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Villingen-Schwenningen Aus den Tiefen Sibiriens ins Oberzentrum

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Alternative zum stressigen Arztberuf: In seiner Freizeit greift der Mediziner Vladimir Tretyakov gerne nach einem Eis­hockeyschläger. Foto: Tretyakov Foto: Schwarzwälder Bote

Von Sibirien in den Schwarzwald ist es ein weiter Weg. Wer ihn antritt, muss klare Pläne und zum Erreichen des Ziels auch das nötige Quäntchen Glück haben. Vladimir Tretyakov hat das Abenteuer bestanden, und zufrieden lächelnd blickt der Arzt am Schwarzwald-Baar-Klinikum auf eine durchaus aufregende Geschichte zurück.

Villingen-Schwenningen. Dass die berufliche Zukunft einmal im Schwarzwald liegen würde, hätte sich der heute 32-Jährige in Kindertagen wohl kaum vorstellen können, wenngleich es in seiner Heimat an Kontakten zu Deutschen und ihrer Kultur nicht mangelte. Zwetnopolje, das Dorf, in dem er aufwuchs, hieß einst Blumenfeld und war 1906 von wolgadeutschen Umsiedlern gegründet worden. Fremdsprachlich half ihm das allerdings wenig, denn diese unterhielten sich untereinander auf "Plautdietsch" (Plattdeutsch). Und damit konnte der kleine Vladimir einst ebenso wenig anfangen wie später als Erwachsener mit Schwäbisch und ­Badisch.

Doch der Reihe nach. Wer in Sibirien lebt, spielt Eis­hockey. Wenigstens im Winter. Und dieser dauert 60 Kilometer von der Millionenstadt Omsk entfernt, wo Tretyakov geboren wurde, extrem lange. Die Frage nach dem nächstgelegenen Eisstadion in seiner alten Heimat, beantwortet er lachend. "Um uns herum gab es nur Eis." Auf selbigem fand er sich glänzend zurecht, so gut, dass er als Zwölfjähriger ins Trainingslager des russischen Spitzenklubs HK Awangard Omsk einrückte.

Eishockey-Profi oder Arzt?

"Entweder Eishockey-Profi oder Arzt", so lauteten seine damaligen Vorstellungen. Und weil sein Vater Letzteres war und in Zwetnopolje als Internist arbeitete, befolgte er dessen Rat, auf die Medizin zu setzen. Fortan blieb der schnelle Kufensport nur noch schönes Hobby.

Nach Beendigung der Schule absolvierte Tretyakov von 2003 bis 2009 in Omsk sein Medizinstudium. Ein Praxisjahr stand auf dem Programm. Und nun kam die Person ins Spiel, die sein Leben nachhaltig beeinflussen sollte. Bei einem Symposium zum Thema Medizintechnik in Omsk traf Tretyakov auf Friedrich Thielemann. Der Chefarzt der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie im damaligen Schwenninger Krankenhaus – später dann auch im Schwarzwald-Baar-Klinikum – war zu Gast. Man kam ins Gespräch, und Thielemann schlug dem angehenden Mediziner vor, besagtes Jahr in Schwenningen zu absolvieren, was dieser dankend annahm.

"Ich kam an einem Sonntag nachts um zwölf in Villingen am Bahnhof an, weil der Zug zwei Stunden Verspätung hatte, und mein Deutsch war schlecht", schildert Tretyakov den zähen Start in neuer Umgebung.

Irgendwann war er dann doch in Schwenningen, und dort ging es gleich so richtig zur Sache. Bei freier Kost und Logis sowie einer Entlohnung, "die gar nicht so schlecht war", wurde Tretyakov sofort gefordert. "Ich musste von Beginn an im OP mitarbeiten", erinnert er sich an eine harte, aber lehrreiche Zeit. Thielemann ließ nichts durchgehen. "Wenn’s gut war, lobte er, wenn nicht, zog er dich an den Ohren", schildert Tretyakov schmunzelnd die Zusammenarbeit, die ihn nachhaltig geprägt hat.

"Der Professor war wie ein zweiter Vater für mich. An ­Ostern hat er mir ein Kuvert gegeben. Ich habe es in die ­Tasche meines Arztkittels gesteckt und erst später aufgemacht." Über die Osterkarte und eine finanzielle Zuwendung freut er sich noch heute. Es war nur eine von vielen schönen Episoden seines Praktikantendaseins.

Thielemann unterstützt ihn

Im Sommer 2010 ging es dann zurück nach Russland, doch Thielemann spielte weiter die Hauptrolle in Tretyakovs beruflicher Karriere. Von Ende 2010 bis 2011 durfte der junge Mediziner als Gastarzt in Schwenningen arbeiten. Die Gleichwertigkeitsprüfung der in Russland erworbenen Qualifikation als Orthopädie- und Unfallchirurg ging im ersten Versuch daneben, im zweiten Anlauf klappte es. Dann war das Visum abgelaufen – also wieder zurück nach Russland.

Er wohnt in der Südstadt

Doch Deutschland blieb das Ziel. Nach einem kurzen Intermezzo in Sachsen-Anhalt, wo Tretyakov am Johanniter-Krankenhaus in Stendal als Assistenzarzt arbeitete, zog einmal mehr Thielemann die Fäden. Er holte seinen Zögling im Frühjahr 2014 ans neue Schwarzwald-Baar-Klinikum. Sein Mentor ging 2016 in den Ruhestand, Tretyakov ist immer noch da, arbeitet derzeit in der Klinik-Dependance Donaueschingen und wird in absehbarer Zeit den Schritt vom Assistenz- zum Facharzt machen.

In der Villinger Südstadt haben er und seine Frau Maria, die er während seines Omsker Studiums kennengelernt hat, ein Domizil gefunden, in dem sie sich wohl fühlen. Zwei kleine Söhne komplettieren das Familienglück des Arztes und der Lehrerin, die in Düsseldorf und Freiburg Fremdsprachen studiert hat.

Und auch das Eishockey spielt wieder eine Rolle. Bei der Hobbytruppe Fun Wings agiert der Russe als Stürmer, und bei den Heimspielen der Wild Wings gehört er dem medizinischen Betreuerstab der Profis an. Gut 5200 Kilometer entfernt von der sibirischen Heimat hat sich der Kreis also auf perfekte Weise geschlossen.

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