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Musiker zelebrieren ihre Wiederauferstehung. Motto: Sie lebt doch noch! Ball zählt zu den schönsten der Stadt.

VS-Villingen - Da dürfte so manchem ein Stein vom Herzen gefallen sein, als die "Alte Kanne" das Motto ihres Balls verkündete: "Wir leben noch."

Schließlich begleiten viele die Guggenmusik nicht nur seit Jahren, sondern seit Jahrzehnten. Und überdies gilt der Ball als ein Ball unter Freunden, der aufgrund seiner "Wohnzimmeratmosphäre" zu den schönsten der Stadt zählt.

Bei den Vorbereitungen zum Jubiläumsfest 2013 sei leider das Missverständnis aufgekommen, die "Alte Kanne" werde sich auflösen, erklärte Guggenmusik-Präsident Egon Mauch bei der Eröffnung im Gasthaus Jägerhaus.

Eine "Fehlinterpretation", denn die Musiker hätten lediglich beschlossen, am Fasnetumzug nicht mehr teilzunehmen. Von Auflösung sei nie die Rede gewesen, sagte Mauch und versprach: "Wir werden Sie auch weiter mit unserer Musik quälen." Missverständnis hin oder her – die Stadt habe die Guggenmusik bei den Vorbereitungen zu ihrem Fest anlässlich des 50-jährigen Bestehens jedenfalls hervorragend unterstützt, lobte Mauch. Wenngleich er das von seinen Kollegen im vergangenen Jahr nicht immer behaupten konnte. So habe man den Notenwart Fritz Fleig kurzerhand seines Amtes enthoben und den Sozialbeauftragten Günther Mauch beschnitten "aber nicht körperlich", relativierte Egon Mauch.

Es folgte ein gut vierstündiger kurzweiliger Streifzug durch die Villinger Kneipenfasnet-Szene. Mit einem Appell an alle Gäste, sich der neuen Initiative "VIB" – Villinger interessierte Bürger – anzuschließen, startete Michael Schonhardt sein Programm.

Dass man in Villingen-Schwenningen zwölf Ämter habe, sagte er, "merkt man nur an den Kosten". Ständig würden die Überstunden der Mitarbeiter diskutiert – "von Mehrarbeit ist aber nie die Rede". Die VIB fordern daher: "Die Stadt muss schlanker werden!" Nur wie? Mit der "Fußhoeller-Strategie", schlug Schonhardt vor. Alle Mitarbeiter sollten drei Wochen Urlaub machen, wer nicht fehlt, den braucht man auch nicht. Am Ende sei ein zentrales Rathaus obsolet, "dann passen alle wieder ins alte."

Gunther Schwarz hatte diesmal einen besonderen Gast dabei: Martin Schmitt "mit Doppel-t". Der Starsportler habe es sich nicht nehmen ­lassen, der "Alten Kanne" zu Ehren ins "Studio" zu ­kommen, verdeutlichte Schwarz, während Greif zum Sturzflug über die "Schanze(l)" ansetzte. Greif und Schwarz machten einen gedanklichen Rundgang durch Villingen, wo Narros in Strählbüchern illegal Daten horten und die Zunft ihre Mitglieder überfordert, weil Karten nur noch online bestellt werden können. Die "Flower Klauer" gingen dem "Holzwurm in der Merze-Scheme" auf die Spur. Die "Sockemolli" weckten den Hunger auf Leberle, Kutteln, Schlachtplatte – und Fasnet.

"Los Ämol" setzten wieder einmal zur Feldarbeit an mit ihrem Tophit "Maiet Silo", der beim Ball der "Alten Kanne" ebenso wenig fehlen darf wie der krönende Schluss mit den Hills Angels und ihren "Heimatliedern", begleitet von Banjo, Gitarre, Kontrabass, Geige und einer gehörigen Portion Wortwitz. Für Musik und Stimmung sorgten außerdem die Rentnerbänd, die Altstadtmusikanten und natürlich die Gastgeber selbst.