalanathan.

Obwohl zum näheren Umfeld des Verdächtigen bislang noch nichts bekannt ist, scheint es sich bei dem 39-jährigen sri-lankischen Staatsangehörigen um einen "dicken Fisch" zu handeln. Aufgrund seiner Beteiligung an dem tödlichen Attentat 2005 in Colombo besteht gegen den mutmaßlichen Terroristen "der dringende Tatverdacht des Mordes", wie die Bundesanwaltschaft in der Mitteilung erklärt. Ob er derjenige Scharfschütze war, der den Außenminister von Sri Lanka in der Nähe seines Hauses erschossen hatte oder nur zum Umfeld der Täterschaft gehört, dazu äußert sich die Bundesanwaltschaft nicht.

Doch Navanithan G. wird noch für eine weitere Tat verantwortlich gemacht. Im Fadenkreuz der tamilischen Terroristen war hierbei Douglas Devananda, ein tamilischer Politiker und Führer der Eelam People Democratic Party (EPDP). Die LTTE hatten insgesamt zehn Mordanschläge auf den Kritiker der Vereinigung verübt – sie schlugen jedoch alle fehl. An mindestens einer dieser Attacken soll auch der nun festgenommene 39-Jährige beteiligt gewesen sein. Ihm wird deshalb darüber hinaus versuchter Mord vorgeworfen.

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden hatte sich Navanithan G. von Ende August 2002 bis Mai 2009 in Sri Lanka der LTTE angeschlossen und wird sich deshalb auch wegen der Mitgliedschaft in der ausländischen terroristischen Vereinigung verantworten müssen. Er soll der Geheimdiensteinheit angehört haben, die wiederum in zwei Organisationen aufgeteilt war.

Aufgrund der bisherigen Ermittlungen und des daraus resultierenden Haftbefehls des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs hat die Bundesanwaltschaft den dringend Tatverdächtigen durch Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) festnehmen lassen. Zudem sei seine Wohnung durchsucht worden. Wo der 39-Jährige im Schwarzwald-Baar-Kreis genau gewohnt hatte, dazu äußert man sich jedoch nicht. Die Ermittlungen seien ohnehin noch nicht abgeschlossen. Erst dann wird sich herausstellen, ob tatsächlich Anklage erhoben werden kann und der Mann sich vor einem deutschen Gericht für seine Taten im entfernten Ausland verantworten muss.

 Urlaubsziel

Die Tropeninsel Sri Lanka ist ein seit Jahren beliebter werdendes Urlaubsziel. Pro Jahr reisen rund 1,5 Millionen Touristen auf die Insel mit nur etwa 20 Millionen Einwohnern; unter den ersten fünf Herkunftsländer liegt dabei stets Deutschland.

 Infrastruktur

Wirtschaftlich versuchte die Regierung in den vergangenen Jahren, Sri Lanka durch große Infrastrukturprojekte wie einen neuen internationalen Flughafen und einen Tiefseehafen zu einem Knotenpunkt in Südasien zu machen. Dies geschah mit ausländischen Geldern, vor allem aus China. Sri Lanka nähert sich nun wieder mehr Indien und dem Westen an.

 Ethnien und Religion

Die Insel im Indischen Ozean ist ethnisch und religiös gespalten. Etwa drei Viertel der Bewohner des früheren Ceylon sind überwiegend buddhi­stische Singhalesen, rund 18 Prozent sind meist hinduistische Tamilen. Sie sprechen auch verschiedene Sprachen. Die Minderheit, die während der britischen Kolonialherrschaft teils von Indien übergesiedelt war, fühlte sich unterdrückt und von Regierung, Polizei und Militär ausgeschlossen. Ihre Proteste mündeten in einen Bürgerkrieg.

 Bürgerkrieg

26 Jahre lang tobte der Bürgerkrieg in Sri Lanka. Von 1983 bis 2009 kämpften die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) für einen unabhängigen tamilischen Staat im Norden der Insel im Indischen Ozean. Auf der anderen Seite standen Truppen der Regierungsarmee, die den Aufstand schließlich niederschlugen.

 Terrororganisation LTTE

Beiden Seiten wird vorgeworfen, Kriegsverbrechen begangen zu haben. Die LTTE – die von der EU als Terrororganisation eingestuft wurde – zwangsrekrutierte Kinder. Sie verübte Hunderte Selbstmordanschläge und sprengte Züge in die Luft. Die Armee wiederum soll während des Bürgerkriegs Zivilisten sowie Kliniken bombardiert haben.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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